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Gerade erschienen: Buch "Being Bi"

Sehr gern möchte ich gleich auf zwei aktuelle Veröffentlichungen verweisen, die den Fokus auf geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung legen und einerseits Bisexualität ins Zentrum setzen, andererseits den Möglichkeiten von Kunst und Medien zur Förderung insbesondere geschlechtlicher Selbstbestimmung nachgehen. Passend zu den aktuellen Jubiläen wird im Band "Being Bi" die feministische und BDSM-praktizierende bisexuelle Aktivistin Brenda Howard und "Mother of Pride" gewürdigt, auf die das Format der Christopher-Street-Days als Pride, oft verbunden mit einer Veranstaltungswoche, zurückgeht. Im Folgenden die Angaben zu den Büchern - über Rezensionen und kritische Reflexion freuen wir uns. Rezensionsexemplare können angefordert werden, für Buchvorstellungen sprechen Sie und sprecht ihr gern mich oder die jeweils andere Herausgeber*in an.

Being Bi: Bisexualität zwischen Unsichtbarkeit und Chic (Reihe: Hirschfeld Lectures, Bd. 13)
von Kim Ritter und Heinz-Jürgen Voß

Göttingen:Wallstein-Verlag
2019 / 63 Seiten / 9,90 Euro
Informationen beim Verlag:  https://www.wallstein-verlag.de/9783835334021-kim-ritter-heinz-juergen-voss-being-bi.html ,
Rezensionsexemplar bestellen: Laura Fritz, lfritz@wallstein-verlag.de

Gerade erschienen: Buch "Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung durch Kunst und Medien"

Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung durch Kunst und Medien: Neue Zugänge zur sexuellen Bildung
hg. von Michaela Katzer und Heinz-Jürgen Voß
mit zahlreichen farbigen Abbildungen

Gießen: Psychosozial-Verlag
2019 / 382 Seiten / 44,90 Euro
Informationen beim Verlag:  https://www.psychosozial-verlag.de/2858 ,
Rezensionsexemplar bestellen: melanie.fehr-fichtner@psychosozial-verlag.de

Über Rückmeldungen freue ich mich!

Viele liebe Grüße
Heinz / Heinz-Jürgen Voß

sehr gern weise ich auf die Bundeskonferenz "Sexuelle Bildung und Flucht" hin, die am 26. und 27. September im Bundessprachenamt in Naumburg (Saale) stattfindet.

Themen wie Liebe und Partnerschaft, Sexualität, die eigene geschlechtliche Identität und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern gehören zum Menschsein elementar dazu. Trotzdem herrscht in sexualpädagogischen Fachkontexten oft Unsicherheit darüber, wie diese Themen auch mit geflüchteten Menschen behandelt werden können. Die Bundeskonferenz Sexuelle Bildung und Flucht wird deshalb in Vorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen und Filmvorträgen Wege zu einer gelingenden Sexuellen Bildung im Kontext Flucht aufzeigen.

Die Konferenz bündelt herausragende Expertise aus Theorie und Praxis: Die Hochschule Merseburg ist mit den deutschlandweit einzigartigen Studiengängen in Angewandter Sexualwissenschaft und Sexologie führend auf dem Gebiet der Sexuellen Bildung. Der Burgenlandkreis wiederum hat als bisher einziger Landkreis in Deutschland ein umfassendes Konzept zur Sexuellen Bildung im Kontext Flucht erarbeitet und umgesetzt und konnte dabei viele Erfahrungen in der Arbeit mit Fachkräften, Einrichtungen und Geflüchteten zum Thema Sexualität sammeln.

Weitere Informationen und Anmeldung: www.hs-merseburg.de/bundeskonferenz .

Wir freuen uns auf Ihre und eure Teilnahme! Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Seit 1994 ist der §175, der sich gegen mann-männliche Sexualität richtete, abgeschafft. Seitdem zielt die gesellschaftliche Entwicklung darauf, dass Lesben und Schwule und zunehmend auch Trans* und Inter* nicht mehr diskriminiert werden, sondern in ihrer sexuellen und/bzw. geschlechtlichen Selbstbestimmung ernstgenommen werden sollen. Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung kommt letztlich allen Menschen zu Gute.

Für die pädagogische Arbeit ergeben sich damit bedeutende Änderungen. So kann und darf es in Einrichtungen nicht mehr vorkommen, dass z.B. Homosexualität als Krankehti vorgestellt wird - wie es noch bis in die 1990er Jahre der Fall war. Vielmehr gilt es Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen, so dass sie es nicht - oder weniger - als Problem erleben, wenn sie feststellen, nicht in die heterosexuelle, nicht in die "typisch männliche" oder "typisch weibliche" Norm zu passen. Gleichzeitig wird durch eine Toleranz und Akzeptanz fördernde Pädagogik Diskriminierung abgebaut - das Kinder diskriminierungsfrei miteinander umgehen, beginnt im Kindergarten und setzt sich in dem wichtigen Lernort Schule fort. Das Erleben in Familie und der näheren Umgebung ist ein weiteres wichtiges Lernfeld.

Auf den Einrichtungsalltag zielen Materialien, Bücher und Bücherkisten, die auf ministerielle Anforderung von Fachberatungsstellen zusammengestellt werden. Aktuell wurden zwei sehr gute und ertragreiche Bücherkisten vorgestellt: "Geschlechter- und Familienvielfalt", "Geschlecht, Sexualität und geschlechtliche und sexuelle Vielfaltin Krippe, Kindergarten und Hort". Die Broschüren geben sehr gute Anregungen und bilden eine wichtige Grundlage für eine diskriminierungsfreie und demokratiefördernde Pädagogik.

Auch wenn die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die Aussagen von Professorin em. Karla Etschenberg gleich durch den Beitragstitel "Das wäre ein Beitrag zur Sexualisierung von Kindern" in die eigene politische Stoßrichtung eindeutig einzutüten sucht, ist das Interview von Etschenberg vielschichtig. Deutlich spricht sie sich in einem Interview zum neuen Rahmenlehrplan zur Sexualerziehung in Hessen für eine Sexualerziehung aus, in der auch die Toleranz gegenüber Lesben, Schwulen, Trans* und Inter* eine wichtige Rolle spielt. Diese Bezüge habe es auch in dem zuvor existierenden Rahmenlehrplan bereits gegeben. Etschenberg stört sich beim neuen Rahmenlehrplan aber daran, dass die klar identitätsbezogene Formulierung "LSBTI" zu plakativ daherkomme und etwa die Bedürfnisse von asexuellen und heterosexuellen Jugendlichen sich darin nicht finden. Das ist ein bedenkenswerter Aspekt, da es in der Sexualerziehung (neuer: Sexuelle Bildung) eigentlich darum gehen sollte, dass Kinder und Jugendliche für ein positives Verständnis und Erleben der eigenen Sexualität befähigt werden sollen, anstatt sich klar in die Schablonen "homosexuell" oder "heterosexuell" einfügen zu müssen. Achtsamkeit muss hier gerade Raum dafür lassen, dass sich Kinder und Jugendliche nicht klar einpassen wollen. Gleichzeitig ist es wichtig - und auch das macht Etschenberg deutlich -, dass Kinder und Jugendliche zu Akzeptanz gegenüber lesbischen und schwulen Beziehungen befähigt werden sollen. Etwaige Forderungen von einem Elternverband nach einer dogmatischen christlichen Sexualmoral in Schulen weist sie zurück und fordert:

"Toleranz hat aber etwas mit Duldung zu tun und klingt gönnerhaft. Das ist betroffenen Menschen in einer aufgeklärten demokratischen Gesellschaft nicht zuzumuten und sollte nicht Grundlage von Sozial- und Sexualerziehung an staatlichen Schulen sein. Die christlich-katholische Sichtweise kann im Elternhaus und im Religionsunterricht thematisiert und begründet werden."

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Gern weise ich auf einige der sexualwissenschaftlichen und queer-feministischen Bücher und Buchvorstellungen bei der Leipziger Buchmesse hin:

*16. März 2016, Frauenkultur Leipzig, Goodbye Gender:*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[Zwei Neuerscheinungen aus "w_orten & meer": ANOUCHK IBACKA VALIENTE "Vertrauen, Kraft & Widerstand. Kurze Texte und Reden von Audre Lorde"; STEFF URGAST "Goodbye Gender"]

*17. März 2016, Frauenkultur Leipzig, "Wir sind unsichtbar – lesbischer Jugendroman":*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[MAIKE STEIN "Wir sind unsichtbar - lesbischer Jugendroman"; im Anschluss: CHRISTINA SEIDEL "Mütter ohne Wert - Scheidung in der DDR. Frauen berichten"

*17. März 2016, Frauenkultur Leipzig, sexualwissenschaftliche Neuerscheinungen:*
http://www.kulturfabrik-leipzig.de/frauenkultur/2016-03-17_lesungen_gespraech_
[Bücher: LENA LACHE "Sexualität und Autismus"; JULIA SPARMANN "Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen"; CONRAD KRANNICH "Intersexualität aus theologischer Perspektive"; MICHAELA KATZER/HEINZ-JÜRGEN VOSS "Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung"]

*18. März 2016, Frauenkultur Leipzig, Die Lesbische* Büchernacht + QUEER-PARTY:*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[Spannende, historische, berührende und humorvolle Geschichten von Leidenschaft, Liebe, Leben und Erotik... Es lesen: REGINA NÖSSLER "Endlich daheim"; ANTJE SCHRUPP & PATU "Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext"; LOVIS CASSARIS "Ein letztes Mal wir"; CHIRA BRECHT "Endlich angekommen"]

*20. März 2016, Messe, "Liebesleben Leseperformance":*
http://www.leipziger-buchmesse.de/ll/veranstaltungen/15890
[Zarte, harte, heitere, brüllendkomische & romantische Shortstories, Glossen und Romanfragmente]

*20. März 2016, Rosalinde Leipzig, Tradition, Repräsentation und Produktion – Möglichkeiten feministischer Schreibweisen:*
http://www.rosalinde-leipzig.de/index.php?id=27
[Workshop mit Bettina Wilpert]

*Außerdem empfehlenswerte Neuerscheinungen, u.a.:*
- "Sexualpädagogik kontrovers", https://www.beltz.de/fachmedien/erziehungs_und_sozialwissenschaften/buecher/produkt_produktdetails/28929-sexualpaedagogik_kontrovers.html
- die Neuerscheinungen im neuen "w_orten & meer verlag", http://wortenundmeer.net/buecher/fruehjahr-2016/
- die Neuerscheinungen und Veranstaltungen des Orlanda Verlag, https://www.orlanda-verlag.de/
- und die Neuerscheinungen im Konkursbuch-Verlag, http://www.konkursbuch.com/html/net%202016/ansicht%20150dpi%20doppelseitig%20F%202016.pdf

Unbedingt empfehlenswert: "Stop Trans*-Pathologisierung". Seit 2007 hat sich durch die internationale Kampagne "STP-2012" der Kampf gegen die Pathologisierung, die institutionelle und alltägliche Gewalt gegen Trans*-Personen intensiviert. Dabei konnten von den streitenden Trans*-Menschen einige Erfolge erzielt werden - unter anderem gerade in Bezug internationale Vernetzung, kommunalen Aktivismus und intersektionale Weiterentwicklung der Forderungen.

Der vorliegende Band bereitet die neueren Entwicklungen auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Theoriebildung und des politischen Aktivismus auf. Die Autor_innen heben dabei deutlich heraus, wie gerade die Institution Medizin an der Gewalt und Unterdrückung von Trans*-Personen Anteil hat, dadurch dass sie Trans*-Menschen als "krank" stigmatisiert. Die Medizin ist dabei in aktuelle normalisierende gesellschaftliche Entwicklungen eingebunden. D. Demiel schreibt dazu im Band:

"Die heutige Neubelebung stigmatisierender Zuschreibungen gegen Trans* genauso wie insbesondere gegen die so genannten Verlierer_innen der Konkurrenz- bzw. Leistungsgesellschaft darf nicht weiter zugelassen, der Rechtsruck der Gesellschaft nicht weiter stillschweigend in Kauf genommen, Vorurteile dürfen nicht weiter reproduziert bzw. Ängste nicht mehr geschürt werden. Es gilt, die Ursachen und Verursacher_innen für komplexe soziale Probleme klar zu benennen und vereinfachende Lösungsansätze [...] abzulehnen. Rassismus und Ausgrenzung sind Standbeine einer Wirtschaftslogik, die Menschen auf ihren bloßen 'Nutzen' (Mehrwert) bzw. ihre 'Verwertbarkeit' reduziert, sie erpressbar und manipulierbar macht sowie sie entsolidarisieren soll." (S.21)

Insgesamt bietet der Band einen wichtigen fundierten Überblick und macht klar, dass Streiten, das erfolgreich sein soll, 1) international vernetzt, 2) kommunal verankert und 3) intersektional - also mit Blick auf die Verschränkung von Rassismus, Sexismus und Klassismus - erfolgt.

Anne Allex (Hg.)
Stop Trans*-Pathologisierung

Berliner Beiträge für eine internationale Kampagne
ISBN 978-3-940865-36-6 I 2012 I 9,50 EUR
Verlagsinformationen

"Das Wissen über die Medizin in der DDR ist insgesamt gering, wurde sie mit der DDR in den Wendewirren doch schnell abgewickelt und erschien es DDR-Bürgern/-innen mit dem Zusammenschluss mit der BRD oftmals nicht mehr attraktiv, sich mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen. Hinzu kam eine Entleerung gerade ostdeutscher Bibliotheken von DDR-Literatur, so dass man heute – paradoxerweise – oftmals wissenschaftliche DDR-Literatur aus den Beständen westdeutscher Bibliotheken beziehen muss und sie nicht mehr in den ostdeutschen Bibliotheken findet.

Gerade in Bezug auf Ethik, die darauf angewiesen ist, aus Bekanntem zu lernen und entsprechend der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung jeweils zeitgenössisch passende ethische Perspektiven vorzuschlagen, wäre es fatal, nicht auch die Erfahrungen aus der Ethik in den sozialistischen Ländern, die DDR eingeschlossen, aufzunehmen. Mittlerweile sind auch zwanzig Jahre vergangen, so dass ein nüchternerer Blick auf die Vergangenheit möglich sein sollte, als es in den ersten Jahren nach Ende der DDR der Fall war. Zu schwer wogen zunächst noch Verwundungen; ein Kennenlernprozess musste von beiden Seiten aus in Gang kommen.

Eine solche erste Bestandsaufnahme zur medizinischen Ethik bietet nun der von Hartmut Bettin und Mariacarla Gadebusch Bondino herausgegebene Sammelband „Medizinische Ethik in der DDR – Erfahrungswert oder Altlast?“. Er geht auf eine Tagung zurück, die im November 2009 in Greifswald stattfand und zu der Referent/-innen eingeladen waren, die in der DDR zu Medizinethik aktiv waren und solche, die in der ehemaligen BRD diesbezüglich wichtige Positionen bekleideten und mit DDR-Kolleg/-innen in Kontakt standen." weiter bei Literaturkritik.de.

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