Zeitschrift Nature (Nr. 518): “Sex redefined”: “Biologen haben inzwischen eine sehr differenzierte Sichtweise der Geschlechter – die Gesellschaft muss hier erst noch aufholen.”

In der aktuellen Ausgabe der biologischen Fachzeitschrift “Nature” ist der Beitrag “Sex redefined” (von Claire Ainsworth) erschienen – bei Spektrum findet sich der Beitrag auch in einer deutschen Fassung. Ainsworth erläutert einige der aktuellen biologisch-medizinischen Theorien zur Geschlechtsentwicklung. Sie hält fest: “Biologen haben inzwischen eine sehr differenzierte Sichtweise der Geschlechter – die Gesellschaft muss hier erst noch aufholen.”

Unter anderem heißt es im Beitrag weiterhin: “Betrachtet man die Genetik, verschwimmt die Grenze zwischen den Geschlechtern noch mehr. Wissenschaftler haben viele der Gene identifiziert, die an den Hauptformen von DSD beteiligt sind und auf subtile Weise die Anatomie und Physiologie des Einzelnen beeinflussen. Neue Techniken der DNA-Sequenzierung und Zellbiologie machten deutlich, dass fast jeder von uns zu einem gewissen Grad aus verschiedenen Zellen besteht, gleichsam wie ein Patchwork. Dabei haben manche unserer Zellen ein Geschlecht, das zum Rest des Körpers eigentlich nicht passt. Auch das Verhalten einer Zelle scheint über komplexe molekulare Systeme von seinem Geschlecht beeinflusst zu werden. ‘Es gibt eine wesentlich größere Vielfalt der Geschlechter als nur das der Männer und das der Frauen…'”

Im Nature-Beitrag nimmt Ainsworth weiterhin ältere biologischen Sichtweisen unter die Lupe, dass weibliches Geschlecht eine basale Stufe darstelle, von der aus eine ‘Fortentwicklung’ in männlicher Richtung erfolge. Solche älteren Sichtweisen sind widerlegt, wie sie herausarbeitet.

Für das “Geschlecht der Zellen” räumt die Autor_in mit einer populär noch weit verbreiteten Sichtweise auf. Sie schreibt: “Beim Geschlecht gibt es keine einfache Dichotomie, zeigen die Studien zu DSD. Noch komplizierter werden die Dinge, wenn man die Zellen des Einzelnen betrachtet. Die allgemeine Annahme, jede Zelle eines Individuums hätte dasselbe Set von Genen, ist schlichtweg falsch.”

Der Beitrag ist sehr zu empfehlen – und räumt mit einigem populären Halbwissen auf!

Ganzer Beitrag bei Nature, Englisch: hier.
Ganzer Beitrag bei Spektrum, Deutsch: hier.
Weiterhin zum Thema: “Angeboren oder entwickelt? Zur Biologie der Geschlechtsentwicklung” / “Geschlecht” / “Making Sex Revisited” [OPEN-ACCESS]

Nun in der 3. Auflage: “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit”

Vor etwas mehr als zwei Jahren ist der Band Geschlecht: Wider die Natürlichkeit erschienen (Band / Besprechungen) und er hat seitdem einige Diskussionen angestoßen, wie ich bei zahlreichen Veranstaltungen mitbekommen konnte. An dieser Stelle möchte ich mich für die sehr guten Diskussionen bedanken – Unterstützung und Widerspruch ermöglichen erst den Weg zu einer emanzipatorischen Gesellschaft! Und es freut mich auch, dass offensichtlich so einige von euch (und Ihnen) den Band einfach nutzen – also das aufnehmen, was jeweils weiterhilft und anderem möglicherweise widersprechen. Genau dafür war und ist der Band gedacht. Nun ist der Band in der 3. Auflage – und ich freue mich auf alles Weitere! Gerechte Gesellschaft machen wir!

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Übersicht über die Rezensionen zu „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“

[aktualisiert im April 2016]

Der kleine preisgünstige Band “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit”, der in der theorie.org-Reihe erschienen ist, liegt mittlerweile in der dritten Auflage vor. Er erfreut sich breiter Rezeption und stellt eine Einführungen in Fragen zu Biologie und geschlecht dar – die vertiefende Lektüre kann dann mit “Making Sex Revisited” erfolgen. In einigen Bundesländern wird “Geschlecht” für den Schulunterricht der Sekundarstufe 2 empfohlen, darüber hinaus wird es gerade von Menschen gelesen, die sich mit Geschlecht befassen möchten und einen Zugang zu hormonellen, genetischen Theorien und den Evolutionstheorien benötigen. Im Folgenden ein Überblick über erschienene Buchbesprechungen.

Erschienene Rezensionen:

Salih Alexander Wolter rezensierte für “red & queer” (Nr. 19, S.6/7) und schreibt unter anderem: “‘Geschlecht – Wider die Natürlichkeit’ stellt einerseits eine auch für Nicht-Fachleute gut verständliche Zusammenfassung der Studie dar und nimmt andererseits die laufende Debatte auf, in der sich Voß gegen die verbreitete Tendenz stellt, ‘subversives’ queeres Denken mit der kapitalistischen Ordnung zu versöhnen. Dabei ist seine inzwischen deutlich marxistische Positionierung seinem wissenschaftlichen Anspruch geschuldet: Statt sich mit den gängigen ‘Eindeutschungen angloamerikanischer Herrschaftskritiken, die zu praxisfreien Denkmodellen umgemodelt wurden’, zu begnügen, zeigt er – wie ein Fach-Rezensent des Erstlings lobte – ‘klar und deutlich, wie Wege der Erkenntnis in Zukunft zu beschreiten sind: nicht vereinfachend, sondern komplex, multikausale Ursachen erwägen, materielle Aspekte nicht vergessen, stets die Frage ´Cui bono?´’. […] Voß durch ebenso sorgfältige wie umfangreiche Quellenarbeit, dass Laqueurs These historisch unhaltbar ist, und diskutiert zugleich den aktuellen Forschungsstand aus Systembiologie und Epigenetik, nach dem sowohl eine Vielzahl von Geschlechtern denkbar ist als auch – dass es ‘Geschlecht’ letztlich gar nicht gibt. Die damit eröffnete Möglichkeit, ‘eine gesellschaftliche Utopie von Geschlecht zu entwickeln’, verführt Voß aber nicht dazu, im bei bürgerlichen Jung-Intellektuellen so beliebten ‘Gender-Diskurs’ einen Ersatz für den notwendigen Kampf um eine gerechte Gesellschaftsordnung zu sehen – weiß er doch, dass der gemachte Geschlechtsunterschied, etwa bei der hierzulande besonders krass ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen, nur allzu real ist.” Die Rezension ist hier im Volltext online.

Auf dem Bildungsserver Hessen :: Unterrichtsmaterial :: Online-Lernarchiv wird “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” für Diskussionen im Unterricht der Sekundarstufe II empfohlen. Dort heißt es: “Voß stellt seine Überlegungen zur Geschlechterfrage („Wird ‘Geschlecht’ uns in die Wiege gelegt?“) in den Zusammenhang philosophischer Theorien („Historische biologische Geschlechtertheorien – Theorien von zwei und mehr Geschlechtern“ von der Antike über das Mittelalter bis hin zu den „’Neueren’ Evolutionstheorien im Anschluss an Charles Darwin – Geschlechterdifferenz und emanzipatorische ‘Darwin’sche Schwärmerei“ (Kapitelüberschriften). Im Mittelpunkt seiner Überlegung steht die These, dass gesellschaftliches Geschlecht (engl. „gender“) und das biologische Geschlecht (engl „sex“) künstlich erzeugt worn sind. Man kommt nicht als „Mann“ oder „Frau“ in die Welt. Weil körperliche Merkmale eines Geschlecht in der Gesellschaft interpretiert und gewertet werden, wird der Mensch zur „Mann“ oder „Frau“. Mit Ergebnissen aus der Biologie vertritt Voß (Promotionsthema: «Geschlechterdekonstruktion aus biologisch-medizinischer Perspektive») die These, dass es so etwas wie das biologische Geschlecht überhaupt nicht gibt. Voß bestreitet, dass biologische Geschlechtertrennung vorgegeben sei. Dies ist der Ansatzpunkt für Diskussionen in der Sekundarstufe II in Philosophie-, aber auch in Politik- und Biologiekursen. Das Buch breitet eine große Fülle von Informationen aus und bietet sich für fortgeschrittene SchülerInnen und Lehrkräfte als Quelle und Hintergrundmaterial am ehesten für arbeitsteilige Arbeit (z.B. zu verschiedenen theoretischen Ansätzen, zur Auseinandersetzung aus biologischer Perspektive …)”

Katrin Kämpf schreibt in der der März/April-Ausgabe von “L.MAG – Das Magazin für Lesben” (S.89). “Nach seiner bahnbrechenden, aber vielleicht nicht immer ganz allgemein verständlichen Studie über medizinisch-biologische Geschlechtertheorien, „Making Sex Revisited”, legt Heinz-Jürgen Voß nun mit einem kleinen Band nach. „Geschlecht. Wider die Natürlichkeit” verbindet die Theorien Judith Butlers, Simone de Beauvoirs und Karl Marx’ mit biologischen Ansätzen zum Komplex Geschlecht. Unter dem programmatischen Titel liefert er eine Rundumschau historischer wie aktueller Geschlechtertheorien und klopft diese auf ihr emanzipatorisches Potenzial ab. Von Platons Kugelmenschen  der Antike über Karl Heinrich Ulrichs’ „konstitutionell bisexuellem” Uranier bis hin zur – bislang vergeblich gebliebenen – Suche nach dem sogenannten ,,Hoden determinierenden Faktor” in der modernen Genetik. Voß zeigt, dass
auch aus der Perspektive biologisch-medizinischer Geschlechterforschung sehr wohl differenziertere Modelle als eine Ordnung, die Menschen in zwei- und nur zwei! – Geschlechter aufspaltet, denkbar sind. Verknüpft mit den gesellschaftskritischen Ansätzen von de Beauvoir, Butler und Marx, ergibt sich für ihn die Forderung nach einer gerechteren Welt, in der ebenso die angebliche „Natürlichkeit” der Zweigeschlechterordnung wie auch die Wirkmächtigkeit der Kategorie Geschlecht selbst hinterfragt werden muss. Eine lesenswerte und sehr zugängliche Kampfansage an die Zweigeschlechterordnung.” Mit freundlicher Einwilligung der L.MAG ist die Rezension hier als Abbildung zu finden.

Dr. Anja Gregor rezensierte “Geschlecht” für Mädchenblog und folgert: „Verständlich, streitbar und gehaltvoll“. Und weiter schreibt Gregor: “Das Buch ist in sehr verständlicher und angenehm zu lesender Sprache verfasst. Voß nimmt den_die Leser_in mit durch das Buch, indem immer wieder Zusammenfassungen gemacht werden und darauf verwiesen wird, an welcher Stelle der Argumentation eine_r sich gerade befindet. Ich empfinde das Buch als sehr gutes Destillat der Erkenntnisse der o.g. Diss, hier werden die dort ausführlich und – den Umständen geschuldet – hochwissenschaftlich formulierten Erkenntnisse für Menschen formuliert, die sich in der biologisch-medizinischen Wissenschaft wenig bis gar nicht auskennen. Zum einen ein toller Einstieg für die Auseinandersetzung mit dem biologisch-medizinischen Diskurs, der in der Diskussion um die Kritik der Heteronormativität immer wichtiger werden wird – nicht zuletzt aufgrund immer populärer werdender biologistischer neurowissenschaftlicher Ansätze, die den Essentialismus der Zweigeschlechtlichkeit versuchen in das Gehirn zu verlagern – und ihn so weiterhin unzugänglich für Kritk zu halten. Voß‘ Arbeit bietet die Möglichkeit, solchen Ansätzen zu widersprechen, auch, indem weiterführende Werke genannt werden, mit denen eine_r sich in diverse Richtungen weiterbilden kann. Zum anderen auch eine gelungene integrierende Arbeit: Die Intersektionalität verschiedene Unterdrückungsmechanismen wird im Buch immer wieder hervorgehoben, die Lebensumstände in ihrer Gesamtheit und ihrem Zusammenspiel als verantwortlich für die gesellschaftliche Stellung einer Person hervorgehoben. Dieser Ansatz ist die Basis aller Überlegungen – auch jener zur biologisch-medizinischen Neuschreibung von Geschlechtsentwicklung. Insgesamt ein empfehlenswertes Bändchen der theorie-org-Reihe, über das es sich zu unterhalten gilt!” Die vollständige Rezension findet sich hier.

Didine van der Platenvlotbrug besprach das Buch in der “Hugs and Kisses” (Nr. 7, April 2011) und schreibt unter anderem: “Dieses Büchlein ist vieles in einem: Es dient als schnelle Theorie-Übersicht zu Butler und Co, bringt einige spannende Gedanken zu biologischen Thesen oder Nicht-Thesen und stellt aktuelle Diskursslröme dar – eine ganze Menge für so ein kleines Buch. Das Schöne: Es bleibt sehr lesbar und bietet für wissenschaftlich Interessierte einen tollen Einstieg!” Die komplette Rezension findet sich hier (Lieben Dank an die Redaktion für das Einverständnis!)

Auf ladyfestgreifswald.blogsport.de heißt es zum Buch: “Ebenso wie das im vergangenem Jahr erschienene Buch „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“, wird auch das aktuelle „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ von Heinz-Jürgen Voß – zum Glück – von sich Reden machen. Anlass dazu bietet der weit gespannte und an keiner Stelle überspannte Bogen von alten und neuen Diskussionen zum Konstrukt Geschlecht: So haben Theorien nach Beauvoir (historisch) und Butler (aktuell) ebenso ihren Platz in dem circa 200 Seiten umfassenden Buch, wie historische und aktuelle biologische Geschlechtermodelle, und letztendlich sich an Marx orientierende gesellschaftskritische Forderungen. Der Biologe Voß geht, ebenso wie Karl Marx und Simone de Beauvoir in ihren Werken, in seinem Diskurs stets von der Situation der gesellschaftlich nicht Privilegierten aus, was seine Perspektive von der von vielen bisher existierenden wissenschaftlichen Texten und Forschungen unterscheidet. Voß stellt somit die Bedürfnisse derjenigen Menschen in den Mittelpunkt, die bisher meist gar nicht oder nur in der Opferrolle in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen vorkamen. In keiner Weise wird dabei geleugnet, es gäbe überhaupt keine Frauen und Männer – in unseren Köpfen. Hierbei wird häufig und passend Beauvoir zitiert: „Selbstverständlich kann keine Frau, ohne unaufrichtig zu sein, behaupten, sie stünde jenseits ihres Geschlechts…Wenn wir es auch ablehnen, sie (die Frau) mit dem ewig Weiblichen zu erklären, aber gelten lassen, dass es, zumindest vorläufig, Frauen auf der Erde gibt, müssen wir uns wohl die Frage stellen: was ist eine Frau?“ (aus: „Das andere Geschlecht“) Und Voß selbst bringt es dann mit folgenden Worten auf den Punkt: „Nur weil real „Frauen“ und „Männer“ und Unterschiede zwischen ihnen festgestellt wurden, heißt das nicht, dass sie vorgegeben sind und dass man in Gedanken des „Ewigweiblichen“ oder „Ewigmännlichen“ verfallen müsste. […] Mensch kann ja zur Sicherheit das schwarz-pinke Büchlein in die Hosentasche stecken, um für Diskussionen aller Art („Aber Frauen haben doch nun mal nicht so viele Muskeln wie Männer!“, „Aber es sind schon immer Männer jagen gegangen und Frauen haben Kinder bekommen“, „Aber es gibt nun mal bestimmte Gene, die für die Ausbildung eines bestimmten Geschlechtes zuständig sind.“…) mit Argumenten und weitreichender Sicht ausgerüstet zu sein. Voß schafft mit seinen in die Tiefe gehenden und zugleich anschaulichen Ausführungen mehreres: Die Natürlichkeit ab, Klarheit und Optimismus dafür, dass wir etwas verändern können.” Die ganze Rezension findet ich hier.

Monika Jarosch rezensierte “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” in den “aep informationen – Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft” (2/2011, S.51/52). Jarosch schreibt u.a.: “Das Buch ist hochinteressant und es macht Freude, einem Naturwissenschaftler in seinen Beweisführungen wider die Natürlichkeit des Geschlechts zu folgen.” Die Zeitschrift kann hier bestellt werden.

Bettina Enzenhofer beurteilte “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” in ihrer Rezension „Emanzipatorische Biologiekritik“ im feministischen Monatsmagazin „an.schläge“ (Juli/August 2011, S.38). Enzenhofer schreibt u.a.: “Wer bislang noch nichts von Heinz-Jürgen Voß gelesen hat, sollte dies nun unbedingt nachholen – uneingeschränkt empfohlen sei sein neuestes Buch “Geschlecht. Wider die Natürlichkeit”. Waren schon seine Dissertation („Making Sex Revisited“, siehe an.schläge 06/2010) und etliche seiner Artikel (z.B. über die Komplexität von Geschlecht, über Intersexualität etc.) wegweisend, so destilliert Voß seine Erkenntnisse nun nochmals: Noch verständlicher geschrieben, noch mehr Einbettung in gesellschaftskritische Ansätze (z.B. von Karl Marx, Simone de Beauvoir) und durch einige “Exkurse” noch nachvollziehbarer. Das Buch wurde unlängst sogar vom Bildungsserver Hessen als Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II empfohlen.“ Das Monatsmagazin „an.schläge“ kann hier bestellt werden; die Rezension ist komplett hier online (vielen Dank an Autor_in und Redaktion für ihr Einverständnis).

Prof. Dr. Florian Mildenberger rezensierte “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” ausführlich für die wissenschaftliche Zeitschrift Würzburger medizinhistorische Mitteilungen (S.429-432). Er schreibt unter anderem: „Voß ist Biologe und Wissenschaftshistoriker, so gelingt es ihm das stets genannte Problem des mangelnden Kenntnisstandes nicht-naturwissenschaftlicher Kritiker hinsichtlich aktueller biomedizinischer Studien für sein knapp umrissenes Themengebiet zu beheben. Sowohl die Variabilität der Aussagen Darwins zur Rolle von Geschlechtsunterschieden finden Erwähnung, als auch die modernen Interpretationen. Die Forschung der letzten Jahre, vor allem rund um die Zubilligung besonderer Bedeutung für das SRY-Gen wird breit rezipiert – und in Kontext zu Anstrengungen von Gelehrten seit der Frühen Neuzeit gesetzt, die in der Differenzierung von Hoden und Eierstock die maßgeblichsten Unterscheidungsmerkmale erkannt zu haben glaubten. Voß geht jedoch noch einen Schritt weiter indem er die Frage stellt, ob aus der Überschätzung der genetischen Forschung, die keineswegs eine Antwort geben könne, was denn nun die Geschlechterunterschiede ausmache, nicht eventuell die Überlegung abgeleitet werden könne, daß es nicht nur zwei, sondern sehr viel mehr Geschlechter gebe. Der gesellschaftspolitischen Konsequenzen einer solchen Überlegung ist er sich aufgrund seines marxistischen Fundaments sehr wohl bewußt. Voß vergißt auch nicht zu erwähnen, daß diese Überlegungen in der deutschen Wissenschaft vor 1933 bereits existiert hatten, ehe der eher primitivere zweigeschlechtliche Ansatz sich durchgesetzt hatte. […] Insgesamt ist festzuhalten, daß Heinz-Jürgen Voß ein herausragendes Einführungswerk gelungen ist, kurz und gleichwohl prägnant, auch in seinen diskutablen Einschätzungen. Selbst wenn das Zielpublikum des Verlages eher auf Barrikaden denn in Hörsälen zu suchen ist, wird die Lektüre des Buches auch innerhalb von Akademien und Laboren niemandem schaden. Wer an tiefergehenden und weiterführenden Überlegungen interessiert ist, mag zu Making Sex Revisited greifen.“ Die Zeitschrift kann u.a. beim Verlag bestellt werden .

Dr. Matthias Zaft veröffentlichte eine Besprechung des Buches bei Queer.de – unter dem Titel “Der Mensch ist kein Gabelstapler” schreibt er u.a.: Konsequenterweise lässt sich Heinz-Jürgen Voß nicht auf eine politisch willkommene Aufteilung in biologisches (“natürliches”) und gesellschaftliches Geschlecht nach “Sex” und “Gender” ein. Diese vermeintlich emanzipatorische Debatte nämlich verlagert das Problem lediglich von den Ursachen in die Sphären der Folgen. Dabei bräuchte auf gesellschaftliche Ungerechtigkeit, etwa unter/zwischen “den beiden” Geschlechtern nicht nur akademisch motiviert reagiert zu werden, wenn die vermeintliche Ursache, besagte “Natürlichkeit” nämlich, als dasjenige benannt und anerkannt würde, was sie ist: ein Mythos. Transparent und fundiert arbeitet sich Heinz-Jürgen Voß an eben diesem Mythos ab. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Biologie und Medizin nimmt er dabei ebenso präzise in den Blick wie unterschiedliche historische Konzepte und Modelle zum Thema Geschlecht. Doch damit nicht genug: Dass die Herausarbeitung einer historischen und gesellschaftlichen Bedingtheit von Zweigeschlechtlichkeit nicht reiner Selbstzweck ist, wird deutlich, wenn Heinz Jürgen Voß die Verbindungslinien zwischen Geschlecht und gesellschaftlicher Rolle und Position aufzeigt. Hierzu begibt er sich in durchaus gute Gesellschaft mit Simone de Beauvoir, deren Protest gegen ein “biologisches Schicksal” von Voß durchweg elegant mit trockener Munition versorgt wird. Ob, und auf welche Weise ihm dies gelingt, lohnt sich selbst herausfinden. Die vollständige Rezension findet sich hier.

Prof. Dr. Rüdiger Lautmann rezensierte “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” und “Making Sex Revisited” zusammen für die Zeitschrift für Sexualforschung. Er schreibt unter anderem: Voß‘ Studien enthalten einen beträchtlichen Mehrwert an Erkenntnis. Man wird zukünftig nicht von der kulturellen Selbstverständlichkeit ausgehen können, die Aufteilung in zwei Geschlechter (zuzüglich einiger quantitativ seltener Besonderheiten wie Transgender und Intersexe) sei ein eindeutiges Resultat der Biologie. Vielmehr wird man anerkennen müssen, dass auch die Biologie – ebenso wie seit einiger Zeit die kulturologische Genderforschung – immer schon mehrere Denkmodelle gepflegt hat.” Zur Besprechung.

Dr. Zülfkuar Çetin rezensierte „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ in der Zeitschrift „freitext“ (Nr. 20, S.8-9). Er schreibt u.a.: „Hiermit werden die ‚Geschlechter‘ nicht mehr als ‚natürlich‘, angeboren, vorgegeben, unabänderlich und überzeitlich angesehen, sondern als historisch und wirtschaftlich bedingte soziale Konstruktionen, welche die Unterdrückung der Frau oder des Nicht-Männlichen rechtfertigen. […] Das Buch „Geschlecht. Wider die Natürlichkeit“ bietet mit seiner verständlichen Sprache und schlüssigen Struktur eine gute Einführung zur Dekonstruktion des biologischen Geschlechts aus der Sicht eines kritischen Biologen und Sozialwissenschaftlers.“ Die Zeitschrift kann hier bestellt werden.

In der Publikation “Sex(ual) Politics” der österreichischen HoschschülerInnenschaft wird “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” besprochen. Dort heißt es unter anderem: Heinz-Jürgen Voß’ “Ausführung beinhaltet dabei durchwegs neue Forschungsarbeit und wirkt trotz des naturwissenschaftlichen Hintergrunds keineswegs trocken. So stellt das Büchlein in Summe ein ausgezeichnetes Einführungswerk dar, das prägnant und verständlich unterschiedliche Diskussionsstränge auf den Punkt bringt und neue Diskussionsansätze geradezu herausfordert.” Hier lässt sich die Publikation “Sex(ual) Politics” bestellen.

Stefan Wallaschek rezensierte das Buch auf dem Soziologieblog: „Damit lässt sich Voß‘ Einführungswerk einerseits in die aktuelle (konstruktivistisch-geprägte) Debatte um die Interdependenz von sex und gender einordnen: Keines von beidem ist vorgelagert, sondern beide Kategorien konstruieren sich gegenseitig und unterliegen zudem einem Bedeutungswandel […]. Andererseits ebnet er mit seiner geschlechtssensitiven Analyse der bio-medizinischen Erkenntnisse den Weg für weitere sozialwissenschaftliche Forschung im Bereich der Foucault’schen Bio- und Genpolitik […]. Hilfreich sind in dem Buch nicht nur die Schaubilder, sondern auch die sogenannten „Exkurse“: hervorgehobene Stellen, die entweder über einige Seiten Ausschnitte aus Originaltexten wiedergeben, biografische Inhalte präsentieren oder tiefergehende Kritik an einflussreichen Studien äußern. Zusammen mit kurzen Weiderholungen der bisherigen Aussagen des Buches am Anfang jedes größeren Kapitels wird damit der Textfluss belebt und die Verständlichkeit, vor allem für Einsteiger_innen, erhöht.“ Stefan Wallaschek, Soziologieblog, 23.4.2013, hier im Volltext online.

Das Stadtmagazin PRINZ Leipzig beurteilt “das aktuelle, Diskussionen aufwirbelnde Taschenbuch ‘Geschlecht – wider die Natürlichkeit'” mit vier Sternen, als “sehr gut”. Es “belegt […] die Existenz von mehr als zwei Geschlechtern”, so PRINZ in der gedruckten Juli-Ausgabe (Juli 2011, S.79).

Straßen aus Zucker empfehlen “Geschlecht wider die Natürlichkeit” in ihrer aktuellen Ausgabe, Nr. 6, S.20. In der Besprechung heißt es unter anderem: “Dabei erwarten Dich keine langweilig-detaillierten Ausführungen über komplizierte biologische Prozesse, sondern ein nachvollziehbarer Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft, der auf viele Geschlechter und Individualitäten der Körper verweist.” Die vollständige Ausgabe der Zeitschrift ist hier als pdf-Datei online.

Das Blog “Emanzipation oder Barbarei” rezensierte “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” im Dezember 2011. Die vollständige Besprechung findet sich hier. (Zweitveröffentlichung in “Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft”, hier.)

Uschi Siemens besprach “Geschlecht: Wider die Natürlichkeit” in “Wir Frauen – das feministische Blatt”, Nr. 2/2011. Die Zeitschrift kann hier bestellt werden.