Florian Mildenberger zu „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“: „Heinz-Jürgen Voß [ist] ein herausragendes Einführungswerk gelungen […], kurz und gleichwohl prägnant, auch in seinen diskutablen Einschätzungen.“

Prof. Florian Mildenberger rezensierte „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ ausführlich für die wissenschaftliche Zeitschrift Würzburger medizinhistorische Mitteilungen.

Geschlecht: Wider die Natuerlichkeit

Mildenberger schreibt u.a.: „Voß ist Biologe und Wissenschaftshistoriker, so gelingt es ihm das stets genannte Problem des mangelnden Kenntnisstandes nicht-naturwissenschaftlicher Kritiker hinsichtlich aktueller biomedizinischer Studien für sein knapp umrissenes Themengebiet zu beheben. Sowohl die Variabilität der Aussagen Darwins zur Rolle von Geschlechtsunterschieden finden Erwähnung, als auch die modernen Interpretationen. Die Forschung der letzten Jahre, vor allem rund um die Zubilligung besonderer Bedeutung für das SRY-Gen wird breit rezipiert – und in Kontext zu Anstrengungen von Gelehrten seit der Frühen Neuzeit gesetzt, die in der Differenzierung von Hoden und Eierstock die maßgeblichsten Unterscheidungsmerkmale erkannt zu haben glaubten. Voß geht jedoch noch einen Schritt weiter indem er die Frage stellt, ob aus der Überschätzung der genetischen Forschung, die keineswegs eine Antwort geben könne, was denn nun die Geschlechterunterschiede ausmache, nicht eventuell die Überlegung abgeleitet werden könne, daß es nicht nur zwei, sondern sehr viel mehr Geschlechter gebe. Der gesellschaftspolitischen Konsequenzen einer solchen Überlegung ist er sich aufgrund seines marxistischen Fundaments sehr wohl bewußt. Voß vergißt auch nicht zu erwähnen, daß diese Überlegungen in der deutschen Wissenschaft vor 1933 bereits existiert hatten, ehe der eher primitivere zweigeschlechtliche Ansatz sich durchgesetzt hatte. […]
Insgesamt ist festzuhalten, daß Heinz-Jürgen Voß ein herausragendes Einführungswerk gelungen ist, kurz und gleichwohl prägnant, auch in seinen diskutablen Einschätzungen. Selbst wenn das Zielpublikum des Verlages eher auf Barrikaden denn in Hörsälen zu suchen ist, wird die Lektüre des Buches auch innerhalb von Akademien und Laboren niemandem schaden. Wer an tiefergehenden und weiterführenden Überlegungen interessiert ist, mag zu Making Sex Revisited greifen.“

Die vollständige Rezension sowie zahlreiche lesenswerte Beiträge finden sich in den Würzburger medizinhistorischen Mitteilungen, die u.a. beim Verlag bestellt werden können.

Eine Übersicht über die bereits erschienenen Rezensionen findet sich hier.

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