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Wem gehört der lesbische Aktivismus? Forderung nach Unterlassungserklärung gegen Buch junger lesbischer Aktivistin eingegangen

Lara Ledwa war bei ihrer historischen Aufarbeitung auch auf „problematische Tendenzen im LAZ wie Rassismus, Klassismus und Transfeindlichkeit gestoßen“ (S. 14/15) und hatte in ihrem insgesamt gegenüber dem LAZ dennoch sehr wertschätzenden Buch auch kritische Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Geschichte angeregt und eingefordert.
Cover des Buches "Mit schwulen Lesbengrüßen: Das lesbische Aktionszentrum Westberlin"

Es geht um das Buch Mit schwulen Lesbengrüßen: Das Lesbische Aktionszentrum Westberlin (LAZ) von Lara Ledwa (Informationen: https://www.psychosozial-verlag.de/2930 ). Auf dem Cover ist das Venussymbol in lesbischer Variante mit einer kämpferischen Faust zu sehen, der Kreis wird gesprengt. Außerdem wird als Untertitel, einer historischen Studie angemessen, der Schriftzug „Das Lesbische Aktionszentrum Westberlin (LAZ)“ verwendet.

Dagegen haben drei angebliche Gründerinnen des LAZ nun über eine Rechtsanwaltskanzlei die Forderung nach einer Unterlassungserklärung verschickt. Sie behaupten, sie seien die Urheber*innen des Logos, die Cover-Gestaltung verletze ihre Urheber*innenrechte, und sie fordern die Einstellung des Buchvertriebs und Schadenersatz.

Was aus ehemals kapitalismuskritischem Aktivismus alles werden kann! Das kämpferische Venussymbol in den verschiedenen Abwandlungen ist in der lesbischen Community und auch für Trans*-Inter*-Aktivismus mittlerweile weit verbreitet – und das kämpferische Venussymbol wurde schon verwendet, lange bevor sich das LAZ überhaupt gründete.

Der jetzt behauptete Rechtsanspruch, der nicht gerechtfertigt erscheint, bedroht lesbischen, feministischen und queer-feministischen Aktivismus. Und mit Kapitalismuskritik hat er gar nichts mehr zu tun. Vielmehr ist jetzt die Frage: Wem gehört der lesbische Aktivismus?

Die Auseinandersetzung hat insbesondere einen inhaltlichen Hintergrund: Einige der ehemaligen LAZ-Aktivistinnen hatten sich zuletzt deutlich von den historischen Forschungen Lara Ledwas distanziert, weil sie nicht alle Ausführungen für gerechtfertigt hielten. Denn Ledwa war bei ihrer historischen Aufarbeitung auch auf „problematische Tendenzen im LAZ wie Rassismus, Klassismus und Transfeindlichkeit gestoßen“ (S. 14/15) und hatte in ihrem insgesamt gegenüber dem LAZ dennoch sehr wertschätzenden Buch auch kritische Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Geschichte angeregt und eingefordert. Auf diesem Weg eine kritische Stimme unterdrücken zu wollen, hat mit lesbischem, feministischem und queerfeministischem Aktivismus ganz sicher nichts zu tun.

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