Intersexualität und Personenstand: ohne Geschlechtseintrag als problematische “Muss-Bestimmung”

Zur am heutigen 1. November in Kraft tretenden Änderung des Personenstandgesetzes (Ergänzung §22: “Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.”) zeigt sich eine weitgehend reflektierte mediale Berichterstattung in vielen Zeitschriften und auch in Rundfunkbeiträgen.

Allerdings wird nur punktuell auf die Kritiken der Selbstorganisationen intergeschlechtlicher Menschen eingegangen (hier eine Übersicht zu den Stellungnahmen) – einige der aktuellen Zeitschriften stellen die Neuregelung gar im Sinne einer fakultativen Wahlmöglichkeit dar und nicht als “Muss-Bestimmung” (Vgl. die Übersicht bei Zwischengeschlecht). “Muss-Bestimmung” bedeutet auch, dass das Kind – ohne Geschlechtseintrag – quasi gegenüber jeder Kinderbetreuungseinrichtung und Schule zwangsgeoutet wird, anstatt dass das Kind bzw. die Eltern entscheiden können, wer von der Intergeschlechtlichkeit (Intersexualität) des Kindes erfahren soll.

Erfreulich ist, dass gerade Vertreter_innen von Selbstorganisationen viel zu Wort kommen und dass nur gelegentlich durch das “Danebensetzen” von einer Position aus der Medizin die Expertise der Selbstorganisationen angezweifelt wird. Deutlich sind nun aber selbst Positionen von Mitgliedern des Ethikrates. So heißt es in der FAZ unter Bezugnahme auf Michael Wunder: “Früher waren Operationen an Neugeborenen mit doppeltem Geschlecht die Regel. In den meisten Fällen wurden sie zu Mädchen umoperiert – mit teilweise gravierenden gesundheitlichen und psychischen Folgen für die Betroffenen. Interessenvertretungen intersexueller Menschen geißeln solche Eingriffe daher als „genitale Verstümmelungen“. Bei einigen Medizinern hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken eingesetzt. „Es gibt jedoch keine repräsentative Studie, die belegt, dass es tatsächlich weniger Operationen als früher gibt“, sagt Wunder. Daher sei auch hier eine gesetzliche Regelung notwendig.” (FAZ-Beitrag) Eine gesetzliche Regelung – ein Verbot der geschlechtszuweisenden Eingriffe bei intergeschlechtlichen Minderjährigen -, wie sie die Selbstorganisationen seit nunmehr zwei Jahrzehnten fordern, ist entsprechend notwendig. Die Homepages der Selbstorganisationen: Intersexuelle Menschen e.V., Internationale Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen, Zwischengeschlecht.

Neue Rezensionen von „Interventionen gegen die deutsche ‚Beschneidungsdebatte’‘“ und „Intersexualität – Intersex“

Es sind zwei weitere Rezensionen erschienen, eine zu “Interventionen gegen die deutsche “Beschneidungsdebatte” in der Zeitschrift der Österreichischen HochschülerInnenschaft unique und eine zu “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention” in Querelles-net – Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung:

Hagen Blix schreibt in der unique (4/2013): “Im ersten Teil des Buches zeigen Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter auf, dass das Verschmelzen von antimuslimischem Ressentiment und Antisemitismus in der Debatte kein Zufall ist. Die Grundstruktur der vorgebrachten Kritik ist von Argumentationsmustern einer protestantischen ‘Zivilisierungsmission’ durchdrungen. […] Im zweiten Teil stellt der kritische Biologe Heinz-Jürgen Voß der ‘Wissenschaftlichkeit’ der Beschneidungsgegner_innen eine Übersicht über medizinische Untersuchungen zur Beschneidung entgegen. Diese zeigen, dass deren Behauptungen so unhaltbar sind wie Vergleiche mit der Zwangsoperation Intersexueller oder weiblicher Genitalverstümmelung unangebracht und misogyn.” zur vollständigen Rezension.

Übersicht über die weiteren Rezensionen zu “Interventionen gegen die deutsche ‘Beschneidungsdebatte'”.

Simone Emmert schreibt: “Die Intervention zu Intersexualität – Intersex erweist sich als ein kleines, aber feines Buch, das einen gelungenen Einstieg in die aktuelle politische Debatte gibt. Als besonders wertvoll lassen sich der Überblick und die Diskussion um die Ergebnisse der sogenannten Outcome-Studien ansehen; hieraus wird deutlich abgeleitet, dass geschlechtszuweisende chirurgische und/oder hormonelle Eingriffe intersexen Menschen eher schaden als nützen. Voß gibt damit eine der ersten wenigen publizierten kritischen Stellungnahmen aus wissenschaftlicher Aktivensicht ab. Das Buch ist flüssig und leicht verständlich geschrieben und macht Lust, sich weiter in das noch immer sehr konfliktbeladene und emotionale Thema um den Kampf auf Selbstbestimmung sowie um Respekt, Toleranz und Anerkennung von Vielfalt und Verschiedenheit einzulesen.” Querelles-net (2/2013), zur vollständigen Rezension.

Übersicht über erschienene Rezensionen zum Buch “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention”.

Die.Linke und B90/Die Grünen haben wegweisende Anträge gegen die geschlechtszuweisenden Eingriffe bei Intergeschlechtlichen (Intersexuellen) gestellt!

Am 20.3.2013 haben die Bundestags-Fraktionen Die.Linke und Bündnis 90 / Die Grünen wegweisende Anträge gegen die aktuell in der Bundesrepublik Deutschland noch üblichen geschlechtszuweisenden Eingriffe bei Intergeschlechtlichen (Intersexuellen) gestellt. Diese Eingriffe stehen intensiv in der Kritik: Mit ihnen sind nahezu immer schwere und schwerste Komplikationen verbunden und sie werden von den intergeschlechtlichen Menschen als äußerst gewaltvoll und traumatisierend beschrieben. In den Anträgen heißt es nun unter anderem:

“Intersexuelle Menschen sollen als ein gleichberechtigter Teil unserer vielfältigen Gesellschaft anerkannt und dürfen in ihren Menschen- und Bürgerrechten nicht länger eingeschränkt werden. […] Der Deutsche Bundestag sieht und erkennt erlittenes Unrecht und Leid, das intersexuellen Menschen widerfahren ist, an und bedauert dies zutiefst.
Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung daher dazu auf, sicherzustellen, dass geschlechtszuweisende und -anpassende Operationen an minderjährigen intersexuellen Menschen vor deren Einwilligungsfähigkeit grundsätzlich verboten werden.”

Es schließen sich weitere sehr gute Forderungen an. Die Anträge im Volltext finden sich hier: Die.Linke und Bündnis 90 / Die Grünen. Eine erste Bewertung hat Zwischengeschlecht.info vorgenommen: hier.

Persson Perry Baumgartinger zum Buch „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“: „Eine verständlich geschriebene Einführung in ein Thema, das alle angeht.“

In der sehr schönen Zeitschrift “Stimme von und für Minderheiten” – alle Ausgaben sind auch als pdf-Dokumente zugänglich! (vgl. unten) – hat Persson Perry Baumgartinger das Buch “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention” rezensiert. Baumgartinger schreibt unter anderem:

“Das Buch bietet einen kritischen Blick auf Intersex als machtvolle Konstruktion mit gewaltvollen Konsequenzen für Menschen und zeigt die zentrale Rolle von Medizin, Staat und christlicher Kirche in diesem Machtgefüge. Voß beschreibt, wie Geschlecht im Laufe der Geschichte konstruiert wird und was das mit Intersex als Zwangsdiagnose, einem medizinischen Apparat als „Versuchslabor“ und Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Personen zu tun hat.” Es handelt sich um “[e]ine verständlich geschriebene Einführung in ein Thema, das alle angeht.” (Stimme von und für Minderheiten, Nr. 85, S.33)

Eine Übersicht über die bisher erschienenen Rezensionen findet sich hier.

Hier die Titel der Hefte. Die Hefte sind auch als pdf-Dateien frei zugänglich auf der Homepage der Zeitschrift: Stimme von und für Minderheiten
. Die Zeitschrift kann aber auch abonniert werden!

Hefte:
Nr. 84: Roma Inklusion
Nr. 83: Austria, give me some noise
Nr. 82: Sprache
Nr. 81: Jüdisches (Über-)Leben
Nr. 80 Nichts über uns – ohne uns!
Nr. 79: 20 Jahre Stimme
Nr. 78: Warum die Türken?
Nr. 77: Queere Identitäten Continue reading “Persson Perry Baumgartinger zum Buch „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“: „Eine verständlich geschriebene Einführung in ein Thema, das alle angeht.“” »

Missy Magazine zu „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“

Sonja Erkens hat “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention”, das sich auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen die geschlechtszuweisenden medizinischen Praxen bei intergeschlechtlichen Menschen richtet, bei Missy Magazine besprochen. In der Besprechung heißt es unter anderem: “Mit der ebenso seltenen wie fruchtbaren Kombination aus biologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive entlarvt Voß das Konstrukt der Zweigeschlechtlichkeit vielmehr als gesellschaftliches Produkt denn als medizinischen Fakt.” Auf seiner Basis werden intergeschlechtliche Menschen – so Erkens weiter – “mit medizinischer Brachialgewalt zwangsweise ‘vereindeutigt’. Die entsprechenden Passagen über das ebenso beherzte wie selbst vor den Betroffenen geheim gehaltene Abschneiden oder Zunähen unerwünschter Geschlechtsmerkmale lesen sich zwar wie von Dr. Frankenstein höchstselbst erdacht, zeigen aber auf eindrückliche Weise, wie kompliziert und aufwändig es bisweilen sein kann, so etwas vordergründig Banales wie “Normalität” herzustellen.” Die vollständige Besprechung findet sich hier.

Informationen zum Buch finden sich hier.

Eine Übersicht über die bisher erschienenen Rezensionen ist hier online.

Rezensionen des Buches „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ (von Heinz-Jürgen Voß)

Übersicht über die erschienenen (und mir bekannten) Besprechungen:

In einem guten Beitrag zu Intergeschlechtlichkeit von Sophia Geß heißt es abschließend auf SWR2: “Eine kurze Einführung zum Thema bietet […] das Buch: „Intersexualität. Intersex. Eine Intervention“ von Heinz-Jürgen Voß.” Der Beitrag ist hier online.

Anja Gregor rezensierte das Buch auf Mädchenblog. In der Besprechung heißt es u.a.: “Voß [zeigt], dass die Zurichtungen intergeschlechtlicher Körper ihren Ursprung in der gesellschaftlichen Vorstellung von Geschlechtlichkeit und ihrem Wandel seit der Aufklärung haben, dass die Forderungen des Ethikrates entscheidende Lücken in der Rezeption des (medizinkritischen) Diskurses in Form von Outcome-Studien aufweist und auch deshalb weit hinter den Forderungen der Inter*-Bewegung zurückbleiben muss. Die Veröffentlichung ist ein Beitrag, diese Lücke rechtzeitig zu schließen, um damit – hoffentlich – in weitere politische Entwicklungen zu intervenieren.” Zur vollständigen Rezension.

Auf Zwischengeschlecht.info schreibt Seelenlos zum Buch: “Voß ist einer der leider raren Geschlechterforscher, bei dem die inhaltliche Kritik an der vereinnahmenden Ausblendung der Menschenrechtsverletzungen an Zwittern offensichtlich nicht nur zum einen Ohr rein und zum andern flugs wieder raus ging, sondern der die Argumente und Quellen auch zur Kenntnis nahm und seither immer mal wieder beweist, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat und die Anliegen der Überlebenden von kosmetischen Genitaloperationen ernst nimmt.” Hier gehts weiter.

Sonja Erkens hat “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention” bei Missy Magazine besprochen und schreibt unter anderem: “Mit der ebenso seltenen wie fruchtbaren Kombination aus biologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive entlarvt Voß das Konstrukt der Zweigeschlechtlichkeit vielmehr als gesellschaftliches Produkt denn als medizinischen Fakt.” Auf seiner Basis werden intergeschlechtliche Menschen – so Erkens weiter – “mit medizinischer Brachialgewalt zwangsweise ‘vereindeutigt’. Die entsprechenden Passagen über das ebenso beherzte wie selbst vor den Betroffenen geheim gehaltene Abschneiden oder Zunähen unerwünschter Geschlechtsmerkmale lesen sich zwar wie von Dr. Frankenstein höchstselbst erdacht, zeigen aber auf eindrückliche Weise, wie kompliziert und aufwändig es bisweilen sein kann, so etwas vordergründig Banales wie “Normalität” herzustellen.” Die vollständige Besprechung findet sich hier.

Ulrike Kümel besprach das Buch bei Queer.de. In der Rezension heißt es unter anderem: “Dieses Buch enthält alles, was mensch für den Kampf gegen die halbherzige “Empfehlung des Ethikrates” benötigt. […] Der Autor Dr. Heinz-Jürgen Voß stellt in seiner Argumentation die vielen relevanten wissenschaftlichen Untersuchungen der Medizin und Biologie dar, die – fern jeglicher Seriosität – vom Ethikrat für seine Stellungnahme ignoriert wurden und zu obiger Fehlentscheidung führte. Er schreibt kompakt und für alle leicht verständlich und nachvollziehbar.” Zur Rezension bei Queer.de.

Martin Brandt hat “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention” auf www.kritisch-lesen.de gewürdigt. Die vollständige Besprechung findet sich hier.

Andrea*s Jackie Klaura rezensierte “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention” für progress – Magazin der österreichischen HochschülerInnenschaft. In der Besprechung hält Klaura unter anderem fest: “[D]ieses kompakte Büchlein [entwickelt] das Potential zur breit verwendbaren Argumentationsgrundlage für medizinisch- und juristisch-politische Debatten. […] Ähnlich wie in der ausführlicheren und als Grundlage zu empfehlenden Einführung in das Thema Geschlecht. Wider die Natürlichkeit (2011. Schmetterling Verlag) versteht es Voß, wissenschaftliche Sachverhalte auch in historische und aktuelle gesellschaftliche Kontexte einzubinden. Trotz des wissenschaftlichen Charakters ist der Biologe Voß dabei stets darum bemüht, die Sachverhalte in allgemein-verständlicher Weise zu erläutern.” Die Besprechung ist, neben der gedruckten Form, hier auch online verfügbar.

Gundula Hase besprach das Buch für “Rosige Zeiten” und “Die andere Welt” und folgert: “Fazit: Ein sehr gut lesbares Buch, das die neue Entwicklung der Intersex-Diskussion nicht nur darstellt, sondern auch konkrete Hilfestellungen gibt, den Kampf gegen die Empfehlung des Ethikrates wieder anzufachen.” Die Besprechungen finden sich hier (Heft Nr. 142, S.20f) und hier.

Winter-Katalog von Loewenherz.at: “Dieses Büchlein gibt einen Überblick über den aktuellen Stand in der noch lange nicht abgeschlossenen Intersexualitätsdebatte. […] Die Position der Intersexe wird in diesem Band ebenso berücksichtigt wie der aktuelle Stand in den damit befassten Wissenschaften. Auch neueste Forschungsergebnisse sind hier eingeflossen.” Hier online: lesbischer Schwerpunkt (S.31) / schwuler Schwerpunkt (S.34).

Persson Perry Baumgartinger hat das Buch “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention” in der Zeitschrift “Stimme von und für Minderheiten” rezensiert und schreibt unter anderem: “Das Buch bietet einen kritischen Blick auf Intersex als machtvolle Konstruktion mit gewaltvollen Konsequenzen für Menschen und zeigt die zentrale Rolle von Medizin, Staat und christlicher Kirche in diesem Machtgefüge. Voß beschreibt, wie Geschlecht im Laufe der Geschichte konstruiert wird und was das mit Intersex als Zwangsdiagnose, einem medizinischen Apparat als „Versuchslabor“ und Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Personen zu tun hat.” Es handelt sich um “[e]ine verständlich geschriebene Einführung in ein Thema, das alle angeht.” (Stimme von und für Minderheiten, Nr. 85, S.33)

Bettina Enzenhofer besprach das Buch in an.schläge – das feministische monatsmagazin. In der Rezension heißt es unter anderem: “‘Intersexualität – Intersex. Eine Intervention’ ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die sich in den Status quo in puncto Intersex einlesen wollen. Denn wie schon in seinen letzten Veröffentlichungen gelingt es Voß auch diesmal sehr gut, komplexe biologisch-medizinische Sachverhalte in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu betten, und das in einer auch für Nicht-(Natur-)Wissenschaftler_innen nachvollziehbaren Weise.” (an.schläge, februar 2013, S.39)

Kerstin Schumann schreibt auf Geschlechtergerechtejugendhilfe.de: “Buchtipp: Intersexualität – Intersex: Verständlich, übersichtlich und kurz formuliert stellt die Veröffentlichung „Intersexualität – Intersex“ von Heinz-Jürgen Voß verschiedene Diskurse zum Umgang mit Intersexualität dar. Verdeutlicht werden wissenschaftliche Erkenntnisse, ethische Diskussionen und Forderungen der Intersex-Verbände.” Kerstin Schumann, 22.3.2013, online bei Geschlechtergerechtejugendhilfe .

Die Online-Zeitschrift verrönscht und zugenetzt beurteilt das Buch wie folgt: “Voß möchte mit seinem kleinen Büchlein anlässlich der kürzlich vom Deutschen Ethikrat veröffentlichten Stellungnahme »Intersexualität« in die Debatte intervenieren. Das Gremium kritisiert zwar die zweigeschlechtliche Norm und empfiehlt, neben »männlich« und »weiblich« eine dritte geschlechtliche Kategorie offiziell festzuschreiben. Abgesehen davon, dass hier eine an sich diskriminierende Bezeichnung wie »anderes« vorgeschlagen wird, spricht sich das Papier auch nicht gegen die geschlechtsangleichenden Eingriffe im Kindesalter aus. Wie Voß aufzeigt, kommt es dabei aber häufig zu medizinischen Komplikationen und psychischen Problemen. Betroffen Beschreiben die Eingriffe als gewaltsam und traumatisierend. »Damit ergibt sich notwendig: Da die Behandlungspraxis den behandelten Menschen schadet und nicht nutzt, muss sie dem medizinischen Grundsatz und Ethos gemäß aufgegeben werden.« Stattdessen sei die Förderung der Anerkennung von Verschiedenheit und soziale Betreuung und Begleitung von Diskriminierung betroffener Intersexen einzig sinnvoll.” (vollständige Besprechung)

Simone Emmert besprach “Intersexualität – Intersex: Eine Intervention” bei Querelles-net – Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung und schreibt unter anderem: “Die Intervention zu Intersexualität – Intersex erweist sich als ein kleines, aber feines Buch, das einen gelungenen Einstieg in die aktuelle politische Debatte gibt. Als besonders wertvoll lassen sich der Überblick und die Diskussion um die Ergebnisse der sogenannten Outcome-Studien ansehen; hieraus wird deutlich abgeleitet, dass geschlechtszuweisende chirurgische und/oder hormonelle Eingriffe intersexen Menschen eher schaden als nützen. Voß gibt damit eine der ersten wenigen publizierten kritischen Stellungnahmen aus wissenschaftlicher Aktivensicht ab. Das Buch ist flüssig und leicht verständlich geschrieben und macht Lust, sich weiter in das noch immer sehr konfliktbeladene und emotionale Thema um den Kampf auf Selbstbestimmung sowie um Respekt, Toleranz und Anerkennung von Vielfalt und Verschiedenheit einzulesen.” Simone Emmert, in: querelles-net – Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung, 2013, Nr. 2, online

kittyszuhause.twoday.net: “Heinz-Jürgen Voß wertet verschiedene Studien zu und an Intersexualität aus und kommt zu dem Schluss, dass die Behandlung aus Sicht der Ärzte „helfen“ soll, aber gerade das Gegenteil der Fall ist und zu mehr „Leid und Stigmatisierung“ führt. Besonders zu empfehlendes kurzweiliges Büchlein mit Auswertungen zum Diskurs und durchgeführter Studien.” zur Rezension

Zeitschrift Queerulant_in: “Das Buch gibt auf nur 78 Seiten einen sehr guten Überblick und sei allen Menschen wärmsten ans Herz gelegt.” Queerulant_in, Nr. 5, S.39. zum Heft

Auf dem Blog http://jpunktanna.wordpress.com heißt es am 21. Juni 2014 zu dem Buch: “kurz gesagt, ein spannendes Buch, das kurz und gut lesbar zum Stand der Diskussion um die Behandlung von Intersex informiert und mich wütend macht. Ich finde die aktuelle Situation grausam und unverständlich. Das Lesen des Buches “Intersexualität-Intersex” kann ich sehr empfehlen.” zur ganzen Rezension

NEUES BUCH: „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“

Das Buch Intersexualität – Intersex: Eine Intervention ist nun erschienen und ich möchte alle Interessierten herzlich zur Lektüre, Rezension und Diskussion einladen!

Cover des Buches "Intersexualität - Intersex: Eine Intervention"

Vorstellungstext des Bandes:
Oft werden bei der Diagnose «Intersex» im Säuglings- und frühen Kindesalter operative und hormonelle Eingriffe vorgenommen, um ein möglichst eindeutiges Erscheinungsbild der Genitalien zu erreichen. Von den Interessensvertretungen der Intersexe werden diese Eingriffe als gewaltsam und traumatisierend beschrieben. Neue wissenschaftliche Ergebnisse zeigen ebenfalls massive Probleme der Behandlungen auf – der Deutsche Ethikrat berücksichtigte sie nicht für seine Anfang 2012 veröffentlichte Stellungnahme zum Umgang mit Intersexualität. In diesem Band wird der aktuelle Forschungsstand vorgestellt und mit den Forderungen der Intersex-Verbände kontextualisiert. Voraus geht eine Analyse der gesellschaftlichen Umstände, die zur bisher üblichen medizinischen Praxis führten. Darin wird gezeigt dass die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern sowie die sozial strukturierte Angst vor geschlechtlicher Pluralität wichtige Ausgangspunkte dafür waren, Uneindeutigkeiten gesellschaftlich und medizinisch zu tilgen. Vor dem Hintergrund einer wachsenden gesellschaftlichen Anerkennung vielfältiger geschlechtlicher Identitäten wird herausgearbeitet, dass die Begründung der bisherigen medizinischen Behandlungspraxis – sie basierte eben darauf, Menschen Diskriminierungen und Gewalt in einer gegenüber geschlechtlicher Uneindeutigkeit intoleranten Gesellschaft ersparen zu wollen – nicht mehr gegeben ist.

Eine erste Rezension
ist bereits bei Mädchenblog erschienen – dort heißt es unter anderem:

“Voß [zeigt], dass die Zurichtungen intergeschlechtlicher Körper ihren Ursprung in der gesellschaftlichen Vorstellung von Geschlechtlichkeit und ihrem Wandel seit der Aufklärung haben, dass die Forderungen des Ethikrates entscheidende Lücken in der Rezeption des (medizinkritischen) Diskurses in Form von Outcome-Studien aufweist und auch deshalb weit hinter den Forderungen der Inter*-Bewegung zurückbleiben muss. Die Veröffentlichung ist ein Beitrag, diese Lücke rechtzeitig zu schließen, um damit – hoffentlich – in weitere politische Entwicklungen zu intervenieren.” Zur vollständigen Rezension.

Angaben zum Buch:
Intersexualität – Intersex: Eine Intervention
von Heinz-Jürgen Voß
Unrast-Verlag, Münster
80 Seiten, broschiert, 7,80 EUR
ISBN 978-3-89771-119-8

Das Buch ist beim Verlag und im Buchhandel erhältlich;
Rezensionsexemplare können bei mir (voss_heinz(ätsch)yahoo.de) und beim Verlag bestellt werden.

Zur Übersicht der bereits erschienenen Rezensionen.