Buch „Sexualität und Soziale Arbeit: Zur Notwendigkeit Sexueller Bildung im Studium der Sozialen Arbeit“ (Andrea Altenburg)

Andrea_Altenburg_Soziale_Arbeit_SexualitaetSehr gern weise ich auf den Band „Sexualität und Soziale Arbeit“ von Andrea Altenburg hin, der zugleich eine zweite sexualwissenschaftliche Reihe des Instituts für Angewandte Sexualwissenschaft der Hochschule Merseburg eröffnet. Die Reihe erscheint im Hochschulverlag Merseburg und orientiert auf sehr gute Qualifikationsarbeiten, die an der Hochschule Merseburg entstehen.

Altenburg gibt in ihrem Band einen Überblick über die Angebote zu Sexueller Bildung im Studium der Sozialen Arbeit im bundesweiten Vergleich – sowohl zu den (notwendigen) Inhalten, als auch zum bisherigen Angebot.

Der Band:
Sexualität und Soziale Arbeit: Zur Notwendigkeit Sexueller Bildung im Studium der Sozialen Arbeit

# von Andrea Altenburg
# Merseburg 2016: Hochschulverlag
# 120 Seiten, 11,40 Euro
# ISBN: 978-3-942703-48-2
# Der Band kann überall im Buchhandel und hier bestellt werden.

Die Schriftenreihe:
Der Lehr- und Forschungsschwerpunkt Angewandte Sexualwissenschaft am Fachbereich Soziale Arbeit. Medien. Kultur ist im deutschsprachigen Raum einzigartig. Auf Grund seines Charakters an der Nahtstelle zwischen Theorie und Praxis entstehen hier innovative Arbeiten insbesondere im Bereich der sexuellen Bildung. In der Reihe Sexualwissenschaftliche Schriften werden sehr gute Qualifikationsarbeiten publiziert. Sie sollen Forschungsprojekte bereichern und Anregungen für die Praxis liefern.

Buchreihe mit Titeln zu Naturwissenschaften und Geschlecht

Im Talheimer Verlag gibt es die schöne Reihe nut e.V., in der seit Beginn der 1990er Jahre eine ganze Zahl sehr guter Arbeiten zu feministischen Perspektiven in Naturwissenschaft und Technik erschienen sind. Nun sind alle Bände wieder erhältlich – und sehr zu empfehlen! Hier gibt es eine Übersicht über die Bände. Darunter sind unter anderem und für die Themen dieses Blogs besonders interessant:

Band 09: Die Fortpflanzung der Geschlechterverhältnisse: Das metaphorische Feld der Parthenogenese in der Evolutionsbiologie

  • von Kirsten Smilla Ebeling
  • 368 Seiten, br., 19,50 €
  • aus dem Vorwort: „Die vorliegende Arbeit ist einem Thema der biologischen Forschung gewidmet, das erst auf den zweiten Blick seine Brisanz und Aktualität offenbart. ‚Parthenogenese‘, wörtlich übersetzt ‚Jungferngeburt‘, ist ein Spezialbegriff der Zoologie. Er kennzeichnet eine Fortpflanzungsart, die in den Lehrbüchern der Biologie als Sonderform, als Randphänomen der ‚normalen‘ und evolutionsbiologisch angeblich ‚vorteilhafteren‘ zweigeschlechtlichen Fortpflanzung erscheint. In ihrer Arbeit zeigt Smilla Ebeling, dass diese ‚Randposition‘ der Parthenogenese weniger ihrem seltenen Vorkommen – das bei genauerem Hinsehen aber gar nicht so marginal ist –, als vielmehr der Überlagerung biologischer Diskurse mit den durch ein zweigeschlechtliches Gender-Dispositiv hervorgerufenen Stereotypen und Denkbildern geschuldet ist.“
  • Link zum Buch beim Verlag

Band 11: Das Geschlecht der Biologie

  • hg. von Bärbel Mauß, Barbara Petersen
  • 144 Seiten, br., 15.00 €
  • Aus der Beschreibung: „Im Mittelpunkt des vorliegenden Sammelbandes stehen drei zentrale Fragenfelder der feministischen Biologieforschung: Wie strukturiert die Kategorie Geschlecht biologische Forschung? Wie entwirft die Biologie als Wissenschaft die Kategorie Geschlecht? Wie ist das Verhältnis zwischen Biologie und der Kategorie Geschlecht? Auf diese Fragen geben Fachwissenschaftlerinnen in der Tradition der deutschsprachigen feministischen Auseinandersetzung mit Naturwissenschaften, Technik und Medizin Antworten. …“
  • Link zum Band beim Verlag

Band 12: Naturwissenschaften und Gender in der Hochschule – Aktuelle Forschung und erfolgreiche Umsetzung in der Lehre

  • hg. von Helene Götschel, Doris Niemeyer
  • 192 Seiten, br., 20,00 €
  • Aus der Beschreibung: „Hochschule und Wissenschaft sind, wie alle gesellschaftlichen Institutionen und Bereiche, tiefgreifend durch das (soziale) Geschlecht – oder Gender – strukturiert. Frauenforschung und Geschlechter- oder Genderforschung, also Forschung mit Reflexion auf Gender, untersuchen die Konstruktionen dieser Strukturen, vor allem die soziokulturellen Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit sowie ihres Verhältnisses zueinander. Die Analysen verweisen meist auf strukturelle Ungleichheitslagen, auf historisch und kulturell determinierte Herrschaftsformen, auf hierarchische Geschlechterverhältnisse in Hochschulen und Gesellschaft wie auch auf androzentrische Wissenschaftskonzepte. Diese Ungleichheitslagen reproduzieren sich zudem aufgrund der herrschenden Strukturen. Somit ist das Forschungsinteresse der Geschlechterforschung oft mit dem Impuls zu Veränderungen verbunden und hat gesellschaftlich, hochschulpolitisch und wissenschaftlich relevante Innovationen zur Folge.“ (Doris Niemeyer)
  • Link zum Band beim Verlag

Hier finden sich weitere Literatur- und Videoempfehlungen zu Geschlecht und Biologie.

Literaturliste: Geschlecht und Biologie – aktuelle Forschung

[Die nachfolgende Liste wird kontinuierlich erweitert – letzte Aktualisierung: 7.5.2016.]

Literaturliste: Geschlecht und Biologie – aktuelle Forschung

Im Folgenden findet sich ein Überblick über Forschungen zu Geschlecht und Biologie, der stetig erweitert wird. Dabei werden insbesondere Beiträge aus der Neurobiologie, der Genetik, der Epigenetik, der Hormonforschung und der Evolutionsbiologie aufgenommen; berücksichtigt sind einerseits deutschsprachige Arbeiten (die einen Zugang ermöglichen sollen), andererseits besonders wegweisende deutsch- und englischsprachige Publikationen. Berücksichtigt sind Videos, online verfügbare Artikel und Hinweise auf Bücher.

Gute Filme, um Diskussionen zu eröffnen:

Homoelektrik, Leipzig (2009): „Doktorspiele“ – oder: Welches Geschlecht hat Mutti Natur? zum Film

Maria Helena (2011): „Stimme X/Y“ – oder: – Wenn die Stimme irritiert. Film mit Tino (Valentin). zum Film

Voß, H.-J. (2011): „Zur gesellschaftlichen Konstruktion von biologischem Geschlecht“, gehalten in Gießen. zum Film

Vorträge zum Anhören:

Palm, K. (2009): Die Natur der Schönheit. (Kritische Betrachtungen zur evolutionstheoretische Attraktivitätsforschung) Zum Vortrag

Palm, K. (2009): Was kann die biologische Forschung über Geschlechterunterschiede aussagen? Zum Vortrag

Voß, H.-J. (2010): Das Geschlecht der Gleichen. Entsprechungen und Gleichheit von Mann und Frau in biologischen Geschlechtertheorien. Zum Vortrag

Butler, J. (2011): Gender Performance. (Butler erläutert u.a. den Unterschied zwischen „…Gender is performed…“ und „…Gender is performative…“) Video hier online.

(Etwas anderes Thema: Voß, H.-J. (2011): Queer und Kapitalimsuskritik (bzw. Geschlecht und kapitalistische Produktionsweise). Zum Vortrag – dort unter 2.)

Zur populären Annäherung:

Bahnsen, U. (2008): Erbgut in Auflösung: Das Genom galt als unveränderlicher Bauplan des Menschen, der zu Beginn unseres Lebens festgelegt wird. Von dieser Idee muss sich die Wissenschaft verabschieden. In Wirklichkeit sind unsere Erbanlagen in ständigem Wandel begriffen. ZEIT Online

Jordan, Kirsten, Quaiser-Pohl, Claudia. Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken und Männer ihnen Recht geben. Über Schwächen, die gar keine sind. DtV 2007.

Schmitz, S. (2006): »Niemand weiß, ob eine Frau oder ein Mann das Werkzeug erfunden hat« ZEIT Online

Zur wissenschaftlichen Annäherung:

Online:

Butler, Judith. Doing Justice to Someone – Sex Reassignment and Allegories of Transsexuality. GLQ, 7 (2001), 4, 621-636 (In deutscher Übersetzung: Butler, Judith. Jemandem gerecht werden – Geschlechtsangleichung und Allegorien der Transsexualität. Das Argument, 242 (2002)
Online: http://www.linksnet.de/de/artikel/18051 ).

Klinge, I., Wiesemann, C. (2010): Sex and Gender in Biomedicine : Theories, Methodologies, Results. Universitätsverlag, Göttingen. (als Volltext Online)

Mauss, B. (2001): Zur Neuerfindung des biologischen Geschlechtes in
molekulargenetischer Forschung am Ende des 20. Jahrhunderts. Online.

Fausto-Sterling, Anne: The Five Sexes – Why Male and Female Are Not Enough. The Sciences, March/April 1993, S.19-25.

Fausto-Sterling, Anne: The Five Sexes, Revisited – The Varieties of Sex Will Test Medical Values and Social Norms. The Sciences, July/August 2000, S.17-23.

Palm, K. (2012): Kontextualisierte Epigenetik. GID 212 (Juni 2012): 33-35. Online.

Palm, K. (2015). Gehirnforschung. In  Gender Glossar / Gender Glossary (3 Absätze). Verfügbar unter http://gender-glossar.de.

Schmitz, Sigrid: Wie kommt das Geschlecht ins Gehirn? Über den Geschlechterdeterminismus in der Hirnforschung und Ansätze zu seiner Dekonstruktion. Forum Wissenschaft, 4 (2004).
Online: http://www.linksnet.de/de/artikel/19193

Taylor, T. J. (1992): Twin Studies of Homosexuality. Dissertation, Trinity College Cambridge. (Online) (Zwillingsstudien mit Fragen zu Homosexualität werden kritisch betrachtet und in der Heterogenität ihrer Ergebnisse vorgestellt.)

Voß, H.-J. (2008): Feministische Wissenschaftskritik am Beispiel der Naturwissenschaft Biologie. In: Freikamp, U., Leanza, M., Mende, J., Müller, S., Ullrich, P., Voß, H.-J. (Hrsg.): Kritik mit Methode? Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik (Texte 42). Karl Dietz Verlag, Berlin, S.233-252.
Online: http://www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Texte-42.pdf

Voß, Heinz-Jürgen (2009): Angeboren oder entwickelt? Zur Biologie der GEschlechtsbestimmung. GID Spezial, 9: S.13-20. (Hier mit freundlicher Einwilligung der Redaktion als Volltext online.)

Voss, H.-J. (2011): Sex In The Making – A Biological Approach. Online, pdf.

Voß, H.-J. (2011): „Weiblichmännlich“, „männlichweiblich“ – bisexuelle Konstitution als Basis „moderner“ biologisch-medizinischer Geschlechtertheorien. In: Schneider, Martin / Diehl, Marc (Hrsg., 2011): Gender, Queer und Fetisch: Konstruktion von Identität und Begehren. Männerschwarm, Hamburg, S.11-29. Online.

Voß, H.-J. (2013): Epigenetik und Homosexualität. Dasendedessex, 11/2013. Online.

Gedruckt:

1-0-1 [one ‚o one] (Hg.). Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung. Berlin. Neue Gesellschaft für Bildende Kunst 2005.

Birke, L. (1986): Women, Feminism and Biology – the Feminist Challenge, Brighton.

Birke, L., Hubbard, R. (Hrsg., 1995): Reinventing Biology – Respect for Life and the Creation of Knowledge, Bloomington.

Bleier, R. (1984): Science and Gender – A Critique of Biology and Its Theories on Women, New York.

Burren, Susanne, Rieder, Katrin. Organismus und Geschlecht in der genetischen Forschung. Eine wissenssoziologische Studie. Bern. Institut für Soziologie 2003 (Erstaufl. 2000).

Butler, Judith. Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/Main. Suhrkamp 1991 (engl. 1990).

Butler, Judith. Körper von Gewicht. Frankfurt/Main. Suhrkamp 1997 (engl. 1993).

Degele, N., Schmitz, S., Mangelsdorf, M., Gramespacher, E. (2010): Gendered Bodies in Motion. Budrich Verlag, Opladen.

Ebeling, Kirsten Smilla. Die Fortpflanzung der Geschlechterverhältnisse. Das metaphorische Feld der Parthenogenese in der Evolutionsbiologie. NUT-Schriftenreihe Band 9. Mössingen-Thalheim. Talheimer Verlag 2002. (hier bestellbar)

Ebeling, Kirsten Smilla, Schmitz, Sigrid (Hrsg.): Geschlechterforschung und Naturwissenschaften – Einführung in ein komplexes Wechselspiel. Wiesbaden. VS Verlag 2006.

Fausto-Sterling, Anne. Gefangene des Geschlechts? Was biologische Theorien über Mann und Frau sagen. München, Zürich. Piper 1988 (engl. 1985).

Fausto-Sterling, A.: Sexing the Body – Gender Politics and the Construction of Sexuality. New York 2000.

Haraway, D. (1995 [engl. 1984]): Die Neuerfindung der Natur – Primaten, Cyborgs und Frauen. Campus, Frankfurt M./New York.

Harding, S. (1994 [engl. 1991]): Das Geschlecht des Wissens. Campus, Frankfurt M./New York.

Hirschauer, S.: Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46 (1994), 4, 668-692.

Hund, W. D. (2008): Ein Traum der Vernunft – Das weiße Eutopia des James Watson. Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 11/2008. Online

Jordan-Young, R. (2011): Brain Storm: The Flaws in the Science of Sex Differences. Harvard UP.

Keller, E. F. (1997 [Erstaufl. 1983]): A Feeling for the Organism – The Life and Work of Barbara McClintock. New York.

Keller, E. F. (2001 [engl. 2000]): Das Jahrhundert des Gens. Campus, Frankfurt M./New York.

Klinge, I., Wiesemann, C. (2010): Sex and Gender in Biomedicine : Theories, Methodologies, Results. Universitätsverlag, Göttingen. (als Volltext Online)

Mauss, B. (2001): Die kulturelle Bedingtheit genetischer Konzepte. Das Beispiel Genomic Imprinting. Das Argument, 43 (242): S.584-592.

Mauss, B. (2004): Genomic Imprinting im Kontext feministischer Kritik. In: Schmitz, S., Schinzel, B. (Hrsg.): Grenzgänge. Genderforschung in Informatik und Naturwissenschaften. Helmer, Königstein, S.149-163.

Mauss, Bärbel, Petersen, Barbara (Hg.): Das Geschlecht der Biologie. NUT-Schriftenreihe Band 11. Mössingen-Thalheim. Talheimer Verlag 2006. (hier bestellbar)

Mauss, B. (2008): Ursprung und Geschlecht: Paradoxien in der Konzeption von Geschlecht in Erzählungen der Molekularbiologie. In: Esders, K., Lucht, P., Paulitz, T. (Hrsg.): Recodierungen des Wissens: Stand und Perspektiven der Geschlechterforschung in Naturwissenschaft und Technik. Campus Verlag, Frankfurt/Main, New York, S.213-229.

Mußmann, Frank. Komplexe Natur – Komplexe Wissenschaft. Selbstorganisation, Chaos, Komplexität und der Durchbruch des Systemdenkens in den Naturwissenschaften. Opladen. Leske/Budrich 1995.

Orland, B., Scheich, E. (Hrsg.): Das Geschlecht der Natur – feministische Beiträge zur Geschichte und Theorie der Naturwissenschaften. Suhrkamp, Frankfurt/Main.

Palm, K. (2008): Das Geschäft der Pflanze ist dem Weib übertragen … die Pflanze selbst hat aber kein Leben – Zur vergeschlechtlichten Stufenordnung des Lebens im ausgehenden 18. Jahrhundert. In: Esders, K., Lucht, P., Paulitz, T. (Hrsg.): Recodierungen des Wissens: Stand und Perspektiven der Geschlechterforschung in Naturwissenschaft und Technik. Campus Verlag, Frankfurt/Main, New York, S.197-211.

Satzinger, H. (2009): Differenz und Vererbung: Geschlechterordnungen in der Genetik und Hormonforschung 1890-1950. Böhlau Verlag, Köln etc.

Scheich, E. (1993): Naturbeherrschung und Weiblichkeit. Denkformen und Phantasmen der modernen Naturwissenschaften (Feministische Theorie und Politik, Band 6). Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler.

Schiebinger, L. (1986): Skeletons in the Closet: The First Illustration of the Female Skeleton in Nineteenth-Century Anatomy. Representations, Spring 1986; 14: 42-82.

Schiebinger, L. (1993 (engl. 1989)): Schöne Geister – Frauen in den Anfängen der modernen Wissenschaft. Klett-Cotta, Stuttgart.

Schiebinger, L. (1993 (engl. 1990)): Anatomie der Differenz. „Rasse“ und Geschlecht in der Naturwissenschaft des 18. Jahrhunderts (übersetzt von C. Opitz). Feministische Studien, 11 (1): S.48-64.

Schiebinger, L. (1995 (engl. 1993)): Am Busen der Natur: Erkenntnis und Geschlecht in den Anfängen der Wissenschaft (aus dem Englischen übersetzt von Margit Bergner und Monika Noll). Klett-Cotta, Stuttgart.

Schiebinger, L. (1995): Das private Leben der Pflanzen: Geschlechterpolitik bei Carl von Linné und Erasmus Darwin. In: Orland, B., Scheich, E. (Hrsg.): Das Geschlecht der Natur – feministische Beiträge zur Geschichte und Theorie der Naturwissenschaften. Suhrkamp, Frankfurt/Main, S.245-269.

Schmitz, S. (2006): Geschlechtergrenzen. Geschlechtsentwicklung, Intersex und Transsex im Spannungsfeld zwischen biologischer Determination und kultureller Konstruktion. In: Ebeling, Kirsten Smilla, Schmitz, Sigrid (Hg.): Geschlechterforschung und Naturwissenschaften – Einführung in ein komplexes Wechselspiel. Wiesbaden. VS Verlag 2006, 33-56.

Schmitz, S. (2006): Hirnbilder im Wandel Kritische Gedanken zum ’sexed brain‘. In: Mauss, Bärbel, Petersen, Barbara (Hg.): Das Geschlecht der Biologie. NUT-Schriftenreihe Band 11. Mössingen-Thalheim. Talheimer Verlag 2006, 61-92. (hier bestellbar)

Schmitz, S.; Höppner, Grit (2014): Gendered Neurocultures:Feminist and Queer Perspectives on Current Brain Discourses. Wien: Zaglossus. (hier bestellbar)

Spanier, B. (1995): Im/Partial Science: Gender Ideology in Molecular Biology. Indiana University Press.

Voß, H.-J. (2008): Wie für Dich gemacht: die gesellschaftliche Herstellung biologischen Geschlechts. In: Coffey, J. et al. (Hrsg.): Queer leben – queer labeln? (Wissenschafts-)kritische Kopfmassagen. fwpf Verlag, Freiburg, S.153-167.

Voß, H.-J. (2010): Alles bio? Auch aus biologischer Sicht gibt es mehr als zwei Geschlechter. analyse & kritik, 547: S.10, Online.

Voß, H.-J. (2010): Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive. Transcript Verlag, Bielefeld.

Voß, H.-J. (2011): Geschlecht: Wider die Natürlichkeit (Reihe theorie.org). Schmetterling Verlag, Stuttgart.

Voß, H.-J. (2012): Intersexualität – Intersex: Eine Intervention. Unrast-Verlag, Münster.

Voß, H.-J. (2013): Biologie & Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Unrast, Münster.

Eine Übersicht über weitere Literatur gibts hier, beim AK ANNA

Ein wissenschaftlicher Begriff von „Gender-Ideologie“: Beitrag „Gender-Ideologie in Deutschland“ im Tagesspiegel

Der Beitrag „Gender-Ideologie in Deutschland“ wendet sich von Louis Althusser kommend dem Begriff der „Ideologie“ zu, spezifisch zugespitzt auf Geschlecht.

„„Es ist nur allzu bekannt, dass der Vorwurf, man befinde sich in der Ideologie, immer nur den anderen gegenüber gemacht wird, nie sich selbst gegenüber“, schrieb der Philosoph Louis Althusser in seinem Essay Ideologie und ideologische Staatsapparate (1970, dt. 1971, online unter www.b-books.de/texteprojekte/althusser/index.html). Es „glauben sich (gerade) diejenigen, die sich in der Ideologie befinden, (…) außerhalb der Ideologie“. Erst ein wissenschaftlicher Zugang ermögliche es partiell, einen Blick von außen auf Ideologie zu gewinnen. Wobei auch dieser Blick beschränkt sein kann (und oft beschränkt sein wird), weil Ideologie auch Wissenschaften durchzieht.

Althusser wirft einen kritischen Blick auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche, in denen Ideologie – die er als unhinterfragtes Tun versteht – die primäre Form darstelle, die Menschen zu regieren, während repressive Formen sekundär blieben. So „‚dressieren‘ die Schule und die Kirchen (zwar repressiv) mit den entsprechenden Methoden der Strafe, des Ausschlusses, der Auswahl usw.“, werden die Kinder dort aber im Wesentlichen nicht-repressiv in die ideologische Struktur der Gesellschaft eingebunden. Sie werden in Schule, Kirchen etcetera zu Subjekten geformt und mittels Ideologie regierbar gemacht. …“ Weiter beim Tagesspiegel

„Mann, oh Mann!“, lesenswerter Beitrag von Adriano Sack und Frédéric Schwilden in der WELT

Sehr gern empfehle ich den lesenswerten und literarisch gut gearbeiteten Beitrag „Mann, oh Mann!“ von Adriano Sack und Frédéric Schwilden, der in der gestrigen Ausgabe der Welt am Sonntag erschienen ist. Er macht alles das, was ein guter Zeitungsbeitrag tun soll: Er informiert, unterhält, bestätigt und ermuntert zu Kritik. Hier ist der Beitrag online: http://www.welt.de/print/wams/lifestyle/article154429121/Mann-oh-Mann.html .

Leser*innenbrief zum Beitrag „Krampfzone“

von Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß, Hochschule Merseburg

Ich bin entsetzt über die Art der Aushandlung, wie sie in der Süddeutschen Zeitung Einzug hält. Dass Fragen zu Geschlecht aktuell gesellschaftlich hitzig diskutiert werden, ist verständlich, da seit Beginn der 1990er Jahre einige grundlegende gesellschaftliche Umgangsweisen in Bezug auf Geschlecht und Sexualität revidiert wurden – der Strafparagraf 175 wurde abgeschafft, Regelungen zur zwangsweisen Sterilisierung, wie sie für die Personenstandsänderung in Bezug auf Transgeschlechtlichkeit gesetzlich festgelegt waren, wurden aufgehoben, die Gewalt gegen intergeschlechtliche Menschen ist auch gesellschaftlich Thema geworden. Debatte ja – und sie darf auch einmal hitzig sein. Aber der aufgeregte Artikel „Krampfzone“ von Christian Weber (16.4.2016), in dem ich etwa als „Spinner“ geschmäht werde und Fragen zur biologischen Geschlechtsentwicklung fern inhaltlicher Debatte weggewischt werden, ist doch eine Spur zu unwissenschaftlich, zu persönlich, zu krass. Dass Christian Weber ungenau zitiert, zudem nur mit Bezug auf ein Interview, dass ich vor geraumer Zeit der populären Zeitschrift „Chrismon“ gab, zeugt davon, dass er sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, meine wissenschaftlichen Fachartikel und Bücher (etwa „Making Sex Revisited“, „Geschlecht“ und „Biologie und Homosexualität“) auch nur anzulesen. Mir leuchtet mehreres nicht ein; zumindest zwei Punkte möchte ich anführen: 1) Warum setzt sich teilweise selbst im Bildungsbürgertum die These durch, dass Wissenschaft nur das wiederholen sollte, was der populäre erste Blick erkennt? Wissenschaft ist doch gerade dafür da, neue Einsichten zu eröffnen. 2) Warum glauben sich gerade bei der Frage „Geschlecht“ so viele in Deutschland in einer so starken Gewissheit und grenzen sich gegen wissenschaftliche Betrachtungen ab? Mir als einem diplomierten Biologen, promovierten Sozialwissenschaftler und Professor für Sexualwissenschaft erscheint es geradezu absurd, warum Menschen, nur weil sie bei sich einen Penis oder eine Vagina erblicken, gleich alle Fragen um Geschlecht für geklärt hielten und meinen, dass nun alle einen Penis oder alternativ eine Vagina an sich erblicken müssten. Warum ringt dann eigentlich die Gesellschaft und auch die Biologie so intensiv mit der Frage Geschlecht, wenn alles so überzeitlich klar und eindeutig sein sollte? Ein wissenschaftlicher Blick tut not – und ja, man kann auch voraussetzen, dass ein*e Biolog*in und Sexualwissenschaftler*in durchaus besser über biologische Vorgänge informiert sein wird als ein*e MA Politik/Volkswirtschaft/Soziologie Christian Weber. Selbstverständlich kann man intensiv diskutieren, aber es ist kein so feiner Zug, mir die Expertise für „meine“ Fächer aberkennen zu wollen. Ein solches Vorgehen gehörte niemals zum anerkannten Umgang. Hr. Weber: Erkennen Sie doch einfach an, dass Sie und ich unterschiedliche Sichtweisen haben, die verschieden begründet sind – und formulieren auch Sie Ihre Position wertschätzend.

Wenn die Rechtsextremen schon regieren – bevor sie regieren

Bei der Wahl der Parlamentsvize in Sachsen-Anhalt kam es zum Eklat. Während die AfD bereits im ersten Wahlgang ihren Kandidaten durchsetzen konnte und dabei offenbar von Stimmen der CDU gestützt wurde, verhinderte genau jene CDU – die in ersterem Fall von einem demokratischen Akt sprechen würde -, den Kandidaten der Partei Die.Linke.

Hier scheint sich Nähe auszudrücken, die in den letzten Tagen bereits aus einer „CDU-Basis“ zu hören war. So gab der ehemalige und langjährige Kreisvorsitzende der CDU Saalekreis Jürgen Ruscher – der noch immer Kreistagsmitglied ist – kund, dass die CDU eine Minderheitenregierung mit Tolerierung durch die AfD bilden sollte. Im Interview mit der MZ („Mitteldeutsche Zeitung“) führte er in Bezug auf die Verbindungslinie zwischen CDU und AfD aus: „In einigen Punkten haben wir ähnliche Meinungen.“ (MZ, 12.4.2016, S.7, Regionalausgabe Merseburg) Diese Übereinstimmungen kann er nur in Bezug auf „Flüchtlingspolitik“ sehen, vertrat doch die AfD im Wahlkampf quasi keine andere Position, als Zuspitzungen und Hetze gegen Geflüchtete. Dabei trug sie in Merseburg zu einem städtischen Klima bei, in dem auf einen Geflüchteten aus Somalia geschossen wurde und ein Geflüchteter aus dem Irak totgeschlagen wurde. Über Wochen versammelten sich tägliche Rechtsetremist*innen an einer eingerichteten Notunterkunft für Geflüchtete.

Der skandalöse Ablauf im Landtag Sachsen-Anhalt macht deutlich, dass die CDU bereits jetzt SPD und Bündnis 90/Die Grünen bedrohen möchte – sie deutet Koalition CDU/SPD/Grün an, blinkt aber gleichzeitig rechts und bietet sich der AfD an. Ein taktischer Erfolg für die AfD.

(An anderer Stelle darf man in der MZ leider auch Begriffe wie „Sozialschmarotzer“ lesen. Es ist gerade eine ganz furchtbare Zeit, in der jedes bürgerliche, liberale, demokratische Grundverständnis verloren zu gehen scheint.)

Biologie und Geschlecht

Sehr gern weise ich auf zwei Beiträge in verbreiteten Zeitschriften hin, die einfache Konzepte biologischen Geschlechts kritisch in den Blick nehmen. Es freut mich sehr, dass offenbar zunehmend in ernsthaften Kreisen auch einmal wieder wirklich über Wissenschaft diskutiert wird – und auch wissenschaftliche Beschreibungen über Geschlecht aufgenommen werden!

  1. In der großen britischen Zeitschrift „New Statesman“ ist der Beitrag „Sex isn’t chromosomes: the story of a century of misconceptions about X & Y“ erschienen.
  2. In der Zeitschrift „Tagesspiegel“ durfte ich die biologischen Zusammenhänge bzgl. Geschlecht erläutern: Gender in der Biologie – Es gibt mehr als zwei Geschlechter“.

Freilich geht es an anderer Stelle tiefer. Dazu sei sehr gern auf die Bücher „Geschlecht“ und „Making Sex Revisited“ verwiesen, sowie auf die folgende Literaturliste.

1, 2, rechtsextrem. Ich schäme mich für Merseburg, ich schäme mich für Sachsen-Anhalt.

In Merseburg hat jede_r Dritte zur heutigen Landtagswahl rechtsextrem gewählt, in Sachsen-Anhalt insgesamt war es jede_r Vierte. Eine solche Wahl kann nicht als „Protestwahl“ verharmlost werden. Ganz offen hat die AfD gegen Geflüchtete und gegen Migrant_innen gehetzt – und massiv die Stimmung bereitet, bei der auch Lokale überfallen wurden und Menschen zu Schaden kamen. Gleichzeitig tritt die AfD deutlich für die weitere Spaltung der Gesellschaft ein: Arme sollen noch ärmer, Reiche noch reicher werden. So will sie die Erbschaftssteuer verringern und die Zwangsmaßnahmen gegen Menschen, die Hartz IV beziehen, deutlich ausweiten – sei wollen von ihr dazu gezwungen werden, wirklich jede Arbeit zu machen. Die AfD agiert offen rassistisch und klassistisch – sie zu wählen kann niemals Protest sein.

Merseburg sticht deutlich hervor. Hier konnten die Rechtsextremen sogar das Direktmandat erringen und erreichen ein Drittel der Stimmen. Die demokratischen Kräfte liegen dahinter zurück. Nun wird es darum gehen, dass alle Demokrat_innen zusammenarbeiten. Es gilt, demokratische Kultur zu stärken und (inter-)kulturelle Zentren zu fördern.

Sexualwissenschaftliche und queer-feministische Bücher zur Leiziger Buchmesse 2016

Gern weise ich auf einige der sexualwissenschaftlichen und queer-feministischen Bücher und Buchvorstellungen bei der Leipziger Buchmesse hin:

*16. März 2016, Frauenkultur Leipzig, Goodbye Gender:*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[Zwei Neuerscheinungen aus „w_orten & meer“: ANOUCHK IBACKA VALIENTE „Vertrauen, Kraft & Widerstand. Kurze Texte und Reden von Audre Lorde“; STEFF URGAST „Goodbye Gender“]

*17. März 2016, Frauenkultur Leipzig, „Wir sind unsichtbar – lesbischer Jugendroman“:*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[MAIKE STEIN „Wir sind unsichtbar – lesbischer Jugendroman“; im Anschluss: CHRISTINA SEIDEL „Mütter ohne Wert – Scheidung in der DDR. Frauen berichten“

*17. März 2016, Frauenkultur Leipzig, sexualwissenschaftliche Neuerscheinungen:*
http://www.kulturfabrik-leipzig.de/frauenkultur/2016-03-17_lesungen_gespraech_
[Bücher: LENA LACHE „Sexualität und Autismus“; JULIA SPARMANN „Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen“; CONRAD KRANNICH „Intersexualität aus theologischer Perspektive“; MICHAELA KATZER/HEINZ-JÜRGEN VOSS „Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung“]

*18. März 2016, Frauenkultur Leipzig, Die Lesbische* Büchernacht + QUEER-PARTY:*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[Spannende, historische, berührende und humorvolle Geschichten von Leidenschaft, Liebe, Leben und Erotik… Es lesen: REGINA NÖSSLER „Endlich daheim“; ANTJE SCHRUPP & PATU „Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext“; LOVIS CASSARIS „Ein letztes Mal wir“; CHIRA BRECHT „Endlich angekommen“]

*20. März 2016, Messe, „Liebesleben Leseperformance“:*
http://www.leipziger-buchmesse.de/ll/veranstaltungen/15890
[Zarte, harte, heitere, brüllendkomische & romantische Shortstories, Glossen und Romanfragmente]

*20. März 2016, Rosalinde Leipzig, Tradition, Repräsentation und Produktion – Möglichkeiten feministischer Schreibweisen:*
http://www.rosalinde-leipzig.de/index.php?id=27
[Workshop mit Bettina Wilpert]

*Außerdem empfehlenswerte Neuerscheinungen, u.a.:*
– „Sexualpädagogik kontrovers“, https://www.beltz.de/fachmedien/erziehungs_und_sozialwissenschaften/buecher/produkt_produktdetails/28929-sexualpaedagogik_kontrovers.html
– die Neuerscheinungen im neuen „w_orten & meer verlag“, http://wortenundmeer.net/buecher/fruehjahr-2016/
– die Neuerscheinungen und Veranstaltungen des Orlanda Verlag, https://www.orlanda-verlag.de/
– und die Neuerscheinungen im Konkursbuch-Verlag, http://www.konkursbuch.com/html/net%202016/ansicht%20150dpi%20doppelseitig%20F%202016.pdf