Zeitschrift Nature (Nr. 518): „Sex redefined“: „Biologen haben inzwischen eine sehr differenzierte Sichtweise der Geschlechter – die Gesellschaft muss hier erst noch aufholen.“

In der aktuellen Ausgabe der biologischen Fachzeitschrift „Nature“ ist der Beitrag „Sex redefined“ (von Claire Ainsworth) erschienen – bei Spektrum findet sich der Beitrag auch in einer deutschen Fassung. Ainsworth erläutert einige der aktuellen biologisch-medizinischen Theorien zur Geschlechtsentwicklung. Sie hält fest: „Biologen haben inzwischen eine sehr differenzierte Sichtweise der Geschlechter – die Gesellschaft muss hier erst noch aufholen.“

Unter anderem heißt es im Beitrag weiterhin: „Betrachtet man die Genetik, verschwimmt die Grenze zwischen den Geschlechtern noch mehr. Wissenschaftler haben viele der Gene identifiziert, die an den Hauptformen von DSD beteiligt sind und auf subtile Weise die Anatomie und Physiologie des Einzelnen beeinflussen. Neue Techniken der DNA-Sequenzierung und Zellbiologie machten deutlich, dass fast jeder von uns zu einem gewissen Grad aus verschiedenen Zellen besteht, gleichsam wie ein Patchwork. Dabei haben manche unserer Zellen ein Geschlecht, das zum Rest des Körpers eigentlich nicht passt. Auch das Verhalten einer Zelle scheint über komplexe molekulare Systeme von seinem Geschlecht beeinflusst zu werden. ‚Es gibt eine wesentlich größere Vielfalt der Geschlechter als nur das der Männer und das der Frauen…'“

Im Nature-Beitrag nimmt Ainsworth weiterhin ältere biologischen Sichtweisen unter die Lupe, dass weibliches Geschlecht eine basale Stufe darstelle, von der aus eine ‚Fortentwicklung‘ in männlicher Richtung erfolge. Solche älteren Sichtweisen sind widerlegt, wie sie herausarbeitet.

Für das „Geschlecht der Zellen“ räumt die Autor_in mit einer populär noch weit verbreiteten Sichtweise auf. Sie schreibt: „Beim Geschlecht gibt es keine einfache Dichotomie, zeigen die Studien zu DSD. Noch komplizierter werden die Dinge, wenn man die Zellen des Einzelnen betrachtet. Die allgemeine Annahme, jede Zelle eines Individuums hätte dasselbe Set von Genen, ist schlichtweg falsch.“

Der Beitrag ist sehr zu empfehlen – und räumt mit einigem populären Halbwissen auf!

Ganzer Beitrag bei Nature, Englisch: hier.
Ganzer Beitrag bei Spektrum, Deutsch: hier.
Weiterhin zum Thema: „Angeboren oder entwickelt? Zur Biologie der Geschlechtsentwicklung“ / „Geschlecht“ / „Making Sex Revisited“

2 Gedanken zu “Zeitschrift Nature (Nr. 518): „Sex redefined“: „Biologen haben inzwischen eine sehr differenzierte Sichtweise der Geschlechter – die Gesellschaft muss hier erst noch aufholen.“

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