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Die neue GEO mit ihrem „Frau Mann“-Schwerpunkt: „Alles Bio. Oder? Geschlechter-Forschung: Der Mythos vom Unterschied“

„Alles Bio. Oder? Geschlechter-Forschung: Der Mythos vom Unterschied“ heißt es in der Überschrift eines der Beiträge im aktuellen GEO-Themenheft „Frau Mann“ (Juli 2012). Es werden die Geschlechter-Klischees in der aktuellen Forschung aufgespürt und mit einigen seriöseren Arbeiten, die explizit nicht auf Verkaufserfolg zielten, kontrastiert. „Autoren wie Verlagen verheißt der weite Raum zwischen Mars und Venus astronomische Gewinnspannen.“ (S.33) Einige, wie die aktuell prominente Differenz-Autorin Louann Brizedine, profitieren nicht nur von durch Autor_innen-Honorare von ihren Buchverkäufen, sondern sie ist auch Gründerin einer Klinik, die sich auf die in den Büchern als bedeutsam dargestellten Hormone spezialisiert hat. Das Wartezimmer will gefüllt werden.

„Man braucht nur: Forscher mit Drang zur Öffentlichkeit und Medien mit Mut zur Vereinfachung. Fertig ist der Party-Smalltalk. Eine seriöse Studie zu dem Thema [verwendeter Sprachschatz], mit 400 Teilnehmern, gelangt zu ganz anderen resultaten: Frauen sprechen 16 215 Wörter am Tag, Männer 15 669. Solche Befunde aber bleiben meist unbeachtet. Denn die Nachricht ‚Frauen und Männer reden gleich viel‘ – sie ist keine. Oft fristen Untersuchungen, die auf Gleichheit statt Differenz stoßen, von vornherein ein Schubladendasein.“ (33)

Gehirndifferenzen? – „viele der behaupteten Bio-Differenzen hat die neuere Forschung widerlegt“ (32). Und bei anderen zeigt sich eine oft rasche Veränderung bei entsprechenden Trainings: „Weil aber die Gesellschaft es so will, bringen Mann und Frau ihr Denkorgan auf unterschiedlichen Trainingsplätzen in Form. Jungs sind wild und erobern die Welt. Mädchen sind süß und spielen zu Hause. Jungs treiben sich herum. Sie haben mehr Gelegenheit, ihren Orientierungssinn zu schärfen als die besser behüteten Mädchen, die nicht durch den dunklen Wald stromern (dürfen). Später übernehmen die Gentlemen nur zu gern das Lenkrad – und bauen so ihren Vorsprung in Sachen Orientierungsfähigkeit aus.“ (32)

Und die Klischees prägen auch die Antworten von Studienteilnehmer_innen. Und damit kommen wir zu einem letzten Beispiel aus der diesbezüglich lesenswerten aktuellen Ausgabe: „In einer Studie der Universität Ohio wurden junge College-Studenten nach der Zahl ihrer bisherigen Sexualpartner gefragt. Waren die Antworten persönlich zuzuordnen, so berichteten die Frauen im Schnitt 2,6 Beischläfer, die Männer kamen auf 3,7 Bettgenossinnen. Wurde ein Lügendetektor angeschlossen (der zwar gar keiner war, aber den Druck Richtung Wahrheit erhöhte), dann waren es bei den Frauen plötzlich 4,4. Bei den Männern blieb die Zahl mit 4,0 nahezu gleich.“ (36)

Die heteronormative Sicht ist hier kritikwürdig. Aber insgesamt diskutiert das aktuelle GEO-Heft kritisch Forschungen der Biologie und präsentiert sie zusammen mit einer anschaulichen Bilderfolge. Klar wird, wie Vorurteile und Gewinn-Möglichkeiten Forschung prägen – das sollte man sich stets bewusst machen. Ein kurzer Blick auf die der jeweiligen Studie zu Grunde liegenden Methoden, die Zahl und Behandlung der Proband_innen fördert oft beachtliche Nachlässigkeiten und Schwächen zu Tage. In der eigenen Forschung sollte man versuchen, die eigenen Vorannahmen zu reflektieren.

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