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Die folgende Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungswoche des „Bündnis gegen Rechts“ gegen den Neonazi-Aufmarsch am 18. Juni. In der Veranstaltungswoche wird für Toleranz und Akzeptanz geworben und werden rechte Entwicklungen kritisch diskutiert. Mehr Informationen auf: https://merseburggegenrechts.wordpress.com .

Attacke von Rechts – Wie reagiert die Wissenschaft?
# Zeit: Dienstag, 14. Juni 2016, 15:00 bis 17:00 Uhr
# Ort: Hochschule Merseburg, Gartenhaus (Eberhard-Leibnitz-Str. 2, Merseburg)
# Referent_innen: Andreas Kemper, Heinz-Jürgen Voß, Jennifer Stange

Seit einigen Jahren werden Wissenschaften in immer stärkerem Maße von rechtspopulistischen und rechtsextremen Zusammenhängen angegriffen. In der Kritik stehen gerade Erkenntnisse, die sich nicht auf dem ersten Blick dem Alltagsverständnis erschließen. Könnte man davon ausgehen, dass es gerade der Zweck wissenschaftlichen Arbeitens ist, Neues zu schaffen, so steht dieses Selbstverständnis aktuell in Frage. Wie reagiert die Wissenschaft?

Am 14. Juni wird diese Frage an der Hochschule Merseburg diskutiert. Nach drei kurzweiligen Impulsen wird gemeinsam mit dem Publikum diskutiert. In dem eröffnenden Vortrag „Pegida, Neue Rechte und AfD“ zeigt der Soziologe Andreas Kemper, wie sich seit der Sarrazin-Debatte eine neurechte Bewegung in Deutschland formiert hat, die gerade im Osten Deutschlands auch parteiförmig auftritt. Andreas Kemper beobachtet diese Bewegung und untersucht, wie neoliberale, christlich-fundamentalistische und faschistische Ideologien der Ungleichheit ineinandergreifen. Er gibt Anregungen, wie Wissenschaft reagieren könnte.

Im Anschluss daran erläutert der Merseburger Sexualwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß die Angriffe, denen zuletzt die Geschlechterforschung und die auf Toleranz gegenüber sexueller Selbstbestimmung zielende Sexualpädagogik ausgesetzt waren. Die Attacken gingen bis hin zu Diffamierungen gegen einzelne Wissenschaftler_innen. Heinz-Jürgen Voß erläutert die Gegenstrategien, die von den Wissenschaftler_innen ergriffen wurden und er weist selbstkritisch darauf hin, dass es für Wissenschaft nötig ist, stets und möglichst verständlich zu erläutern, was sie denn tut.

In dem abschließenden Input regt die Leipziger Journalistin Jennifer Stange auch zu einem selbstkritischen Blick an. Auch die Geschlechterforschung und Sexualpädagogik müssten sich kritisch befragen lassen. Gleichzeitig stelle sich die Frage, ob denn die Wissenschaft gerade genug gegen rechte Entwicklungen tut. Wie kann Wissenschaft reagieren, fragt auch sie.

Die knappen Impulse, die jeweils auf 20 Minuten begrenzt sind, eröffnen die Diskussion mit dem Publikum. Heinz-Jürgen Voß geht dabei in die Position der Moderation, während Andreas Kemper und Jennifer Stange kritisch mit dem Publikum diskutieren.

Alle Interessierten sind zu der Veranstaltung herzlich eingeladen. Der Eintritt ist kostenlos.

Bei der Wahl der Parlamentsvize in Sachsen-Anhalt kam es zum Eklat. Während die AfD bereits im ersten Wahlgang ihren Kandidaten durchsetzen konnte und dabei offenbar von Stimmen der CDU gestützt wurde, verhinderte genau jene CDU - die in ersterem Fall von einem demokratischen Akt sprechen würde -, den Kandidaten der Partei Die.Linke.

Hier scheint sich Nähe auszudrücken, die in den letzten Tagen bereits aus einer "CDU-Basis" zu hören war. So gab der ehemalige und langjährige Kreisvorsitzende der CDU Saalekreis Jürgen Ruscher - der noch immer Kreistagsmitglied ist - kund, dass die CDU eine Minderheitenregierung mit Tolerierung durch die AfD bilden sollte. Im Interview mit der MZ ("Mitteldeutsche Zeitung") führte er in Bezug auf die Verbindungslinie zwischen CDU und AfD aus: "In einigen Punkten haben wir ähnliche Meinungen." (MZ, 12.4.2016, S.7, Regionalausgabe Merseburg) Diese Übereinstimmungen kann er nur in Bezug auf "Flüchtlingspolitik" sehen, vertrat doch die AfD im Wahlkampf quasi keine andere Position, als Zuspitzungen und Hetze gegen Geflüchtete. Dabei trug sie in Merseburg zu einem städtischen Klima bei, in dem auf einen Geflüchteten aus Somalia geschossen wurde und ein Geflüchteter aus dem Irak totgeschlagen wurde. Über Wochen versammelten sich tägliche Rechtsetremist*innen an einer eingerichteten Notunterkunft für Geflüchtete.

Der skandalöse Ablauf im Landtag Sachsen-Anhalt macht deutlich, dass die CDU bereits jetzt SPD und Bündnis 90/Die Grünen bedrohen möchte - sie deutet Koalition CDU/SPD/Grün an, blinkt aber gleichzeitig rechts und bietet sich der AfD an. Ein taktischer Erfolg für die AfD.

(An anderer Stelle darf man in der MZ leider auch Begriffe wie "Sozialschmarotzer" lesen. Es ist gerade eine ganz furchtbare Zeit, in der jedes bürgerliche, liberale, demokratische Grundverständnis verloren zu gehen scheint.)

English translation below

Zeit:Samstag, 16.01.2016, 10:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Merseburg, Gotthardstraße (Höhe Große Ritterstraße)

Im Namen aller Syrerinnen und Syrer und der syrischen Geflüchteten:

Wir erklären unsere volle Solidarität mit den Opfern der Angriffe und
Belästigungen von Köln.

Wir sind beschämt von diesen widerwärtigen Verbrechen, die auch unsere Werte und
Normen verletzen, die auch unsere Traditionen und Gebräuche nicht widerspiegeln
und die gegen unsere religiösen Überzeugungen stehen.Weiterlesen » » » »

Gerade vor einigen Tagen wurde in Merseburg ein Mensch aus rassistischen Motiven totgeschlagen und fanden in Merseburg-West gewaltvolle Übergriffe der sogenannten 'besorgten Bürger' gegen Polizist_innen und die Geflüchtetenunterkunft statt. Nun will die AFD die Situation weiter anheizen. Auf Flugblättern hetzt sie weiter gegen Geflüchtete und veranstaltet eine Kundgebung in Merseburg, zu der sogar Björn Höcke, der bundesweit mit rassistischen Äußerungen bekannt gewordenen ist, auftreten soll. Die AFD bereitet mit ihrer Hetze gegen Geflüchtete verbal den Boden für weitere physische Gewalt.

Gegen die Hetze der AFD und ihre Kundgebung hat ein breites Bündnis Proteste angekündigt. Im Folgenden der Aufruf des Bündnisses:

Rechte Brandstifter entlarven – Rassisten entgegentreten
Proteste am 11. Januar, Merseburg

Am Montag, dem 11. Januar 2016 will die Alternative für Deutschland (AfD) in Merseburg gegen die Asylpolitik der Bundesregierung auf die Straße ziehen. Mit der Demonstration soll im Landtagswahlkampf weiter Stimmung gegen Geflüchtete emacht werden. In völliger Verkennung der Fakten erklärt die AfD die aktuelle Lage der Flüchtlingspolitik im Saalekreis zu einem „totalen Staatsversagen“.

Die Partei, die in Sachsen-Anhalt mit einem rechts-völkischen Programm zur Landtagswahl antritt, will Rassismus wieder salonfähig machen. Nach Merseburg kommen deshalb auch der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke und der inzwischen in den Saalekreis gezogene Hans-Thomas Tillschneider.Höcke hatte zuletzt mit kruder rassistischer Hetze bei einem Vortrag im neu-rechten Institut für Staatpolitik für einen Skandal gesorgt und organisierte in Erfurt wiederholt Demonstrationen gegen Geflüchtete. Tillschneider wiederum war Mitglied im Landesvorstand Sachsen und will nun auf Platz zehn der Landesliste in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Er war regelmäßiger Teilnehmer bei den islamfeindlichen Dresdener Pegida-Demonstrationen und als Berater für den noch gewalttätigeren Ableger – Legida – aus Leipzig tätig. Tillschneider macht Stimmung gegen Muslime und spricht dem Islam in Deutschland aufgrund seiner vermeintlichen Fremdheit ab, das Recht auf Religionsfreiheit gleichermaßen in Anspruch nehmen zu können. Auch Tillschneider verfügt über vielfältige Kontakte ins neu-rechte Lager. Gemeinsam repräsentieren die Redner zusammen mit der Merseburger AfD den extrem rechten Rand der Partei.

Die AfD wird bei ihrer Demonstration von denen unterstützt, die in Merseburg-West nahezu täglich und zum Teil gewalttätig gegen die Präsenz von Geflüchteten in einer Notunterkunft protestieren. Die AfD liefert mit ihren Parolen und ihrem Programm den braunen Morast, auf dem Brandstiftungen an Flüchtlingsunterkünften und Gewalt gegen Migrant*innen gedeihen. Als Merseburger Bündnis gegen Rechts treten wir dem Rassismus und der Islamfeindlichkeit der AfD entgegen. Wir lassen nicht zu, dass auf dem Rücken von in Merseburg und im Saalekreis lebenden Geflüchteten Wahlkampf für eine antidemokratische Partei gemacht wird.

Die Behauptungen der AfD, wir hätten es in der Flüchtlingskrise mit einem totalen Staatsversagen zu tun, weisen wir, gemeinsam mit den rund 2 300 im Saalekreis lebenden Geflüchteten zurück. In Merseburg und anderen Städten unseres Landkreises leben wir friedlich und ohne Probleme zusammen. In den letzten Monaten sind zudem viele Willkommensinitiativen entstanden, die im Alltag zu einer gelingenden Integration beitragen.

Wir treffen uns deshalb am Montag, dem 11. Januar 2016, 18:00 Uhr, in der Gotthardstraße in Merseburg (Höhe Große Ritterstraße), um gegen die AfD und ihren Rassismus zu demonstrieren.

Reihen-Umschlaggestaltung für den Psychosozial-Verlag, Gießen Info zu Hintergrund Raster-Bild: Raster für Fond: Covermotiv in Fläche von ca 25 x 25 cm einbauen und in Bitmap wandeln. Einstellung Bitmap: Halbtonraster 10 p per inch Winkel 45°Sehr gern weise ich auf die neue und innovative Publikation von Julia Sparmann "Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen" hin, die gerade im Psychosozial-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen finden sich unten. Rezensionsexemplare können direkt über den Verlag bezogen werden.

Julia Sparmann: Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen

Verlag: Psychosozial-Verlag
113 Seiten, Dezember 2015, 16,90 Euro
ISBN-13: 978-3-8379-2519-7
Infos und Bestellmöglichkeit: http://www.psychosozial-verlag.de/catalog/product_info.php/cPath/2000_2130/products_id/2519

Klappentext:
Junge Frauen stehen mit ihrem Körpergefühl und sexuellem Erleben im Spannungsfeld individuell biografischer Erfahrungen und gesellschaftlicher Ideale. Sie besitzen in der heutigen Zeit ein ausgeprägtes Körperbewusstsein, doch statt körperlichen Wohlbefindens stehen oft kritische Selbstbewertung und Kontrolle im Vordergrund. Körperorientierte Methoden stärken über sinnlich-konkrete Selbsterfahrung die Körperwahrnehmung und erweitern sexuelle Fähigkeiten und Potenziale.

Julia Sparmann verbindet erprobte Methoden aus Körperpsychotherapien, dem sexualtherapeutischen Ansatz Sexocorporel und Tantra zu einem Konzept körperorientierter Herangehensweisen für die Sexuelle Bildung. Ressourcenorientiert werden die Hintergründe der Ansätze reflektiert und im Sinne einer emanzipatorischen Sexuellen Bildung modifiziert. Es wird deutlich, dass die Vermittlung der komplexen Zusammenhänge zwischen Atem, Muskeltonus und Bewegung sowie die Betonung eines achtsamen Körperzugangs dabei eine große Bereicherung darstellen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Hr. Dr. Mannke, sehr geehrte Fr. Seltmann-Kuke,

[Hier als pdf-Datei.]

mit Bestürzung habe ich Ihr Statement (Leitartikel) in der aktuellen Zeitschrift des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt gelesen. Ich möchte mich dazu in diesem Brief auch daher an Sie wenden, weil Ihr Verband in meinem Wirkungsort seinen Sitz hat – und weil ich Sie bei unseren Veranstaltungen zu Toleranz, Akzeptanz und gegen Rassismus noch nicht kennenlernen durfte.

Ihr Beitrag nutzt nicht nur äußerst problematische Begriffe wie „Invasion“ und „ungehemmte[] Einwanderungsströme“ in Bezug auf Menschen, sondern verwendet – fast schon als prägnantes Beispiel für Lehrbücher – koloniale und rassistische Ressentiments. So ist es ein altes Motiv, Rassismus über Sexualität zu verhandeln. Einmal wurden und werden Musliminnen und Muslime von Weißen als bedrohlich imaginiert, einmal gelten sie als begehrenswert. Beide Facetten treten in ihrem Beitrag hervor, wenn Sie von „sicher oft attraktiven muslimischen Männern“ schreiben und ihnen gleichzeitig zuschreiben, besonders patriarchal und damit bedrohlich zu sein. Für Ihre aktuelle Lektüre mit Blick auf die Verschränkung von Rassismus und Geschlecht/Sexualität kann ich sehr empfehlen: „Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre ‚Muslime versus Schwule‘“ (hg. von Koray Yılmaz-Günay) und „Schwarze Frau, weiße Herrin“ (von Martha Mamozai).Weiterlesen » » » »

Am 28. März findet der (offizielle) Abschluss der Merseburger Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Beginn ist um 9:00 Uhr mit einer Kundgebung auf der 'Kliaplatte'. Es schließt sich eine Straßenfest mit Infoständen, Kunstaktionen und Theater an. Ein weiterer Höhepunkt ist der Stadtspaziergang "Ankommen? Bleiben? Gehen? Ein Audiowalk", der um 15:00 Uhr am Bahnhofsvorplatz startet. Um 10:00 Uhr und 11:00 Uhr finden in Kooperation mit der Buchhandlung Stollberg zwei hochkarätige Lesungen statt. Die Buchhandlung bereitet auch einen sehr guten Büchertisch vor, auf dem neben den lohnenswerten vorgestellten Büchern auch Standardwerke wie "Farbe bekennen" (hg. von Katharina Oguntoye, May Ayim, Dagmar Schultz) und "Deutschland - Schwarz weiß" (von Noah Sow) ausliegen - es lohnt sich also auch, ein paar Euro für gute Bücher dabei zu haben.

Um 10:00 Uhr...
stellt Dr. Zülfukar Çetin das gemeinsam mit Savaş Taş herausgegebene Buch "Gespräche über Rassismus – Perspektiven und Widerstände" vor, das gerade zur Leipziger Buchmesse erschienen ist. Der Band versammelt Gespräche und Beiträge von Aktivist_innen, Wissenschaftler_innen und Künstler_innen gegen Rassismus: Iman Attia; María do Mar Castro Varela; Maisha Eggers; Mutlu Ergün-Hamaz; Elsa Fernandez; Noa Ha; Nivedita Prasad; Isidora Randjelović; Marianna Salzmann; Yasemin Shooman; Vassilis S. Tsianos; Deniz Utlu; Women in Exile; Koray Yılmaz-Günay; Anna-Esther Younes; Halil Can; Ayşe Güleç.
Dr. Zülfukar Çetin lehrt an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin im Bereich Soziale Arbeit. Seine Doktorarbeit zu Homophobie und Islamophobie wurde 2014 im Rahmen des Deutsch-Türkischen Wissenschaftsjahrs mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Seit Oktober 2014 arbeitet er an seinem Post-Doc-Projekt als Mercator-IPC-Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Er ist Vorstandsmitglied des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg.

Um 11:00 Uhr...
präsentieren Koray Yılmaz-Günay und Freya-Maria Klinger das Buch "Realität Einwanderung. Kommunale Möglichkeiten der Teilhabe, gegen Diskriminierung" (2014). Fragen von Asyl, die Zugänglichkeit von Verwaltung, die Planung von partizipativen Instrumenten, die Stadt- und Raumplanung oder aber das soziokulturelle Angebot sind von jeher auch kommunale Themen, die aktiv gestaltet werden können. Gerade den Städten und Kommunen kommt die Aufgabe zu, gleiche Teilhabe zu ermöglichen und emanzipatorische öffentliche Räume zu schaffen. Die Autor_innen sensibilisieren für ausschließende Strukturen und geben Beispiele für und Hinweise auf gelingende Ansätze für ein gleichberechtigtes Zusammenleben: für Teilhabe aller, gegen Rassismus und Diskriminierung.
*Koray Yılmaz-Günay* ist Referent für Migration in der Akademie für politische Bildung der Rosa-Luxemburg-Stiftung. *Freya-Maria Klinger*, seit 2009 migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Mitglied im Sächsischen Flüchtlingsrat und Initiatorin der Chemnitzer Save-Me-Kampagne.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Über die freundliche Verbreitung der Einladung und Berichterstattung freuen wir uns.

„Rassismus ist die Verknüpfung von Vorurteil mit institutioneller Macht. Entgegen der (bequemen) landläufigen Meinung ist für Rassismus eine ‚Abneigung‘ oder ‚Böswilligkeit‘ gegen Menschen oder Menschengruppen keine Voraussetzung. Rassismus ist […] ein institutionalisiertes System, in dem soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Beziehungen für weißen Alleinherrschaftserhalt wirken […].“[1]

Erst seit den 1980er Jahren wird Rassismus in Deutschland – durch das Streiten von Selbstorganisationen von Schwarzen Menschen und Personen of Color – zunehmend thematisiert. Die ‚verharmlosenden‘, weil den institutionalisierten Charakter von Rassismus verkennenden, Begriffe Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass wurden weitgehend abgelöst. Die Veranstaltungsreihe führt in die Thematik ein – auch mit regionalem Blick. Sie wird in Kooperation von Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Hochschule Merseburg und Arbeit und Leben BV Sachsen-Anhalt e.V. – Mehrgenerationenhaus Merseburg durchgeführt.

  • Einführungsseminar: Rassismus und deutscher Kolonialismus
    # 17. März 2015, 18:30 Uhr, Mehrgenerationenhaus*
    Die Einführungsveranstaltung gibt einen Überblick über deutschen Kolonialismus und Rassismus in Deutschland. Es werden Erinnerungen an die Wende 1989/90 aufgegriffen, die heute kaum im Blick sind und die davon handeln, wie Schwarze Menschen von Mehrheitsdeutschen attackiert und die Pogromstimmung auch von Politikern schnell aufgegriffen wurde.
    Dr. Heinz-Jürgen Voß von der Hochschule Merseburg eröffnet die Reihe – und Diskussion.
  • "Fremde in der geschlossenen Gesellschaft - Migranten in der DDR"
    # 26. März, ab 18:00 Uhr, Theater am Campus**
    Durch die islam- und fremdenfeindlichen Demonstrationen in Leipzig und vor allem Dresden ist Ostdeutschland wieder in den Fokus der Debatte um Migration und Integration gerückt. Dieser Vortrag wendet sich der mentalen und kulturellen Prägung zu: Damit wird nicht die Bedeutung der Transformation nach der deutschen Einheit in Frage gestellt, allerdings war schon in der DDR die gesellschaftliche Stellung ‚Fremder‘ prekär.
    Dr. Patrice G. Poutrus arbeitet am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Er publizierte u.a.: „Fremde und Fremd-Sein in der DDR“ und „Ankunft – Alltag – Ausreise. Migration und interkulturelle Begegnungen in der DDR-Gesellschaft“.
  • Aktivismus in Bewegung: Die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland
    # 16. April, ab 19:30 Uhr, Theater am Campus**
    "Eine Schwarze, Kriegerin und Dichterin, die ihre Arbeit tut und gekommen ist, euch zu fragen, ob ihr die Eure tut." Dieser Aufruf zum politischen Handeln zeigte in Deutschland eine großartige Wirkung: das Erwachen einer Bewegung. Audre Lorde´s Einfluss auf die US-amerikanische Frauenbewegung, ihre aufrüttelnden Texte und ihr brillantes Beleuchten von Sexismus, Rassismus und Homophobie wurden Mitte der achtziger Jahre allmählich auch in der deutschen Frauenbewegung bekannt. Es gelang ihr tatsächlich in Deutschland Schweigen in Sprache und Handeln zu verwandeln. Peggy Piesche stellt den zu Audre Lorde´s zwanzigstem Todestag erschienenen Band „‚Euer Schweigen schützt euch nicht‘ – Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland“ vor. Der Band vereinigt bereits erschienene Texte Lordes mit Beiträgen, Interviews und Gedichten afrodeutscher Frauen.
    Peggy Piesche ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und arbeitet an der Bayreuth Academy of Advanced African Studies. Weitere Publikation (Mit-Hg.): „Mythen, Masken und Subjekte - Kritische Weißseinsforschung in Deutschland“.
  • Aspekte der Geschichte des Rassismus in und um Merseburg
    # 28. April, 18:30 Uhr, Mehrgenerationenhaus*
    Für die DDR sind über 8.000 neonazistische, antisemitische und rassistische Propaganda- und Gewaltstraftaten belegt. Der erste Angriff eines deutschen Mobs auf ein Wohnheim, ähnlich dem von 1991 in Hoyerswerda, fand am 13. Februar 1977 in Dessau statt. In Merseburg wurden im August 1979 zwei Kubaner getötet, anschließend verhinderte die Partei- und Staatsführung polizeiliche Ermittlungen. Der Antifaschismus der SED hat diese Entwicklungen nicht verhindern können. Harry Waibel erläutert die Ursachen von Rassismus und Antisemitismus in der DDR – mit Blick auf Geschichte, Ideologie und Politik – und er zeigt Auswirkungen bis heute auf.
    Harry Waibel lebt und arbeitet als Historiker und Publizist in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er „Der gescheiterte Anti-Faschismus der SED – Rassismus in der DDR“.
  • Separiert und diskriminiert: Zur Situation geflüchteter Menschen im Saalekreis
    # 21. Mai 2015, 18:30 Uhr, Theater am Campus**
    Asylsuchende sind in Deutschland oft menschenunwürdig untergebracht, von Rassismus betroffen und werden immer wieder durch Polizeikontrollen kriminalisiert. Von Flucht und Krieg traumatisiert, erleben geflüchtete Personen auch im Saalekreis die ablehnende Haltung von Mehrheitsdeutschen – von verbalen Attacken bis hin zu physischen Angriffen. Hinzu kommt ein institutioneller Rassismus. Was bedeutet es für Geflüchtete, permanent Angst davor haben zu müssen, ausgewiesen zu werden? Wie gehen die Menschen mit rassistischen Alltagserfahrungen um?
    Im Rahmen eines moderierten Gesprächs berichten geflüchtete Menschen über ihre Erfahrungen in Merseburg und im Saalekreis – und zeigen auf, was sich verändern muss. Zugesagt hat Cheickna Fadiga Hamala, der eine Zeit lang in Krumpa lebte, aktuell seinen Schulabschluss in Halle macht und zuletzt von der Bundesregierung für sein gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet wurde.

Kosten:
Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos.

Ort:
**Theater am Campus, Hochschule Merseburg, Eberhard-Leibnitz-Str. 2, 06217 Merseburg, http://www.hs-merseburg.de

*Mehrgenerationenhaus, Rossmarkt 2, 06217 Merseburg

Kontakt und inhaltliche Fragen bitte an:
Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß

Anja Kruber

Hochschule Merseburg
Eberhard-Leibnitz-Str. 2
06217 Merseburg

 

[1] Noah Sow, zit. nach: Susan Arndt / Nadja Ofuatey-Alazard (Hg., 2011): Wie Rassismus aus Wörtern spricht: (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast Verlag. S. 37.)

Anastasia Gulei aus der Ukraine überlebte eine sehr lange Haft im Vernichtungslager Auschwitz und wurde zu Kriegsende aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Sie kämpft seit Jahren dafür, dass der Nazi-Terror nicht in Vergessenheit gerät. Am 27. Oktober 2014 kommt sie zu einem Gespräch mit Studierenden und Interessierten an die Hochschule Merseburg.

# Montag, 27.10.2014, 18:00 Uhr
# Theater am Campus, Hochschule Mersebur
# ausführliche Informationen

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