Trans*, Inter*, lesbisch, schwul – was haben die Parteien in der letzten Legislatur gemacht

Schön, dass sich Menschen Zeit für genaue Analysen nehmen. Verqueert.de hat das als Wahlanalyse in Bezug auf trans*, inter*, queere, lesbische und schwule Themen gemacht und einen lesenswerten Überblicksbeitrag verfasst. Auf diesen weise ich hiermit gern hin:

Die große Leere – Parteiencheck zur Bundestagswahl Teil 1: Was ist in der vergangenen Legislatur passiert?Hier gehts zum Beitrag.

Einen Folgebeitrag zu den jetzt nach und nach formulierten und erscheinenden Wahlprogrammen für die kommende Bundestagswahl kündigt verqueert.de bereits an.

Gegen Trans*misogynie – Buchempfehlung “Support your sisters not your cisters: Über Diskriminierung von Trans*Weiblichkeiten”

FaulenzA ist vielen von ihren Alben bekannt. Zuletzt erschienen ist ihr Album „Einhornrap“, von dem einige Songtexte auch in das Buch „Support your sisters not your cisters: Über Diskriminierung von Trans*Weiblichkeiten“ eingegangen sind.

Wie in den Songs auch, stößt FaulenzA in dem bei edition assemblage erschienenen Buch Interessierte nicht zurück, sondern nimmt die ernsthaft Interessierten “an die Hand” und erläutert geduldig, was es mit Feindlichkeit gegenüber Trans*Weiblichkeiten auf sich hat. Dabei wendet sie sich in erster Linie an mögliche cis-weibliche, cis-männliche und trans*-männliche Unterstützer_innen von Trans*Frauen und stellt die spezifische Situation von Trans*Weiblichkeiten vor, die sich jeweils auch individuell unterscheidet. FaulenzA fokussiert bei den betrachtungen einerseits auf die gesellschaftliche Situation, mit zweigeschlechtlich-sexistischer Sozialisation etc., andererseits auf spezifische Diskriminierungen, wie sie in emanzipatorischen linken (oft cis-männlich dominierten) und queer-feministischen Kontexten vorkommen:

Trans*misogynie – das ist die Gewalt, die ich erlebe, seit ich denken kann. Ich bin mit ihr aufgewachsen, sie hat mich geprägt und geformt. Sie hat mich tief verwundet und klein gemacht. Immer wieder, jeden Tag, in unterschiedlichsten Formen. Mal durch offene aggressive körperliche, mal durch unterschwellige Gewalt. Ausgeschlossen werden, verlacht und respektlos behandelt werden gehört dazu. (S. 13)

Ausführlich erläutert sie, dass in Bezug auf FLT*I-Räume oft gerade diskutiert wird, ob Trans*-Weiblichkeiten zu diesen Räumen Zugang haben sollten. Trans*-Frauen wird dabei eine männliche Sozialisation unterstellt – FaulenzA fordert ein, dass die spezifische weibliche Sozialisation von Trans*Frauen hier anerkannt werden muss. Durch die elterliche Anforderung, männlich sein zu sollen, wobei das Kind für Fehlverhalten sanktioniert wird, erleben Trans*Weiblichkeiten massive Diskriminierung und Gewalt bereits in ihrer frühen Sozialisation. FaulenzA fordert, dass auch emanzipatorische Räume das zur Kenntnis nehmen und nicht durch den Ausschluss von Trans*Weiblichkeiten neue Diskriminierungserfahrungen dem bisher Erlebten hinzufügen sollten.

Diskriminierungen und Gewalt geht FaulenzA im Buch ausführlich nach: in Bezug auf Sozialisation, in Bezug auf Passing zur sexistisch-zweigeschlechtlichen Norm, in Bezug auf Arbeitsleben und Schutzräume. Dabei ist der Schreibstil wohltuend erläuternd und freundlich; das Buch ist insgesamt sehr achtsam formuliert und ermöglicht es damit auch Personen, die nicht von der Diskriminierung von Trans*-Weiblichkeiten betroffen sind, die erlebten Diskriminierungen und Gewalt ein Stück weit nachzuvollziehen – und die eigene Rolle zu reflektieren. Wo werden etwa stets spezifische Körperlichkeiten vorausgesetzt – gerade im Hinblick auf Genitalien und physiologische Prozesse wie Menstruation und Ejakulation? Wo werden bestimmte Verhaltensweisen unterschiedlich gewertet, nur weil sie von einem Cis-Mann, einer Cis-Frau, einem Trans*-Mann oder einer Trans*-Frau kommen? An die Beschreibungen anknüpfend können Klischees und Vorurteile reflektiert – und bearbeitet werden. Das Schlusskapitel macht hierfür konkrete Vorschläge für Unterstützer*innen – Empowerment von Trans*-Weiblichkeiten möchte FaulenzA hingegen an anderer Stelle leisten (bzw. leistet sie bereits an anderer Stelle).

Wohltuend an dem Band ist auch, dass FaulenzA Diskriminierungen und Gewalt entlang unterschiedlicher Herrschaftsverhältnisse reflektiert. So positioniert sie sich selbst als weiße Person, die die Möglichkeit zum Studium der Sozialen Arbeit hatte und weist immer wieder auf Diskriminierung und Gewalt hin, die mit Rassismus und Klassenverhältnissen verbunden sind:

Ich finde es super wichtig, sich die eigenen Privilegien klar zu machen und einen achtsamen Umgang damit zu finden! Dazu gehört auch, sich mit eigenem Diskriminierungsverhalten auseinanderzusetzen. Zum Beispiel, dass ich über meine Privilegien als Weiße, über weiße Dominanz und verinnerlichten Rassismus reflektiere. (S. 116)

Für den verschränkten Blick und für die deutliche Thematisierung von Trans*misogynie ist das Buch sehr lesenswert. Die Songtexte aus „Einhornrap“ und die von Yori Gagarim stammenden Illustrationen machen das Buch kurzweilig – und sprechen die_den Lesende_n auf vielfältige Weise an und ermöglichen so facettenreich Räume zum Nachdenken und zur produktiven Selbstreflexion.

Buch: FaulenzA: Support your sisters not your cisters – Über Diskriminierung von trans*Weiblichkeiten. Mit Illustrationen von Yori Gagarim. edition assemblage 2017. Informationen zum Buch.

Kinderbücher für die pädagogische Arbeit zu sexueller und geschlechtlicher Selbstbestimmung

Seit 1994 ist der §175, der sich gegen mann-männliche Sexualität richtete, abgeschafft. Seitdem zielt die gesellschaftliche Entwicklung darauf, dass Lesben und Schwule und zunehmend auch Trans* und Inter* nicht mehr diskriminiert werden, sondern in ihrer sexuellen und/bzw. geschlechtlichen Selbstbestimmung ernstgenommen werden sollen. Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung kommt letztlich allen Menschen zu Gute.

Für die pädagogische Arbeit ergeben sich damit bedeutende Änderungen. So kann und darf es in Einrichtungen nicht mehr vorkommen, dass z.B. Homosexualität als Krankehti vorgestellt wird – wie es noch bis in die 1990er Jahre der Fall war. Vielmehr gilt es Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen, so dass sie es nicht – oder weniger – als Problem erleben, wenn sie feststellen, nicht in die heterosexuelle, nicht in die “typisch männliche” oder “typisch weibliche” Norm zu passen. Gleichzeitig wird durch eine Toleranz und Akzeptanz fördernde Pädagogik Diskriminierung abgebaut – das Kinder diskriminierungsfrei miteinander umgehen, beginnt im Kindergarten und setzt sich in dem wichtigen Lernort Schule fort. Das Erleben in Familie und der näheren Umgebung ist ein weiteres wichtiges Lernfeld.

Auf den Einrichtungsalltag zielen Materialien, Bücher und Bücherkisten, die auf ministerielle Anforderung von Fachberatungsstellen zusammengestellt werden. Aktuell wurden zwei sehr gute und ertragreiche Bücherkisten vorgestellt – die im Folgenden verlinkt sind: “Geschlechter- und Familienvielfalt”, “Geschlecht, Sexualität und geschlechtliche und sexuelle Vielfaltin Krippe, Kindergarten und Hort”. Die Broschüren geben sehr gute Anregungen und bilden eine wichtige Grundlage für eine diskriminierungsfreie und demokratiefördernde Pädagogik.

NEUes Buch: Geschlechtliche Vielfalt (er)leben – Trans*- und Intergeschlechtlichkeit in Kindheit, Adoleszenz und jungem Erwachsenenalter

cover_geschlechtliche_vielfalt_erleben_In der Reihe “Angewandte Sexualwissenschaft” des Psychosozial-Verlags ist gerade das lesenswerte Buch “Geschlechtliche Vielfalt (er)leben: Trans*- und Intergeschlechtlichkeit in Kindheit, Adoleszenz und jungem Erwachsenenalter” neu erschienen. Es wendet sich Inter* und Trans* gerade vor dem Hintergrund aktuell stattfindender rechter Angriffe vor; im Band wird u.a. vorgeschlagen, interdisziplinär und intersektional Lösungsansätze zu entwickeln. Eingeleitet wird das Buch mit einem Grußwort der sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping.

Geschlechtliche Vielfalt (er)leben:
Trans*- und Intergeschlechtlichkeit in Kindheit, Adoleszenz und jungem Erwachsenenalter
von Alexander Naß, Silvia Rentzsch, Johanna Rödenbeck, Monika Deinbeck (Hg.)

Psychosozial-Verlag, Gießen
2016, 149 Seiten, 19,90 Euro
ISBN: 978-3-8379-2597-5

Verlagsinformationen

Rezensionen zum Buch “Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung”, hg. von Michaela Katzer und Heinz-Jürgen Voß

[aktualisiert: 11.04.2017]

Im Folgenden findet sich eine Übersicht über erschienene Rezensionen zum Band “Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung”, der 2016 in der Buchreihe “Angewandte Sexualwissenschaft” im Psychosozial-Verlag erschienen ist (Verlagsinformationen).

Doch hier zu Beginn ein Audio-Interview zum Buch bei Radio Corax (Halle), geführt von Elke Prinz mit Heinz-Jürgen Voß. Hier zum Anhören.

Sascha Salamander schreibt auf ihrem_seinem Blog ausführlich in zwei Beiträgen über das Buch und folgert: “Abschließend ist zu sagen: den Herausgebern ist es gelungen, Autoren zu gewinnen, die nicht nur eine trockene Analyse schreiben, sondern die mit Eifer für eine Sache schreiben und dieses Feuer auf den Leser übertragen. Trotzdem es ein sehr detailliertes Fachbuch mit wissenschaftlichem Hintergrund ist, spürt man beim Lesen klar, dass einzelne Autoren für ihr Thema brennen und es ihnen ein Anliegen ist, dies zu teilen. Ich lege das Buch allen ans Herz, die sich als Aktivisten mit den Themen auseinandersetzen wollen oder die beruflich mit den hier genannten Personengruppen befassen und für sie einsetzen. Das Buch vertieft wissen, eröffnet neue Sichtweisen und bietet einen differenzierten Einblick.” zur Rezensionzur Fortsetzung

Dr. Anja Gregor von der Universität Jena schreibt auf socialnet.de: “Michaela Katzer und Heinz-Jürgen Voß legen mit dem hier vorgestellten Sammelband eine gelungene Auswahl von Perspektiven vor, die einen Bereich beleuchten, dem sich Wissenschaft ebenso wie Praxis bislang nur vereinzelt widmen: Verhandlungen von geschlechtlicher, sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung. Sie liefern damit einen wichtigen Beitrag, um eine breitere Diskussion der Themen Asexualität, Inter*geschlechtlichkeit oder Sexualität im Gefängnis ebenso wie der Kritik an Trans*Pathologisierung und diversen Reproduktionstechniken und -normen zu ermöglichen.” zur Rezension

Daniel Horneber schreibt im Forum für Behindertenpolitik auf  Marxistisch-Leninistischer Grundlage: “Als ich dann das Buch in Händen hielt und feststellte, dass die verschiedenen Themen Transsexualität, Intersexualität, Asexualität, Sexualität im Gefängnis, Sexualität im Kontext von Behinderung sowie außerhalb hetrosexueller Paarbeziehungen den verschieden Kategorien sexueller, geschlechtlicher und reproduktiver Selbstbestimmung zugeordnet worden waren, war ich irritiert. […] Sexualität im Kontext mit Behinderung nur unter dem Thema sexuelle Reproduktion abzuhandeln greift viel zu kurz! Partnerschaft, Verhandlung über den und die Wahrnehmung des eigenen Körper, Lust beim Sex, und Strategien (Sexualassistenz oder Sexualbegleitung) zur Befriedigung der Sexualität wären Themen gewesen, welche die Zuordnung zum Abschnitt reproduktive Selbstbestimmung nicht mehr ausreichen hätten lassen, welche aber notwendig sind um dem Thema gerecht zu werden. […] Ich habe im Großen und Ganzen den Eindruck, dass das Weglassen der großen Abschnitte dem Buch gut getan hätte. Ich empfehle dieses Buch trotz der Unzulänglichkeiten, die es aus meiner Sicht hat, allen Pädagog_innen und Mitarbeiter_innen in der Jugendhilfe an Schulen und all jenen welche Lehrer_innen oder Erzieher_innen ausbilden.” zur Rezension

Die Soziologin Kirsten Achtelik wendet sich in ihrer Besprechung im Genethischen Informationsdienst der Schwerpunktsetzung des Bandes zu . Die Fokussierung auf Intergeschlechtlichkeit, Trans*, auf Asexualität und auf Sexualität im Kontext von Gefängnis “sind mehr als ungewöhnlich”. Sie fragt: “Sind das die Hauptprobleme, die es auf dem Feld der sexuellen Selbstbestimmung gibt?” (Genethischer Informationsdienst, Juni 2016)

Auf umstandslos hat die Soziolog*in und Feminist*in Daniela Jauk den Band besprochen und kommt zur folgenden Gesamteinschätzung: “Die 18 Autor_innen bilden eine anregende und spannende Mischung aus Aktivist_innen, Wissenschafter_innen, Praktiker_innen aus Medizin, Soziologie, Pädagogik, Psychologie und Sozialarbeit, freien Autor_innen – manchmal in ihren ko-existierenden Rollen. Der aktivistische und emazipatorische Zugang, der sich durch das Buch zieht, macht es zu einem richtig positiven Leseerlebnis – auch wenn die meisten Beiträge sehr klar Begrenzungen der Selbstbestimmung, Ausgrenzungsprozesse und Diskriminierung im Blick haben und an sich traurig stimmen. Es ist angenehmerweise jedenfalls ein Buch bei dem man sich alles andere als mühsam durch die Seiten kaut, die meisten Beiträge erschließen sich den Leser_innen in leicht verständlicher Sprache und geschmeidigen Strukturierungen und machen dadurch Lust weiter zu lesen.” Zur Rezension

Theodor Itten empfiehlt das Buch in der Zeitschrift “Psychotherapie Wissenschaft” und schreibt im Fazit: “[D]ieses aktuelle Zeitzeugnis im Spannungsfeld von leiblichem Bedürfnis und theoretischem Aufsperren von Menschenwürde, ohne Denkschablonen, dieser achtzehn engagierten SozialwissenschaftlerInnen ist ohne Wenn und Aber zu empfehlen.” (Psychotherapie Wissenschaft, Jg. 6, Heft 2 (2016))

In der Zeitschrift “Soziale Arbeit” wurde der Band vorgestellt und empfohlen. Dort heißt es unter anderem: “Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Heterogenisierung von Genderzuordnungen beschäftigt sich dieser Sammelband mit dem Thema der Selbstbestimmung in den Bereichen der Geschlechtlichkeit, der Fortpflanzung und der Sexualität. Die Einzelbeiträge beleuchten die Pathologisierung der Transsexualität, die Beratung transidenter Menschen, medizinische Aspekte sowie psychoanalytische, pädagogische und sozialarbeiterische Perspektiven […der] Intergeschlechtlichkeit. In den Blick genommen werden ferner die Orientierung der Asexualität und die Sexualität im Kontext einer Inhaftierung.” Soziale Arbeit, Heft. 6/7 (2016), S. 281.

Die Juristin Dr. Anja Schmidt besprach den Band in der Zeitschrift Kritische Justiz. Vierteljahresschrift für Recht und Politik (Heft 1, 2017) und folgert: “Der Band greift viele Aspekte geschlechtlicher, sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung auf, auch wenn er angesichts der umfassenden Überschrift teils mosaikartig wirkt. Er vermittelt Jurist*Innen wichtige Informationen und Impulse für eine sprachlich angemessene, kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit dem Recht unter Einbeziehung der Praxis und ausgehend von den Perspektiven »Betroffener«” Zeitschrift Kritische Justiz. Vierteljahresschrift für Recht und Politik (Heft 1, 2017)

NEUes Buch, Katzer/Voß: “Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung: Praxisorientierte Zugänge”

PSY-Katzer-2546-v03.indd“Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung” (Gießen 2016: Psychosozial-Verlag) ist ein innovativer und praxisorientierter Sammelband. Themen in den drei im Titel benannten Schwerpunkten sind: Trans* // Intergeschlechtlichkeit // Asexualität // ‘Sexualität und Gefängnis’ // Recht auf Abtreibung // Behinderung und reproduktive Selbstbestimmung // geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Weitere Informationen zum Band unten und hier: http://www.psychosozial-verlag.de/catalog/product_info.php/cPath/1000/products_id/2546 .

Über dein und Ihr Interesse würden wir uns freuen – auch über Rezensionen. Ein Rezensionsexemplar kann bei mir ( voss_heinz@yahoo.de , wird ab 10. März verschickt) oder direkt beim Verlag angefordert werden ( Melanie Fehr, melanie.fehr@psychosozial-verlag.de ). Auch über weitere Rückmeldungen freuen wir uns!

Liebe und herzliche Grüße
Heinz-Jürgen Voß

Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung: Praxisorientierte Zugänge
Michaela Katzer, Heinz-Jürgen Voß (Hg.)

Buchreihe: Angewandte Sexualwissenschaft
Verlag: Psychosozial-Verlag
2016 / 358 Seiten, 36,90 Euro
ISBN-13: 978-3-8379-2546-3
Informationen: http://www.psychosozial-verlag.de/catalog/product_info.php/cPath/1000/products_id/2546
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: http://www.psychosozial-verlag.de/pdfs/leseprobe/9783837925463.pdf

Klappentext:
Selbstbestimmung geht über die Überwindung bzw. Abwesenheit von äußerem Zwang hinaus. Sie erfordert positives Bewusstsein über Möglichkeiten eigenen Handelns mit einem Spektrum von Anpassung bis Ausbruch. Geschlechtliche Selbstbestimmung schließt Abweichung, Veränderung und Deutungshoheit über körperliche Geschlechtsmerkmale ein.

Im vorliegenden Buch wird »Selbstbestimmung« im sexualwissenschaftlichen Diskurs aus akademischer und aktivistischer Perspektive betrachtet. Die Beiträge beleuchten Aspekte von Inter- und Transsexualität, Asexualität, Sexualität unter Haftbedingungen, im Kontext von Behinderung sowie außerhalb heterosexueller Paarbeziehungen. In ihrer Vielfalt sind die Beiträge Zeitzeugnis, geben zugleich einen Ausblick auf die Zukunft und tragen dazu bei, gängige Denkschablonen zu überwinden.

Mit Beiträgen von Anne Allex, Markus Bauer, Heike Bödeker, Jens Borchert, Diana Demiel, Andreas Hechler, Michaela Katzer, Torsten Klemm, Katja Krolzik-Matthei, Anja Kruber, Alina Mertens, Andrzej Profus, Nadine Schlag, Heino Stöver, Manuela Tillmanns, Daniela Truffer, Heinz-Jürgen Voß und Marlen Weller-Menzel

2015: CSD Berlin endlich wieder mit guten und weitreichenden politischen Forderungen!

Ich bin sehr überrascht. Das erste Mal seit vielen Jahren stellt der Berliner CSD gute und weitreichende Forderungen auf. Sie sind hier nachlesbar: http://csd-berlin.de/csd-forderungen-2015/ . Und hier auch gleich direkt angeführt:

Dies sind die Forderungen für den Berliner Christopher Street Day 2015, die große Demonstration für LSBTI*-Menschenrechte. LSBTI* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle/Transgender/Transidente, Intersexuelle; das Sternchen [*] steht für Menschen, die sich durch ähnliche Aspekte von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden, die vorgenannten Kategorien jedoch ablehnen.


1. Ehe und Familie: Wir wollen keine Sonderrechte, sondern gleiche Rechte!

Vor 14 Jahren wurde die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland eingeführt. Viele Rechte wurden lesbischen und schwulen Paaren dabei vorenthalten und müssen zum Teil noch immer gerichtlich erstritten werden. Lesben und Schwule stehen jedoch genau wie Heterosexuelle in ihren Beziehungen füreinander ein; homosexuelle und transidente Eltern sorgen sehr gut für ihre Kinder. Die Politik der kleinen Schritte ist vorbei – alles andere als Gleichstellung ist und bleibt Diskriminierung!

  • Für homosexuelle Bürgerinnen und Bürger darf real wie symbolisch kein minderes Recht gelten: Wir fordern die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule!
  • In Berlin und überall in Deutschland wachsen immer mehr Kinder in Regenbogenfamilien auf: Wir fordern die gleichberechtigte Teilhabe dieser Familien in allen Lebensbereichen!
  • Gleiche Rechte bei der Familienplanung: Schluss mit der Diskriminierung beim Zugang zur Reproduktionsmedizin!
  • Gleiche Rechte bei der Elternschaft: Schluss mit der Diskriminierung bei der gemeinschaftlichen Adoption.
  • Automatische Anerkennung der Elternschaft des nicht gebärenden Elternteils in eingetragenen Lebenspartnerschaften.
  • Rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien mit mehr als zwei Elternteilen.


2. Für eine Positive Welt ohne Diskriminierung und Ausgrenzung!

Krankheiten dürfen weder in der Allgemeinbevölkerung noch innerhalb der Community zu Ausgrenzung und Diskriminierung führen. Das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe im kulturellen und sozialen Leben muss individuell leistbar sein können und ist nicht verhandelbar. Chronische Erkrankungen dürfen nicht zu Armut führen.

  • Wir fordern die sofortige Löschung des stigmatisierenden “ANST”-Kennzeichens für “ansteckend” von HIV-Positiven sowie des “GKR”-Kennzeichens für “geisteskrank” aus polizeilichen Datenbanken.
  • Wir fordern Gleichberechtigung und Akzeptanz von HIV-Positiven, Hepatitiden-Positiven sowie weiterer chronisch erkrankter Menschen in der Gesellschaft, insbesondere am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen; dazu fordern wir eine verstärkte Aufklärungs- und Antidiskriminierungsarbeit gegen Stigmatisierungen.
  • Wir fordern die anonyme Chipkarte und Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle!
  • Wir fordern eine menschenwürdige Grundabsicherung jenseits der Armutsgrenze und einen an die individuelle Leistungsfähigkeit angepassten Arbeitsmarkt mit entsprechenden Hinzuverdienstmöglichkeiten.
  • Angemessener Wohnraum im Herzen der Stadt für Menschen mit Behinderungen und chronisch Kranke muss bezahlbar bleiben: Kein Zwangsumzug aus dem sozialen Umfeld!
  • Wir fordern, dass die unangemessene Praxis, in Bewerbungsverfahren oder auch während des laufenden Arbeitsverhältnisses einen HIV-Test zu verlangen oder auch nur anzubieten, rechtlich unterbunden wird.


3. Akzeptanz bilden!

Nur durch die Förderung und ausreichende Finanzierung von Bildung sowie Aufklärung kann Akzeptanz gegenüber anderen Lebensentwürfen schon ab der Schule entstehen. Die umfassende Information aller Menschen unserer Gesellschaft ist zwingend notwendig, um einen Rollback zu verhindern und den Bestrebungen fundamentalistischer Kräfte entgegenzuwirken, andere Lebensentwürfe in Frage zu stellen. Wir fordern:

  • Schulen und andere Bildungseinrichtungen müssen diskriminierungs- und gewaltfreie Orte des Lernens sein!
  • Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sind Querschnittsthemen und müssen verbindlich in den Rahmenlehrplänen der Schulen verankert sein!
  • Die “Initiative sexuelle Vielfalt” (ISV) muss ausgebaut, fortgeführt und für die Zukunft gesichert werden.


4. Vielfalt sichtbar machen, Vielfalt wertschätzen – auch innerhalb der Community!

Sowohl in der Gesamtgesellschaft als auch in den LSBTI*-Communitys finden Diskriminierung und Ausgrenzung statt. Wir alle gehören vielen unterschiedlichen Gruppen gleichzeitig an und können gleichzeitig – auch mehrfach – in einigen Bereichen diskriminiert werden und in anderen privilegiert sein. Homophobie, Rassismus, Sexismus, Trans-, Inter-, Bi- und Lesbenfeindlichkeit, Diskriminierungen aufgrund von Alter, Sero-Status, Behinderungen, Aussehen, sozialem Status oder aus anderen Gründen müssen gesamtgesellschaftlich wie subkulturell thematisiert und überwunden werden.

  • Die Vielfalt von Lebensentwürfen ist nicht nur eine kulturelle Bereicherung, sondern auch Ausdruck der Grundwerte einer dynamischen demokratischen Gesellschaft.
  • Auch innerhalb der Community ist Vielfalt ein Gewinn: Miteinander statt gegeneinander!
  • Die Interessen von Identitäten jenseits des weißen, schwulen, gender-konformen Mannes müssen in der politischen Arbeit stärker berücksichtigt werden.
  • In der medialen Darstellung von Homosexualität müssen lesbische und bisexuelle Frauen sowie LSBTI* of Color stärker in den Vordergrund rücken.
  • Wir müssen gemeinsam aktiv gewaltfreie und diskriminierungsarme Räume schaffen.
  • Trans*-Sein muss entpsychopathologisiert, das Transsexuellengesetz unter Einbeziehung von Trans*-Menschen überarbeitet werden.
  • Geschlechtsnormierende Operationen an Intersexuellen vor deren Einwilligungsfähigkeit sind gesetzlich zu verbieten.
     

5. Keine Altersdiskriminierung!

Unterschiedliche Altersgruppen in der LSBTI*-Community sehen sich unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt. Die gemeinsame Aufgabe ist, voneinander zu lernen, füreinander einzustehen und dem Vergessen der Geschichte entgegenzuwirken. Wir fordern darüber hinaus eine gesetzliche und politische Basis, auf der es sich den Anforderungen jüngerer und älterer LSBTI* entsprechend gut leben lässt.

  • Begegnungen zwischen Jung und Alt schaffen: Wir müssen den Austausch zwischen älteren und jungen LSBTI* verstärken, queere Medien und Publikationen für das Thema gewinnen und über Gewerkschaften und Parteien eine breite Öffentlichkeit finden.
  • Die nach § 175 des Strafgesetzbuchs Verurteilten sind zu rehabilitieren und zu entschädigen.
  • Jugendarbeitslosigkeit von LSBTI* bekämpfen: Wir fordern, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) publik zu machen und verstärkt einzusetzen sowie eine diskriminierungsfreie Öffnung des Arbeitsmarktes.
  • Altersarmut insbesondere von LSBTI* bekämpfen: Auskömmliche Rente für alle!


6. Refugees welcome!

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Flüchtlinge sind oft in einer besonders prekären Lage und brauchen unsere Unterstützung.

  • Es muss sicherer Wohnraum für lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Flüchtlinge geschaffen werden.
  • Die medizinische, psychologische und psychosoziale Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus ist dauerhaft sicherzustellen.
  • Für Anhörungen vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müssen kostenfreie Sprachmittler*innen zur Verfügung stehen, die in LSBTI*-Belangen geschult und sensibel sind.
  • Alle Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten (in Flüchtlings-Wohnheimen, Behörden usw.), müssen in LSBTI*-Belangen sensibilisiert und geschult sein.
  • Die Regelungen zu sogenannten “sicheren” Herkunftsländern müssen im Hinblick auf Sicherheit für LSBTI* und Frauen im Allgemeinen sowie im Hinblick auf eine notwendige medizinische Versorgung (z.B. von HIV-Positiven) überarbeitet werden.

 

Fachtag, 5. März 2015: Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität – (K)Eine Privatsache am Arbeitsplatz?!

Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität – (K)Eine Privatsache am Arbeitsplatz?! – Fachtag für Institutionen, soziale Dienste, Unternehmen und Interessierte

# Donnerstag, 5. März 2015, in Merseburg (b. Leipzig und Halle)
# Kooperationsveranstaltung von Hochschule Merseburg, Friedrich-Ebert-Stiftung und ver.di Jugend
# Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben.

Geschlechtliche_sexuelle_Vielfalt_ArbeitsplatzDiskriminierung abzubauen, ist ein erklärtes Ziel aktueller landesweiter und europäischer Politik. Programme, die sich darauf richten, Vielfalt anzuerkennen, werden unter dem Stichwort Diversity-Management zusammengefasst. Sie zielen einerseits darauf, die Lebensqualität von Menschen zu steigern. Andererseits liegt den Diversity-Management-Konzepten die Einsicht zu Grunde, dass Menschen, die nicht diskriminiert werden, im Arbeitsleben produktiver sind. Wenn das Betriebsklima stimmt, wenn Mobbing ausgeschlossen ist und Mitarbeitende so akzeptiert sind, wie sie sind, dann sind sie motivierter, leistungsfähiger und kreativer. Zufriedenheit der Mitarbeitenden ist mittlerweile ein wichtiger Standortfaktor, da zahlreiche Unternehmen und Kommunen bereits Diversity-Konzepte auf den Weg gebracht haben.
Vielfalt anerkennen zielt auf Fragen wie Alter, körperliche und geistige Befähigung, Geschlecht, ethnische und kulturelle Herkunft, Religion und Weltanschauung sowie sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität. Bei diesem Fachtag greifen wir die letzten beiden Faktoren heraus. Neben einigen anderen Kategorien sind Geschlecht und Sexualität zentral in der Identität von Menschen. Wenn ein Mitarbeiter offen schwul leben kann und nicht stets schweigend zuhört, wenn die Kolleginnen und Kollegen von Ausflügen mit ihren Familien berichten, wenn er sich nicht kleine Geschichten ausdenken muss, nur um nicht als schwul erkannt zu werden, dann kann er unbelasteter und befreiter tätig sein. Für Transgender und transsexuelle Menschen ist es wichtig, dass ihre geschlechtliche Identität anerkannt wird. Es sollte kein Tuscheln stattfinden, wenn Hans Meier eines Tages als Ulrike Meier auf Arbeit kommt. Vielmehr sollte es Interesse und Unterstützung provozieren.
Der Fachtag „Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität – (K)Eine Privatsache am Arbeitsplatz?!“ vermittelt Kompetenzen und bietet Raum für Austausch. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Ablauf: Continue reading “Fachtag, 5. März 2015: Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität – (K)Eine Privatsache am Arbeitsplatz?!” »

Queerfilm: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Domstadtkino Merseburg (b. Leipzig und Halle), ab Februar 2015

Queerfilm_Merseburg_01Lesbische, schwule, queere Filme kommen ins Domstadtkino! Dabei werden einerseits Filme gezeigt, die kaum noch in Kinos zu sehen sind, wie etwa „Stadt der verlorenen Seelen“ von Rosa von Praunheim. Gleichzeitig kommen aktuelle Filme hinzu. Es gibt jeweils einen Doppelpack, der regional und überregional interessant ist. Durchgeführt wird die Reihe in Kooperation von Domstadtkino, Hochschule Merseburg und Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt.

Start der Filmreihe ist am 26. Februar mit den Filmen „Faustrecht der Freiheit“ (1974, Regie: Rainer Werner Fassbinder) und „Pride“ (2014, Regie: Matthew Warchus). Continue reading “Queerfilm: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Domstadtkino Merseburg (b. Leipzig und Halle), ab Februar 2015” »