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sierck_budenzauber_inklusionUdo Sierck
Budenzauber Inklusion
mit farbigen Illustrationen von Nati Radtke
AG SPAK, 2013, 145 Seiten, 16 Euro,
ISBN 978-3-940865-57-1

„Die Untersuchung [eine Studie, auf die Sierck genauer eingeht; Anm. HV] rührt an einem Tabu der Behindertenhilfe, das in den Sonntagsreden zur Inklusion nicht vorkommt. Physische und psychische Gewalt werden von behinderten Frauen und Männern benannt, aber von den selbsternannten Experten in Behindertenverbänden oder kommunalen Trägern nicht zum vorrangigen Thema gemacht.“ (S.45)

Udo Sierck nimmt in seinem aktuellen Buch „Budenzauber Inklusion“ die aktuelle ‚Behindertenpolitik‘ in der Bundesrepublik Deutschland in den Blick. ‚Inklusion‘ sei das ‚Zauberwort‘ dieser Politik und es werde der Eindruck weitreichender Veränderung erweckt, dabei zeige sich, dass ‚Inklusion‘ oft einfach ein neues Wort für weiterhin schlechte Politik sei, in der Normen sogar verstärkt wirkten und Menschen ausgegrenzt würden. Er fordert ein, dass nicht mehr vermeintliche Expert_innen der Behindertenhilfe und aus wissenschaftlichen Disziplinen die Richtungen der politischen Kämpfe angeben, sondern dass die Selbstorganisationen behinderter Menschen als die zentrale Expertinnen anerkannt werden. Dafür gibt Sierck einerseits einen Überblick über die Behindertenbewegung, die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung, und erläutert aber auch die unterschiedliche Sprecher_innen-Position: „Denn ‚Nichtbehinderte können sich aussuchen, über ihre Verletzbarkeit nachzudenken, Behinderte nicht.‘“ (S.101)

Auch die Paralympics und aktuelle Fragen zur Optimierbarkeit von Körpern beleuchtet Sierck kritisch. Behinderung werde dabei im Sinne eines Freakings verhandelt – Machbarkeiten würden erprobt und in Medien „Spiele der Wunder“ … „man darf staunen“ … „Meet the Superhumans“ (S.78) angekündigt. Sierck folgert: „Die Paralympics haben Erfolg, weil sie sich an den herrschenden Kriterien für Erfolg orientieren und dafür den Körper bis an die Grenze des Machbaren drangsalieren.“ (S.80)

Der seit Ende der siebziger Jahre in der emanzipatorischen Behindertenpolitik engagierte, ausgebildete Diplom-Bibliothekar Udo Sierck hat seit den 1980er Jahren zahlreiche Bücher veröffentlicht. Zuletzt unter anderem „Behinderung: Chronik eines Jahrunderts“ (2012, Beltz Juventa) und das hier kurz eingeführte – und unbedingt empfehlenswerte – Buch „Budenzauber Inklusion“ (2013, AG SPAK).

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