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Gadd45g-Gen bedeutsam für männliche Geschlechtsentwicklung im Mäuseexperiment?

Nachdem sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vorgeschlagene Gene, die als "die zentralen Schritte" der Geschlechtsentwicklung postuliert wurden, später als keineswegs so bedeutsam herausgestellt hatten, geht das gleiche Denken in der genetischen Forschung weiter. Bisher ergaben sich bei allen Genen, die als Kandidatinnen für den so genannten "Hoden-determinierenden Faktor" "entdeckt" worden waren, rasch widersprüchliche Ergebnisse. Etwa bezüglich des Sry-Gens zeigte sich rasch, dass sich Hoden auch ausbilden konnten, wenn das Sry-Gen nicht vorhanden war; in anderen Fällen war das Sry-Gen vorhanden und es hatten sich dennoch keine Hoden ausgebildet.

Interessant ist nun an der neuerlichen Studie (Mäuse-Experiment; Mutanten), dass das Sry-Gen einmal mehr kritisch diskutiert wird. Mathias S. Gierl, Wolfram H. Gruhn, Annika von Seggern, Nicole Maltry und Christof Niehrs (Mainz, BRD) beschrieben für das Gadd45g-Gen eine weitreichende Wirkung in der Geschlechtsentwicklung bei Mäusen. Es sei dem Sry-Gen "vorgeschaltet" - die Forschenden vermuten es also als bedeutsamer bei der Ausbildung von Hoden, als Sry. Interessant dabei ist, dass dieses - nun als wichtig postulierte Gen - gerade regelmäßig nicht auf dem Y-Chromosom anzutreffen ist.

Bei einer gründlichen Sicht auf die vorliegenden Erkenntnisse der Genetik gelangt man zu einem immer differenzierteren Bild der Geschlechtsentwicklung: Gene wirken in Netzwerken zusammen und es kommt auf das Wechselspiel der genetischen Faktoren, zudem eingebunden in Regulationsmechanismen der Zelle (!), an, wie sich der Genitaltrakt entwickelt. Für einmalige Schlagzeilen in Medien immer wieder neuere Forschungen so zu präsentieren, dass man jetzt "das Gen für die Geschlechtsentwicklung" gefunden habe, ist hingegen problematisch, da sich ohnehin zeigt, dass in populäre Auffassungen zur Geschlechtsentwicklung an simpelsten Vorannahmen festgehalten wird und das Wissen in der Bevölkerung über die Entwicklung des Genitaltraktes kaum über den Stand der 1960/70er Jahre hinaus geht. Eine seriöse Ergebnis-Präsentation könnte hilfreich sein.

Ein gut lesbarer Zugang zu einem komplexen Verständnis der Geschlechtsentwicklung findet sich hier. Ausführlich hier (3. Kapitel).

Hier ist die Studie ("GADD45G Functions in Male Sex Determination by Promoting p38 Signaling and Sry Expression") zu finden - im Volltext in der Regel von einem Computer einer Universitätsbibliothek zugänglich. (Weitere Links: Institut / Arbeitsgruppe)

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