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Sprache prägt. Wir wissen alle, wie wichtig sie ist, wenn wir – aus der Wissenschaft – über wissenschaftliche Themen mit Interessierten außerhalb der Akademie in Kontakt sind. Dann versuchen wir die Verwendung wissenschaftlicher Fachsprache auf das absolut Erforderliche zu reduzieren, erklärende Sätze einzufügen, um in breiten Austausch treten zu können – und ggf. sogar Ansätze für unsere weitergehenden Forschungen zu erhalten.

Auch wenn wir auf Handlungsfelder sehen, ist die Verwendung unterschiedlicher (Fach-)Sprache augenfällig. In der Physik und Mathematik lassen sich Sachverhalte oft am präzisesten über Formeln ausdrücken, Ingenieurskunst baut auf Berechnungen, Schalt- und Konstruktionsplänen auf. Ohne solche Pläne wäre eine wirksame Kommunikation schwer möglich, gleichzeitig sind stetig Strategien erforderlich, um die fachwissenschaftlichen Darstellungen zu übersetzen – zum Beispiel um politische Entscheidungsträger*innen für die Förderung zu gewinnen oder um Akzeptanz in der Bevölkerung für eine Neuentwicklung zu erzeugen. Soziale Arbeit ist hier nicht freier, sondern ihre Arbeit setzt konkret am Menschen an. Fachwissenschaftliche Debatten mit ihren Spezialbegriffen, die sich etwa mit der Entwicklung eines professionellen Vertrauens und seiner Abgrenzung zu vertrauensvollen familiären und Peer-to-Peer-Beziehungen befassen, sind nach außen schwer nachvollziehbar. Gleichzeitig ist die Soziale Arbeit in besonderer Weise auf die konkrete Arbeit mit Menschen – Adressat*innen, Klient*innen – gerichtet, woraus sich noch mehr als bei Ingenieur*innen die Notwendigkeit ergibt, von den jeweiligen Zielgruppen verstanden zu werden, um von Ratsuchenden überhaupt als hilfreich wahrgenommen werden zu können. Entsprechend besteht in der Gestaltung von Kommunikationsprozessen zwischen Fachlichkeit auf der einen Seite und allgemeiner Verständlichkeit auf der anderen im Feld der Sozialen Arbeit besondere Expertise.

Das gilt auch für Geschlecht. Ein Beispiel: Bei der Beratung einer trans* Person – trans* bezieht sich darauf, dass eine Person sich nicht in dem Geschlecht erlebt, das ihr bei der Geburt zugewiesen und in dem sie aufgezogen wurde – ist es wichtig, sie in dem Geschlecht wahr- und ernstzunehmen, in dem sie sich erlebt. Ihre Selbstbeschreibung ist wichtig. Soziale Arbeit, die nicht die von der trans* Person als passend erlebten Pronomen verwendet, kann von ihr in der konkreten Beratungssituation als diskriminierend wahrgenommen werden – und schließlich ihren Auftrag nicht erfüllen.

Genau und empathisch sein, ermöglicht es hier der Sozialen Arbeit erst, der ratsuchenden Person tatsächlich Unterstützung zukommen zu lassen. Und das ist auch der eigentliche Zweck geschlechterreflektierter Sprache bzw. genderreflektierter Sprache: Sie erreicht vor allem eine größere Eindeutigkeit, so dass eine Situation möglichst so beschrieben werden kann, wie sie sich abgespielt hat. Auch hier ein Beispiel, nachzulesen in der auch online verfügbaren Broschüre ÜberzeuGENDERe Sprache: Leitfaden für eine geschlechtersensible und inklusive Sprache der Universität Köln:

„Ein Vater fuhr mit seinem Sohn im Auto. Sie verunglückten. Der Vater starb an der Unfallstelle. Der Sohn wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert und musste operiert werden. Ein Arzt eilte in den OP, trat an den Operationstisch heran, auf dem der Junge lag, wurde kreidebleich und sagte: ‚Ich bin nicht im Stande zu operieren. Dies ist mein Sohn.‘“ (Universität Köln 2013)

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English version below; the German version you will find here.

Objection. Dans l´article de Mathieu Foulkes (agence de presse AFP) sur les cours norvégiens de "Hero GmbH", je suis complètement mal cité. L´article de l´AFP est maintenant publié en anglais ("Differences in culture exist: Berlin refugees given sexual consent classes") et en français ("A Berlin, les mœurs sexuelles enseignées aux réfugiés"). En réalité, j´ai répondu aux questions de l´agence AFP comme suit:

Pensez-vous que de tels cours sont sensés?

Le cours est conçu comme une offre unique et fournit en particulier des informations sur les réglementations légales et les services de consultation. En tant que tel, le cours est sensé s´il est offert dans un cadre pédagogique. Cela signifie qu´il peut être proposé à une distance de quelques mois du vol qui a eu lieu, puisque les gens ont alors une certaine distance du vol stressant et sont à nouveau ouverts à de nouveaux contenus. En même temps, le cours devrait bénéficier d´autres offres existantes, telles que les très bonnes brochures développées par l´auto-organisation PoC GLADT dans le cadre du projet "Handreichungen für emanzpatorische Jungenarbeit (HeJ) / Coups de main pour un travail émancipateur avec des jeunes mâles".  S´il va au delà du cours court autour des offres pédagogiques sexuelles, le caractère volontaire de la participation est indispensable: Un bon apprentissage à la sexualité, le corps et le sexe peut réussir seulement si l´offre est acceptée volontairement.

Les différences morales entre les réfugiés de la Syrie, de l´Irak ou de l´Afghanistan sont-elles importantes en comparaison des mœurs des Européens ? Selon vous, quelles sont les principales différences (le poids de l´honneur, l´appartenance à une communauté, etc.)?

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Einspruch. In dem Beitrag von Mathieu Foulkes (Nachrichtenagentur AFP) zu den norwegischen Kursen der „Hero GmbH“, werde ich vollkommen falsch zitiert. Die AFP-Beiträge sind heute u.a. auf Englisch („'Differences in culture exist': Berlin refugees given sexual consent classes“) und Französisch („A Berlin, les moeurs sexuelles enseignées aux réfugiés“) erschienenen. Korrekt habe ich die Fragen der Agentur AFP wie folgt beantwortet:

Einspruch. In dem Beitrag von Mathieu Foulkes (Nachrichtenagentur AFP) zu den norwegischen Kursen der „Hero GmbH“, werde ich vollkommen falsch zitiert. Die AFP-Beiträge sind heute u.a. auf Englisch („'Differences in culture exist': Berlin refugees given sexual consent classes“) und Französisch („A Berlin, les moeurs sexuelles enseignées aux réfugiés“) erschienenen. Korrekt habe ich die Fragen der Agentur AFP wie folgt beantwortet:

Sind solche Kurse Ihrer Meinung nach sinnvoll?

Der Kurs ist als einmaliges Angebot angelegt und vermittelt insbesondere Inhalte zu rechtlichen Regelungen und Beratungsmöglichkeiten. Als solche Information ist der Kurs sinnvoll, sofern er in einem pädagogischen Rahmen angeboten wird. Das bedeutet, dass er mit Abstand von einigen Monaten zur stattgefundenen Flucht angeboten werden kann, da die Menschen dann einen gewissen Abstand zur belastenden Flucht haben und für neue Inhalte wieder offen sind. Gleichzeitig sollte der Kurs von anderen bestehenden Angeboten profitieren, etwa von den sehr guten Broschüren, die im Rahmen des Projekts "Handreichungen für emanzpatorische Jungenarbeit (HeJ) von der PoC-Selbstorganisation GLADT entwickelt wurden. Wenn es über den kurzen Kurs hinaus um sexualpädagogische Angebote geht, ist der Aspekt der Freiwilligkeit unbedingt erforderlich: Gutes Lernen zu Sexualität, Körper und Geschlecht gelingt nur bei Freiwilligkeit der Angebote.

Sind moralische Unterschiede zwischen Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan wichtig für die Sitten der Europäer? Was sind deiner Meinung nach die Hauptunterschiede (das Gewicht der Ehre, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, etc.)?

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Nun ist das Buch "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven" frei und kostenlos im Volltext als PDF-Datei zugänglich und können sich alle eine Meinung bilden, das Buch diskutieren und rezensieren.
Cover des Buches "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven"

Das Buch "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven" (hier als PDF-Datei), das Zülfukar Çetin und ich im Jahr 2016 veröffentlichten, sorgte für größere Diskussionen. Eine Rezensentin meinte sogar, dass Zülfukar und ich etwas gegen schwule Küsse hätten - was für ein Quatsch. Jan Schnorrenberg erwidert in der Tageszeitung Tagesspiegel den Unterstellungen von Patsy l'Amour laLove ("Aktivismus-Debatte: Queeres Scherbengericht"), Floris Biskamp nahm uns bei den Ruhrbaronen gegen solche Diffamierung in Schutz: "Weniger nachvollziehbar ist, dass man die Argumente der Gegenseite dabei zur Unkenntlichkeit entstellt. Dies tut insbesondere l’Amour laLove in ihrer Auseinandersetzung mit dem Buch 'Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität' von Zülfükar Çetin und Heinz-Jürgen Voß." ("Beißreflexe: Je böser, desto mehr freu’n sich die Leut’!")

Roberto Manteufel machte in der Zeitschrift Siegessäule prägnant deutlich, was eine der aufreibenden Thesen im Buch ist. Er schreibt unter anderem: "In ihrem Buch gehen [Çetin und Voss] ans Eingemachte. Sie skizzieren, wie das Wort 'homosexuell' allein schon durch seine historischen Ursprünge rassistisch gefärbt wurde. 'Echte Homosexualität' fände sich zum Beispiel nur bei reichen weißen Nordeuropäern, konstatierte Hirschfeld. Ursprünge, die bis heute ihre Wellen schlagen. Denn – um mal so richtig die Ironiekeule zu schwingen – wir als weiße, aufgeklärte Schwule wissen schon, wie es geht. Also in Sachen Toleranz und Miteinander und überhaupt. Dagegen sehen zum Beispiel die Muslime so richtig alt aus. [...] Klingt doch einleuchtend. Nur stimmt das wirklich? Erschreckend klar analysieren Çetin und Voss, wie hinter solchen Gedankengängen ein neues Wir-Verständnis steht, das auch hervorragend als politisches Kampfinstrument dient. Denn Wir, das sind inzwischen auch wir Homos. Wir sind die treuen Demokraten, die gebildet sind und euch den Wohlstand bringen, wenn ihr es nur richtig macht. Vertraut uns bitte, denn was wahre Freiheit ist, das wissen einzig wir. Denn Wir, das sind diejenigen, die in Schwarz und Weiß denken, in Okzident und Orient, in fortschrittlich und rückständig. Ganz ehrlich, Nachtigall, ick hör dir trapsen. Das riecht nach großem Ärger." (Siegessäule, Dezember 2016, S. 49)

Nun ist das Buch "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven" frei und kostenlos im Volltext als PDF-Datei zugänglich und können sich alle eine Meinung bilden, das Buch diskutieren und rezensieren. Zum Download geht es hier: Link auf der Verlagsseite. Einen Überblick über erschienene Rezensionen gibt es hier.

Dank einer Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sind jetzt zahlreiche Bücher der Buchreihe "Angewandte Sexualwissenschaft" sowohl als gedrucktes Buch als auch als kostenloses Open-Access-Buch erhältlich.

Dank einer Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sind jetzt zahlreiche Bücher der Buchreihe "Angewandte Sexualwissenschaft" sowohl als gedrucktes Buch als auch als kostenloses Open-Access-Buch erhältlich.

Den Auftakt für unsere Open-Access-Aktivitäten machte der Band "The Queer Intersectional in Contemporary Germany: Essays on Racism, Capitalism and Sexual Politics", herausgegeben von Christopher Sweetapple (Link: https://www.psychosozial-verlag.de/7444 , PDF: https://www.psychosozial-verlag.de/catalog/dispatch-free.php?id=7444 ), von dem zeitgleich die gedruckte und die Open-Access-Fassung erschienen sind.

Durch die Förderung des BMBF sind nun die bis zum Jahr 2016 veröffentlichten Bände auch als Open-Access verfügbar. Konkret:

Manuela Tillmanns: Intergeschlechtlichkeit - Impulse für die Beratung
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/6946

Torsten Linke: Sexualität und Familie - Möglichkeiten sexueller Bildung im Rahmen erzieherischer Hilfen
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/6943

Julia Sparmann: Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen - Eine interdisziplinäre Einführung
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/6846

Conrad Krannich: Geschlecht als Gabe und Aufgabe - Intersexualität aus theologischer Perspektive
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/6800

Lena Lache: Sexualität und Autismus - Die Bedeutung von Kommunikation und Sprache für die sexuelle Entwicklung
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/6847

Alexander Naß, Silvia Rentzsch, Johanna Rödenbeck, Monika Deinbeck (Hg.): Geschlechtliche Vielfalt (er)leben - Trans*- und Intergeschlechtlichkeit in Kindheit, Adoleszenz und jungem Erwachsenenalter
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/7231

Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß: Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/6805

Hanna Sophia Rose: What’s fappening? Eine Untersuchung zur Selbstbefriedigung im 21. Jahrhundert
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/7300

Miriam Günderoth: Kindeswohlgefährdung - Die Umsetzung des Schutzauftrages in der verbandlichen Jugendarbeit
Link: https://www.psychosozial-verlag.de/7279

Herzlichen Dank an den Psychosozial-Verlag für die stetig gute Zusammenarbeit und die Ermöglichung des Open-Access-Zugangs. Und Ihnen mit den Büchern viele gute Lesestunden und interessante Gedanken - egal ob Sie die gedruckte oder die Open-Access-Ausgabe nutzen wollen!

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Wenn man denkt, dass es nicht schlimmer kommen kann, so erlebt man in „unserer Community“ doch einen neuen Tiefschlag. Ein solcher Tiefschlag ist gewiss der Roman „Stephan: Fragment einer Leidenschaft“, der 2018 im Männerschwarm Verlag erschienen ist und die nun auf Queer.de veröffentlichte Besprechung. Konkret geht es um eine schwule Erzählung aus Nazi-Deutschland, für die es in der Queer.de-Besprechung heißt, dass sie „…von Seite zu Seite sympathischer“ werde. Ausgekramt und veröffentlicht wurde ein bisher unveröffentlichter Roman von dem „Giftgas-Experten“ Rudolf Hanslian. Ein Blick auf dessen weitere Veröffentlichungen macht deutlich, dass er durch seine „berufliche Tätigkeit“ massive Mitschuld an den Giftgas-Verbrechen der Deutschen schon im Ersten Weltkrieg und dann auch in der Nazi-Zeit trägt. Sein Hauptwerk ist „Der chemische Krieg“ (1925), das auch in Nazi-Deutschland 1937 neu aufgelegt wurde und in dem es unter anderem um Gasangriff und Gasabwehr geht. Des Weiteren veröffentlichte Hanslian „Die Gaswaffe“ (1928, als Aufsatz), „Zur Geschichte des Gaskrieges“ (1929, als Aufsatz), „Die Entwicklung der chemischen Waffe in der Nachkriegszeit“ (1933, als Aufsatz), „Der deutsche Gasangriff bei Ypern am 22. April 1915: Eine kriegsgeschichtliche Studie“ (1934) und „Vom Gaskampf zum Atomkrieg: die Entwicklung der wissenschaftlichen Waffen“ (1951). Seit 1949 gab er die „Apothekerzeitung“ heraus. In „Der chemische Krieg“ werden unter anderem chemische Kampfstoffe und ihre Wirkung ausführlich behandelt, wie auch im vom Fritz Bauer Institut herausgegebenen Band „Völkermord und Kriegsverbrechen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ (2004) kritisch bearbeitet wird. Im Aufsatz „Zur Geschichte des Gaskrieges“ (1929) versucht Hanslian den „erste[n], wenn auch unzulängliche[n] Einsatz von chemischen Kampfmitteln“ – unzutreffend – den französischen Truppen in die Schuhe zu schieben.

Einen durch seine wissenschaftliche Arbeit und Publikationstätigkeit dermaßen problematischen Propagandisten des Gaskrieges der Deutschen unkritisch zu würdigen, entsetzt mich. So heißt es bei Queer.de: „So ist der Roman einerseits bedeutendes historisches Dokument eines Zeitzeugen, der die Schwulenverfolgung unter den Nazis selbst erleben und erleiden musste.“ Und weiter: „Hanslians Stil, voller Pathos, Platon- und von Platen-Zitaten, schwülstigen Beschreibungen der Berge und dozierenden Reden ist zweifellos gewöhnungsbedürftig, am Ende jedoch verzeihlich und von Seite zu Seite sympathischer. Rudolf Hanslian hat seinen Roman geschrieben, um aufzuklären und um Identifikationsfläche zu sein.“

Eine solche Person in der Geschichte einfach als Opfer der „Schwulenverfolgung unter den Nazis“ einzuordnen und als „Identifikationsfläche“ anzubieten, ist blanker Hohn – einerseits gegenüber den Opfern der chemischen Kriegsführung, andererseits gegenüber den in diesen Tagen thematisierten Stonewall-Aufständen und ihren Protagonist*innen!

Heinz-Jürgen Voß

Gerade erschienen: Buch "Being Bi"

Sehr gern möchte ich gleich auf zwei aktuelle Veröffentlichungen verweisen, die den Fokus auf geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung legen und einerseits Bisexualität ins Zentrum setzen, andererseits den Möglichkeiten von Kunst und Medien zur Förderung insbesondere geschlechtlicher Selbstbestimmung nachgehen. Passend zu den aktuellen Jubiläen wird im Band "Being Bi" die feministische und BDSM-praktizierende bisexuelle Aktivistin Brenda Howard und "Mother of Pride" gewürdigt, auf die das Format der Christopher-Street-Days als Pride, oft verbunden mit einer Veranstaltungswoche, zurückgeht. Im Folgenden die Angaben zu den Büchern - über Rezensionen und kritische Reflexion freuen wir uns. Rezensionsexemplare können angefordert werden, für Buchvorstellungen sprechen Sie und sprecht ihr gern mich oder die jeweils andere Herausgeber*in an.

Being Bi: Bisexualität zwischen Unsichtbarkeit und Chic (Reihe: Hirschfeld Lectures, Bd. 13)
von Kim Ritter und Heinz-Jürgen Voß

Göttingen:Wallstein-Verlag
2019 / 63 Seiten / 9,90 Euro
Informationen beim Verlag:  https://www.wallstein-verlag.de/9783835334021-kim-ritter-heinz-juergen-voss-being-bi.html ,
Rezensionsexemplar bestellen: Laura Fritz, lfritz@wallstein-verlag.de

Gerade erschienen: Buch "Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung durch Kunst und Medien"

Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung durch Kunst und Medien: Neue Zugänge zur sexuellen Bildung
hg. von Michaela Katzer und Heinz-Jürgen Voß
mit zahlreichen farbigen Abbildungen

Gießen: Psychosozial-Verlag
2019 / 382 Seiten / 44,90 Euro
Informationen beim Verlag:  https://www.psychosozial-verlag.de/2858 ,
Rezensionsexemplar bestellen: melanie.fehr-fichtner@psychosozial-verlag.de

Über Rückmeldungen freue ich mich!

Viele liebe Grüße
Heinz / Heinz-Jürgen Voß

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 fanden in New York Kämpfe von Trans*, Lesben und Schwulen - viele von ihnen Schwarz und aus der Arbeiterklasse - statt. Diese Kämpfe sind aktuell in aller Munde, sie werden als Meilenstein der Emanzipation gewürdigt. Heinz-Jürgen Voß erläutert, worum es bei diesen Kämpfen ging und wer die Protagonist*innen waren. Und er stellt, nach einer Forschungsreise nach New York, Washington und Philly (Philadelphia), aktuelle Eindrücke aus den USA dar: Dabei sind die zahlreichen Stonewall-Ausstellungen in Washington und New York ebenso im Blick, wie die Ausstellung "Radical Love". In den meisten der Ausstellungen werden sehr utopische Perspektiven auf emanzipatorische und gerechte Gesellschaft eröffnet. In einer Ausstellung geht der Blick wirder nach Deutschland.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Ort: Hochschule Merseburg, Gartenhaus.

Beginn: 17:30 Uhr, am 5. Juli (Freitag); Dauer bis 19:00 Uhr.

Marsha P. Johnson (vorne links) - eine der zentralen Protagonist*innen bei den Stonewall Kämpfen. Foto: gezeigt in der Ausstellung "Love & Resistance" in der New York Public Library.

In diesen Tagen wird an die Straßenkämpfe mit der Polizei in der New Yorker Christopher Street erinnert, die im Juni 1969 stattfanden. Mittlerweile sind auch in der Bundesrepublik Deutschland die zentralen Protagonist*innen bekannter geworden, unter ihnen Sylvia Rivera und Marsha P. Johnson - insgesamt kämpften gerade Queers of Color aus der Arbeiterklasse in der ersten Reihe. Hiingegen positionierten sich zahlreiche weiße Schwule und Lesben später sogar auf der Gegenseite - 1973 wurde Sylvia Rivera beim Christopher Street Day von weißen Schwulen tätlich angegriffen und von Lesben beschimpft, auch in den 1970er Jahren wurden Trans* aus der Gay Activists Alliance (GAA) ausgeschlossen, weil die Mehrheit der Mitglieder fand, dass man bessere Chancen habe, ein "Antidiskriminierungsgesetz" umzusetzen, wenn die Forderung von "gender-konformen" Personen vertreten werde. Es ist also nicht einfach ein Ereignis, das man feiern kann - sondern es gilt die Gewalt auch in der LSBTIQ-Community zu reflektieren. (In unserem Band "Queer und (Anti-)Kapitalismus" [s. Kapitel Kapitel "Stonewall revisited: Eine kleine Bewegungsgeschichte"] haben Salih Alexander Wolter und ich den tatsächlichen Verlauf der Kämpfe rings um das "Stonewall Inn" herausgearbeitet - mit Verweis auf die belastbaren Quellen.)
Es sollte also nicht einfach "lesbisch" und "schwul" gefeiert werden, sondern es sollten bei der derzeitigen Würdigung der Ereignisse in der Christopher Street 1969 auch die Gewalt und die Verletzungen innerhalb der LSBTIQ-Community sichtbar gemacht werden. Gute Ansätze gibt es derzeit: Ralf Buchterkirchen hat auf seinem Blog die aktuellen Debatten in den USA kurz resümiert - dort gibt es derzeit zahlreiche beachtenswerte Ausstellungen und kritische Diskussionen: https://verqueert.de/50-jahre-stonewall-empfehlungen-fuer-new-york-und-washington/ . Aber auch hierzulande passiert einiges und ist etwa in der aktuellen Juni-Siegessäule ein beachtenswerter und reflektierter Beitrag über Stonewall, der gerade Nachdenken anregt. (Das Heft ist auf www.siegessaeule.de frei zugänglich.) Und auch in der ZEIT ist ein kenntnisreicher Beitrag erschienen: https://www.zeit.de/2019/26/christopher-street-day-stonewall-aufstand-homosexualitaet .

Den Jahrestag sollten wir politisch nehmen! An die bereits existierenden kritischen Reflexionen sollten wir auch bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und im politischen Aktivismus anschließen und auch in der LSBTIQ-Community gerade Rassismus, Antisemitismus und zweigeschlechtlichen Sexismus benennen und kontinuierlich deutlich kritisieren!

Heinz-Jürgen Voß

sehr gern weise ich auf die Bundeskonferenz "Sexuelle Bildung und Flucht" hin, die am 26. und 27. September im Bundessprachenamt in Naumburg (Saale) stattfindet.

Themen wie Liebe und Partnerschaft, Sexualität, die eigene geschlechtliche Identität und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern gehören zum Menschsein elementar dazu. Trotzdem herrscht in sexualpädagogischen Fachkontexten oft Unsicherheit darüber, wie diese Themen auch mit geflüchteten Menschen behandelt werden können. Die Bundeskonferenz Sexuelle Bildung und Flucht wird deshalb in Vorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen und Filmvorträgen Wege zu einer gelingenden Sexuellen Bildung im Kontext Flucht aufzeigen.

Die Konferenz bündelt herausragende Expertise aus Theorie und Praxis: Die Hochschule Merseburg ist mit den deutschlandweit einzigartigen Studiengängen in Angewandter Sexualwissenschaft und Sexologie führend auf dem Gebiet der Sexuellen Bildung. Der Burgenlandkreis wiederum hat als bisher einziger Landkreis in Deutschland ein umfassendes Konzept zur Sexuellen Bildung im Kontext Flucht erarbeitet und umgesetzt und konnte dabei viele Erfahrungen in der Arbeit mit Fachkräften, Einrichtungen und Geflüchteten zum Thema Sexualität sammeln.

Weitere Informationen und Anmeldung: www.hs-merseburg.de/bundeskonferenz .

Wir freuen uns auf Ihre und eure Teilnahme! Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

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