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Von Heinz-Jürgen Voß. Die Rezension erscheint in den „Rosigen Zeiten“, Oldenburg.

Zwei aktuelle Bücher wenden sich Fragen von Dominanz und Marginalisierung zu. Dabei ist Trans* ein zentraler Fokus, der im Band von Mika Murstein in Verwobenheit mit anderen Herrschaftskategorien gedacht wird.

In dem Buch „Trans. Frau. Sein. – Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung“ geht Felicia Ewert Diskriminierungen nach, denen Frauen, die auch trans* sind, gesellschaftlich unterliegen. Dabei nimmt sie die Leser*innen von Anfang an mit, auch diejenigen, die sich noch nicht so intensiv mit Fragen um Trans*- und Cis-Geschlechtlichkeit befasst haben. So erläutert Ewert zunächst ihren Zugang zum Thema und die verwendeten Begriffe, um sich danach Fragen zuzuwenden, wie Geschlecht in der deutschen Gesellschaft gedacht wird. Dabei erläutert sie, wie oft ein Biologismus vorherrscht, mit dem schon rechtlich – gleich nach der Geburt – auf ein Geschlecht erkannt wird. Im alltäglichen Umgang in der Gesellschaft wirke dieser Biologismus fort: So suchten Menschen im alltäglichen Umgang nach Kennzeichen an den Menschen, mit denen sie Umgang haben, um sicher ein Geschlecht erkennen zu können. Dabei nutzten sie insbesondere körperliche Merkmale, um Sicherheit zu erlangen. Möglichkeiten geschlechtlicher Selbstbestimmung werden so begrenzt, wie Ewert plausibel darlegt: Menschen müssen stets erst gegen die stereotypen Vorannahmen angehen, bevor eine Offenheit beim gegenüber entsteht, die tatsächliche individuelle Geschlechtsidentität wahrnehmen zu wollen und zu können. Ausführlicher erläutert die Autorin die medizinisch-juristische Begutachtungspraxis, der Personen nach dem Transsexuellengesetz unterzogen werden, bis sie auch staatlich und rechtlich in ihrem eigenen Geschlecht anerkannt werden. Ewert stellt dabei auch dar, welchen Einfluss diese Begutachtungspraxis auf die Darstellungs- und Sprechweisen von trans* Personen haben.

Dieser gesellschaftliche Rahmen, der die Ordnungskategorie „Geschlecht“ in der deutschen Gesellschaft im Blick hat, wird von der Autorin in Richtung von Diskriminierungserfahrungen insbesondere von Frauen, die auch trans* sind, erweitert. Dabei geht es u. a. um Erfahrungen im akademischen Betrieb, bei der Toilettennutzung, aber auch in linken und feministischen Kontexten. So herrschten auch in einigen aktuellen feministischen Strömungen deutlich trans*-feindliche Setzungen vor. Das gehe oft insbesondere mit einem unreflektierten Bezug auf biologischen Essentialismus zusammen, mit dem die Unterschiedlichkeit der Frauen untereinander negiert werde.

Ewert legt damit ein starkes und auch kritisches Buch vor, dass einerseits Diskussionen anregen soll. Andererseits soll es Frauen stärken, die auch trans* sind und allen anderen Leser*innen einen Zugang ermöglichen, Marginalisierungserfahrungen von Trans*-Personen und deren Kämpfe gegen Diskriminierungen zu verstehen – und diese zu unterstützen.

Mika Murstein zeigt im Buch „I'm a queerfeminist cyborg, that's okay: Gedankensammlung zu Anti/Ableismus“ die Verwobenheit von Herrschaftsverhältnissen auf. Dabei fokussiert Murstein auf Be_Hinderung. Mit der Großschreibung von „Hinderung“ macht sie*er deutlich, dass die Gesellschaft Menschen „hindert“, ihnen also Grundrechte verwehrt. In den aktuellen Diskussionen um Be_Hinderung fehle bisher vollkommen „die Vorstellung von Be_Hinderung als andauerndem und lebenswertem Zustand […]. Als erstrebenswerte Zukunft gilt meist die Zukunft ohne Behinderung.“ (S. 11f.) Als Gegenmodell formuliert Murstein den Ansatz der „Crip future“:

„Crip future ist eine Zukunft, in der Behinderung und ein lebenswertes, erfülltes Leben, wie es schon heute be_hinderte Menschen führen, nicht als Gegensatz konstruiert werden. In meiner Vision von crip future besitzen wir alle Werkzeuge und Hilfsmittel, die wir brauchen, die Teilhabe, Partizipation und Mobilität bedeuten würden. Diese Werkzeuge, Technik und Hilfsmittel gibt es schon reichlich, aber in der Gegenwart ist der Zugang zu ihnen beschränkt. […] Hilfsmittel sind cool. Nur leider nicht im herrschenden Diskurs. Zum Beispiel sagt die Redensart „Das ist doch nur eine Krücke!“ viel über die Sicht auf gesundheitliche Einschränkungen aus. Sie spiegelt die Wahrnehmung, es sei eine Schwäche, eine Krücke zu brauchen, wider. Dabei ist eine Krücke hilfreich, weil sie Halt und Mobilität bedeutet, genauso wie eins nicht an den Rollstuhl ‚gefesselt‘ ist, sondern dieser ermöglicht, von A nach B zu kommen und an der Welt teilzuhaben.“ (Ebd.)

Ausführlicher geht Murstein auf psychische Erkrankungen ein. Die Einschränkungen von Menschen mit psychischen Erkrankungen werden in der Gesellschaft oft nicht gesehen oder, sofern sie gesehen werden, werden sie aufgeladen und teilweise sogar Berufsverbote etwa gegen Menschen, die an Depressionen leiden, diskutiert – anstatt Voraussetzungen zu schaffen, in denen ein Mensch gut mit dieser Erkrankung umgehen kann. Wie negativ psychische Erkrankungen gesellschaftlich besetzt sind, macht Murstein mit Blick auf Debatten nach Amokläufen deutlich:

„Nach sogenannten Amokläufen meist weißer Männer wird schnell nach einer psychischen Erkrankung und Ähnlichem als Auslöser gesucht. Da kann jemensch vorher ellenlange hasserfüllte Pamphlete ins Internet gestellt haben, plötzlich ist die Person, ohne vorher jemals diagnostiziert worden zu sein, angeblich ‚geisteskrank‘, ‚persönlichkeitsgestört‘ oder, auch sehr beliebt: ‚autistisch‘. Für Betroffene der disability community (Gemeinschaft) ist es immer sehr furchtbar, wenn eine solche Tat passiert und wenn bei der darauffolgenden Berichterstattung auf diese ableistischen Tropen (Sprachfiguren) zurückgegriffen wird.“ (S. 34)

Bereits aus den kurzen Zitaten wird die sensible Sprachverwendung deutlich, die die*der Autor*in nutzt: Gut lesbar und unaufdringlich werden Erläuterungen gegeben; Begriffe werden so genutzt, dass sie klar sind und gleichzeitig nicht diskriminieren. Be_Hinderung in Gesellschaft wird nicht allein, sondern verwoben mit anderen gesellschaftlichen Strukturkategorien – Herrschaftskategorien – betrachtet. Dabei sind Rassismus, das Geschlechter- und das Klassenverhältnis im Blick. Im besten Sinne wird Intersektionalität vorgestellt und erläutert und dabei die einschlägige Literatur eingewoben – so u.a. Edward Said, Kimberlé Crenshaw, Étienne Balibar, Maisha Eggers, May Ayim, Grada Kilomba und Christiane Hutson. Es werden historische Perspektiven auf Kolonialismus, die deutsche „Rasseforschung“ und sozialdarwinistische / eugenische Wissenschaft eröffnet.

Neben der gesamtgesellschaftlichen Einordnung, kommt Murstein in den weiteren Kapiteln auf die ganz konkreten Auswirkungen der Herrschaftskategorien – in ihrer Verwobenheit – auf Menschen zu sprechen. Dabei bringt sie*er auch eigene biografische Erfahrungen ein. Für das Verständnis der Herrschaftskategorien und ihrer Wirkung auf ganz konkrete Menschen hat Murstein überdies ein Interview mit der* Aktivist*in und Schriftsteller*in SchwarzRund geführt und in den Band eingebunden, das ebenfalls sehr lesenswert ist. Abschließend werden „reaktionäre Diskurse“ (S. 410) gewürdigt, die gerade hinter die aktuellen intersektional entwickelten kapitalismuskritischen Analysen zurück und weiße Menschen als Standard belassen wollen. Wohltuend ist es, dass Murstein – wie auch Ewert im zuvor angeführten Band – sich als von Diskriminierungen und Gewalt betroffen benennen, aber gleichzeitig deutlich machen, dass sie in Bezug auf Kolonialismus und Rassismus als weiße Personen zur privilegierten Seite zu zählen sind. Solche Analyse und (Selbst-)Reflexion ist für mehr Arbeiten wünschenswert!

Kurz: Bei „I'm a queerfeminist cyborg, that's okay“ handelt es sich um einen äußerst gelungenen Band, der gut lesbar ist und viele Perspektiven eröffnet. Ihm ist ein großes Publikum zu wünschen.

Felicia Ewert
Trans. Frau. Sein. – Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung
Münster: edition assemblage
Oktober 2018, 176 Seiten, 14,80€
ISBN: 978-3-96042-040-8

Mika Murstein
I’m a queerfeminist Cyborg, that’s okay – Gedankensammlung zu Anti/Ableismus
Münster: edition assemblage
Juli 2018, 464 Seiten, 14,80€
ISBN: 978-3-96042-031-6

Gern weise ich an dieser Stelle einmal auf die Bücher hin, die ich im Jahr 2018 besprochen habe. Ganz besonders empfehlen möchte ich dabei die drei Bücher, die von Yener Bayramoğlu, Ann Wiesental bzw. Ulrich Würdemann verfasst wurden! Siehe die Rezensionen:

Rezension von "Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext. Psychoanalytische, kultur- und sexualwissenschaftliche Überlegungen zum anhaltenden Erregungsdiskurs"; von Alexander Korte. Auf: socialnet, 27.12.2018 (Online).

Rezension von: "Queertheoretische Perspektiven auf Bildung. Pädagogische Kritik der Heteronormativität"; hg. von Jutta Hartmann, Astrid Messerschmidt, Christine Thon. Auf: socialnet, 27.12.2018 (Online).

Rezension von: "Sexualisierte Gewalt an erwachsenen Schutz- und Hilfebedürftigen"; von Martin Wazlawik, Stefan Freck (Hg.). Auf: socialnet, 25.6.2018 (Online).

Rezension von: "Die Vereindeutigung der Welt. über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt"; von Thomas Bauer. Auf: socialnet, 12.6.2018 (Online).

Rezension von: "Sexualität und soziale Arbeit"; von Alexandra Klein, Elisabeth Tuider (Hg.). Auf: socialnet, 30.5.2018 (Online).

Rezension von: "Queere (Un-)Sichtbarkeiten. Die Geschichte der queeren Repräsentationen in der türkischen und deutschen Boulevardpresse"; von Yener Bayramoğlu. Auf: socialnet, 15.3.2018 (Online).

Rezension von: "Geschlecht im flexibilisierten Kapitalismus? Potenziale von Geschlechter- und Gesellschaftstheorien"; von Ilse Lenz, Sabine Evertz und Saida Ressel (Hg.). Auf: socialnet, 15.3.2018 (Online).

Rezension von: "Antisexistische Awareness. Ein Handbuch"; von Ann Wiesental. Auf: socialnet, 13.3.2018 (Online).

Rezension von: "Varianten der Sexualität. Studien in Ost- und Westdeutschland"; von Kurt Starke. Auf: socialnet, 13.3.2018 (Online).

Rezension von: "Widersprüche des Medizinischen. Eine wissenssoziologische Studie zu Konzepten der 'Transsexualität'"; von Katharina Jacke. Auf: socialnet, 7.3.2018 (Online).

Rezension von: "Politiken in Bewegung. Die Emanzipation Homosexueller im 20. Jahrhundert"; von Andreas Pretzel, Volker Weiß (Hg.). Auf: socialnet, 26.2.2018 (Online).

Rezension von: "Expert_innen des Geschlechts? Zum Wissen über Inter*- und Trans*-Themen"; von Kim Scheunemann. Auf: socialnet, 7.2.2018 (Online).

Rezension von: "Magnus Hirschfeld und seine Zeit"; von Manfred Herzer. Auf: socialnet, 29.1.2018 (Online).

Rezension von: "Queer Wars: Erfolge und Bedrohungen einer globalen Bewegung"; von Dennis Altman und Jonathan Symons. Auf: socialnet, 26.1.2018 (Online).

Rezension von: "Schweigen = Tod, Aktion = Leben. ACT UP in Deutschland 1989 bis 1993"; von Ulrich Würdemann. Auf: socialnet, 25.1.2018 (Online).

Rezension von: "Demo. Für. Alle.. Homophobie als Herausforderung"; von Detlef Grumbach (Hg.). Auf: socialnet, 24.1.2018 (Online).

Sehr gern weise ich auf das gerade erschienene Buch "Queere (Un-)Sichtbarkeiten. Die Geschichte der queeren Repräsentationen in der türkischen und deutschen Boulevardpresse" von Yener Bayramoğlu hin. Es ist sehr lesenswert - ich habe es gerade für soicalnet.de rezensiert:

Der vorliegende Band beschäftigt sich mit den Darstellungen von LSBTI* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter*) in deutschen und türkischen Boulevardmedien. Yener Bayramoğlu hat dazu die Tageszeitungen „Bild“ (Deutschland) und „Hürriyet“ (Türkei) auf relevante Inhalte zu Genderambiguität, Lesben, Trans* und Schwulen ausgewertet. Die Ergebnisse stellt er vergleichend dar und ordnet sie theoretisch in die Forschungen zu Sichtbarkeit / Unsichtbarkeit ein.

Zur Rezension gehts: hier.

[aktualisiert am: 6.10.2018]

Gern weise ich auf die erschienenen Besprechungen des Buches "Die Idee der Homosexualität musikalisieren: Zur Aktualität von Guy Hocquenghem" sowie ausgewählte weitere Beiträge zum Buch hin. Die Liste wird in loser Folge aktualisiert.

Den Auftakt bildet eine Besprechung, verbunden mit einem Interview, bei Coloradio Dresden. Die Sendung kann hier angehört werden: Link zur Sendung bei freie-radios.net.

Eine ausführliche Würdigung des Bandes liefert Hauke Branding (Helmut-Schmidt-Universität, Fakultät für Maschinenbau) bei socialnet.de. Dort hält er als Fazit unter anderem fest: "Das große Verdienst dieses Bandes ist es, Guy Hocquenghem wieder in die Debatte einzuführen und die Aktualität seiner Überlegungen zu diskutieren." Zur vollständigen Rezension bei socialnet.de.

Prof. Dr. Kurt Starke besprach das Buch in der Fachzeitschrift "Sexuologie". In seiner ausführlichen Rezension führt er unter anderem aus: "Inspiriert von dieser geistreichen Schrift könnte man bei Musikalisieren und Musizieren an das Eindeutige und das Vieldeutige der Musik denken, an das Verbindende und das Trennende, an das Gedachte und Gefühlte, an die Träumerei und die erfüllten Wünsche, an das unernste Vergnügen und das vergnüglich Ernsthafte im Sinne eines Res severa verum gaudium. [...] Die Einzelbeiträge des Buches [von Rüdiger Lautmann, Norbert Reck und Guy Hocquenghem] sind von zwei kenntnisreichen Texten des Herausgebers Heinz-Jürgen Voß gerahmt. Im einleitenden Beitrag führt Voß behutsam an das zu erwartende Leseabenteuer heran. [...] Das Buch ist Band 11 der Reihe 'Angewandte Sexualwissenschaft'. Hoffentlich folgen weitere Bände dieser Qualität." (Sexuologie, Bd. 25/2018, Heft 1-2, S.103-105)

Prof. Dr. Florian Mildenberger hat den Band in der sexualwissenschaftlichen Zeitschrift "Sexuologie" besprochen. Er schreibt unter anderem: "Der erste Teil des Titels lässt zunächst eine Discografie der Pet Shop Boys vermuten, doch dieser Sammelband entpuppt sich bei genauerer Lektüre als ein vorzüglicher Ansatz, um einen im Windschatten Foucaults bereits vergessenen französischen Vordenker einer kritischen Homoforschung interessierten Lesern in Erinnerung zu rufen." (Sexuologie, Bd. 25/2018, Heft 1-2, S.105f)

Stefan Ripplinger würdigte das Buch in der zur Frankfurter Buchmesse erschienenen Literaturbeilage "Queer gelesen" des Magazins "konkret" und schreibt u.a.: "Hocquenghem formulierte in den Siebzigern seine wildromantische Version dessen, was heute 'queer' genannt wird. Dass er viele Punkte der Queer-Theoretiker Eve Kosofsky Sedgwick oder Paul B. Preciado vorwegnimmt, ist ebenso unübersehbar wie die Kluft, die sein Denken von identitären Positionen trennt, wie sie in den USA oder in Deutschland vorherrschen. Dass einer oder eine sich dazu durchringen müsste, 'schwul', 'lesbisch' oder sonst etwas zu sein, um dann als bürgerliches Subjekt glücklich zu verspießern, hielt er für ein Abwürgen des Begehrens. Das Begehren fügt sich keiner sozialen Form. [...] In der Ära Jens Spahn bewahrheitet sich Hocquenghems Spott, alles, was deutsche Schwule jemals zu fordern in der Lage seien, seien 'rosa Volkswagen'." (konkret, Nr. 10/2018; Literaturbeilage "Queer gelesen", S. 22)

Und hier findet sich ein Videomitschnitt einer Buchvorstellung:

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Sehr gern weise ich auf weitere Buchrezensionen hin, die ich in den vergangenen Wochen veröffentlicht habe:

(1)
"Geschlecht im flexibilisierten Kapitalismus? Potenziale von Geschlechter- und Gesellschaftstheorien"
von Ilse Lenz, Sabine Evertz und Saida Ressel (Hg.)
Auf: socialnet, 15.3.2018 (Online).

(2)
"Antisexistische Awareness. Ein Handbuch"
von Ann Wiesental
Auf: socialnet, 13.3.2018 (Online).

(3)
"Varianten der Sexualität. Studien in Ost- und Westdeutschland"
von Kurt Starke
Auf: socialnet, 13.3.2018 (Online).

(4)
"Widersprüche des Medizinischen. Eine wissenssoziologische Studie zu Konzepten der 'Transsexualität'"
von Katharina Jacke
Auf: socialnet, 7.3.2018 (Online).

(5)
"Politiken in Bewegung. Die Emanzipation Homosexueller im 20. Jahrhundert"
von Andreas Pretzel, Volker Weiß (Hg.)
Auf: socialnet, 26.2.2018 (Online).

(6)
"Expert_innen des Geschlechts? Zum Wissen über Inter*- und Trans*-Themen"
von Kim Scheunemann
Auf: socialnet, 7.2.2018 (Online).

Heinz-Jürgen Voß

Martin*e von Coloradio (Dresden) hat mit mir ein sehr schönes Interview und Gespräch zum Buch "Die Idee der Homosexualität musikalisieren: Zur Aktualität von Guy Hocquenghem" geführt. In 18 Minuten können Sie und könnt ihr nun einen ersten Eindruck vom Buch bekommen: zum Interview.

Weitere Informationen zum Buch finden sich hier.

Die nächsten Buchvorstellungen sind in: Zürich (7. März), Leipzig (15. März), Berlin (5. April), Regensburg (17. Mai), Wien (28. Mai), Merseburg (6. Juni), München, Essen etc.

Gern weise ich auf ein paar Rezensionen aktueller Bücher hin, die ich für socialnet.de verfasst habe. Im Folgenden jeweils ein kurzer Auszug - und der Link zum Weiterlesen:

(1) “Queer Wars: Erfolge und Bedrohungen einer globalen Bewegung”; von Dennis Altman und Jonathan Symons:

Gegen westliche Bevormundung werden Altman und Symons noch deutlicher: „Radikale Ideen voranzutreiben oder eine zu große Sichtbarkeit herzustellen in Gesellschaften, in denen nicht jede Sexualität als eine legitime Identität aufgefasst wird, kann einen Rückschlag provozieren, der vorhandene sexuelle Freiheiten sogar wieder zurückdrängt.“ (S. 138) [...] Leichtgängig liefern Altman und Symons in Freundls Übersetzung dem deutschsprachigen Publikum einen Zugang zum internationalen Stand aktueller Debatten um die Emanzipation von LSBTIQ.

Rezensiert auf: socialnet, 26.1.2018 (Online).

(2) “Schweigen = Tod, Aktion = Leben. ACT UP in Deutschland 1989 bis 1993”; von Ulrich Würdemann:

Ulrich Würdemann liefert mit dem vorliegenden Band einen hervorragenden Einstieg in Betrachtungen zu ACT UP in Deutschland. Er räumt mit dem mitunter angenommenen Mythos auf, dass HIV/Aids-Aktivismus, Aidshilfen und Schwulenbewegung ineinander aufgingen. Vielmehr stellt er die Diskrepanzen zwischen ACT UP auf der einen Seite und Schwulenbewegung und Aidshilfen auf anderen Seiten heraus. Besonders betont er die gegen HIV-Positive feindliche Politik, wie sie vor allem von Peter Gauweiler und Horst Seehofer betrieben wurde.

Rezensiert auf: socialnet, 25.1.2018 (Online).

(3) “Demo. Für. Alle. Homophobie als Herausforderung”; von Detlef Grumbach (Hg.):

Der vorliegende Band formuliert zuallererst ein Unbehagen mit den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen. Rechte und reaktionäre Strömungen stellen, so die Autoren, eine zunehmende Bedrohung für LSBTIQ* dar – und Anhänger(_innen) von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien und Initiativen fänden sich auch unter LSBTIQ* selbst. Wichtig am Band ist, dass er diese Verunsicherung transparent macht und mit einigen theoretischen Überlegungen unterfüttert. Gleichzeitig werden aus einigen Beiträgen Ansätze für Strategien gegen diese reaktionären Strömungen deutlich: Vielfach wird die Koalition mit anderen Gruppen angesprochen, die der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt in LSBTIQ* Rechnung tragen, aber auch mit anderen Marginalisierten zusammengehen sollte. Das Stichwort Intersektionalität taucht auf, auch das gemeinsame Streiten gegen Rassismus und Geschlechterhierarchie. Hier wird anzusetzen sein – und könnte mit einer Selbstreflexion schwuler Kontexte begonnen werden.

Rezensiert auf: socialnet, 24.1.2018 (Online).

(4) “Magnus Hirschfeld und seine Zeit”, von Manfred Herzer:

Das Buch ist ein unbedingtes Muss für alle diejenigen, die sich mit schwuler Geschichte im Allgemeinen und mit Magnus Hirschfeld und seinen Zeitgenoss_innen im Besonderen beschäftigen. Es stellt einen sehr guten Auftakt für die weitere Debatte dar.

Rezensiert auf: socialnet, 29.1.2018 (Online).

Im Jahr 2017 habe ich die folgenden Bücher besprochen und gebe euch und Ihnen hier einen kurzen Überblick. Die Rezensionen sind jeweils im Volltext online verfügbar. Ich wünsche eine gute Lektüre und wünsche einen schönen Jahresausklang! Heinz-Jürgen Voß

Das Coming-out der Staaten. Europas sexuelle Minderheiten und die Politik der Sichtbarkeit
von Phillip M. Ayoub
rezensiert auf: socialnet, 21.12.2017 (Online).

Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit
von Stephanie Kuhnen (Hg.)
rezensiert auf: socialnet, 7.12.2017 (Online).

Selbsthass & Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität
von Patsy l´Amour laLove (Hg.)
rezensiert auf: socialnet, 24.11.2017 (Online).

Wir Deutschen und die Liebe. Wie wir lieben. Was wir lieben. Was uns erregt
von Christoph Drösser
rezensiert auf: socialnet, 23.10.2017 (Online).

Unterscheiden und herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart
von Sabine Hark & Paula-Irene Villa
rezensiert auf: socialnet, 23.10.2017 (Online).

Wege zum Nein. Emanzipative Sexualitäten und queer-feministische Visionen. Beiträge für eine radikale Debatte nach der Sexualstrafrechtsreform in Deutschland 2016
von Sina Holst, Johanna Montanari (Hg.)
rezensiert auf: socialnet, 18.10.2017 (Online).

Über Heteronormativität: Auseinandersetzungen um gesellschaftliche Verhältnisse und konzeptuelle Zugänge
von Herrera Vivar, Maria Teresa; Rostock, Petra; Schirmer, Uta; Wagels, Uta (Hg.)
rezensiert auf: Dasendedessex, 10.4.2017 (Online).

Creatures: Aufsätze zu Homosexualität und Literatur
von Dirck Linck
rezensiert auf: Dasendedessex, 3.4.2017 (Online).

Eine Übersicht aller Rezensionen (und Aufsätze) auch früherer Jahre findet sich hier.

1

Cover Für mehr lesbische SichtbarkeitGern weise ich auf den Band von Stephanie Kuhnen (Hg.) für mehr lesbische Sichtbarkeit hin. Ich habe ihn für socialnet (zur vollständigen Rezension) besprochen. Im Folgenden findet ihr und finden Sie einen Auszug aus der Rezension:

... Zentral für die Analyse der Situation von Lesben ist der von Birgit Bosold verfasste Aufsatz „Doppeläxte raus! Warum die schwul-lesbischen Bündnisse der 1990er Jahre vielleicht doch nicht eine so gute Idee waren“ (S. 18). Bosold stellt darin die finanzielle Förderung im Land Berlin für LSBTTIQ*-Projekte vor: Im Jahr 2016 gingen demnach von 3,7 Millionen Euro 1,7 Millionen (46 %) an zwei Träger, die sich insbesondere um Belange schwuler Männer kümmern. Lediglich 18 % (677.000 Euro) gingen an lesbische Projekte. Für den Zeitraum von 2009 bis 2015 stellt Bosold eine ähnliche Ungleichheit fest. Als zweites Beispiel führt Bosold die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld an, die im Jahr 2013 insgesamt 24 Projekte förderte, darunter war nur ein einziges explizit lesbisches Projekt. Schon ökonomisch entstehe damit eine Situation, in der lesbische Projekte kaum überleben könnten. Im Weiteren zeigt Bosold auf, dass Lesben auch in der einschlägigen Geschichtsschreibung zu Homosexualität unterrepräsentiert sind – obwohl Bände übergreifend als „homosexuell“ bezeichnet werden – und nicht etwa als „schwul“ –, kämen Frauen darin kaum vor. Die „Unsichtbarmachung“ betreffe Lesben auch in der Erinnerungskultur, wo Schwule mit Macht durchgesetzt hatten, dass am NS-Mahnmal ausschließlich Männern gedacht werden sollte. Auch die abschließend gefundene Kompromisslösung setze Lesben nur hinzu, während die schwulen Männer dominant blieben. Bosold schlägt entsprechend, im Anschluss an Sabine Hark, mehr Eigenständigkeit für lesbische Forderungen vor, und es gelte sich vor Augen zu führen, wie die „Differenzen ineinander verwoben sind und hierarchisch organisiert wurden“ (S. 24, nach Hark, Hervorhebung im Original). Und weiter:

Es wäre viel gewonnen, wenn ‚wir‘ mehr Sorgfalt darauf verwenden würden. Präzise herauszuarbeiten, was wir jeweils Unterschiedliches wollen, statt dies mit dickem rosa Zuckerguss zu bemänteln. (Ebd.)

Die Herausgeberin Stephanie Kuhnen schließt in ihren Beiträgen an einige der Perspektiven von Bosold an. So betont sie die Bedeutung von Alexander Zinn, der sich gegen die Forderungen der Lesben stark gemacht hatte, am „Homo-Mahnmal“ auch der im NS ermordeten lesbischen bzw. frauenliebenden Frauen zu gedenken (S. 134). Kuhnen betont in den Aufsätzen „Sichtbarkeit ohne Baedeker“ und „Vom Verschwinden einer Identität“ die wichtige Bedeutung von lesbischer Sichtbarkeit und die Notwendigkeit eigenständiger Demonstrationsformen, wie der Dyke*Marches. Sie stellt fest, dass in der Community Lesbenprojekte zunehmend verdrängt wurden und werden. Auch heute, nach „Homo-Ehe“ und schließlich Öffnung der Ehe, gelte:

Die Verliererinnen sind wieder einmal die Lesben, die mit der Normalisierung in den 2000ern auf die billigen Plätze verwiesen wurden und jetzt allmählich aus der Legende der erfolgreichen Emanzipation geschrieben werden. […] Die Marginalisierung von Lesben hat Methode. (S. 27)

... weiter auf socialnet

[Aktualisiert: 8.1.2019]

Zum Dritten deutschen Männergesundheitsbericht - Sexualität von Männern (mehr Informationen zum Bericht) gab es bereits in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung eine sehr gute Resonanz, die sich in Berichten zeigt und auch bereits in der punktuellen genaueren Beschäftigung mit Einzelbeiträgen. Dafür schon vielen Dank! Über weitere Berichte, Besprechungen, Diskussionen und Diskussionsveranstaltungen freuen sich die Herausgebenden - auch gerade weil sexuelle Gesundheit im Sinne von Wohlbefinden (und nicht nur als 'Abwesenheit von Krankheit') zu selten Thema ist, wenn es um Männer und Männlichkeiten geht.

In seiner umfassenden Besprechung auf socialnet schreibt Prof. Dr. Rüdiger Lautmann u.a.: "[D]er Band trägt Handbuchcharakter und erfüllt die anspruchsvollen Kriterien dieses Formats vollauf. Die Themen der Artikel sind passend ausgewählt, sodass das Feld vollständig abgedeckt wird und Überschneidungen auf ein Minimum beschränkt bleiben. Die Beiträge stammen von kompetenten Vertreter*innen des Fachs; die hier zu erwartenden Namen tauchen tatsächlich auf. Die Texte sind gut lesbar und ohne Redundanz geschrieben. Probleme werden benannt, Handreichungen für die Praxis angeboten. Jeder Artikel verfügt über eine Zusammenfassung in Deutsch und Englisch. Das Sachregister verweist (leider nur) auf die Artikel, nicht auf Seiten. Beeindruckend ist die Fülle verwerteter Literatur. Fazit: Das Buch bietet eine umfassende Sammlung der Themen und vorliegenden Erkenntnisse zum Sexualverhalten insbesondere der Männer. In dieser Vollständigkeit geschieht das erstmals. Der Band versammelt sowohl die sachlichen Informationen als auch die kritischen Fragen. Er eignet sich als Ausgangspunkt, um Forschungsfragen zu entwickeln, ferner auch für die Lehre im Bereich der Sozialen Arbeit, der Sexualpädagogik und Public Health. Sogar die an Aufregern so interessierte Journalistik könnte sich hier Anstöße holen, um dem Publikum eine wirklichkeitsorientierte Aufklärung zu vermitteln." (online)

In einer Besprechung auf www.kritisch-lesen.de schreibt Olaf Stuve zum Männergesundheitsbericht unter anderem: "Angesichts der Diagnose über die aktualisierte Politisierung von Sexualitäten und Geschlechterverhältnisse, ist in dem Männergesundheitsbericht 2017 eine wichtige Stimme für eine geschlechtliche und sexuelle Vielfalts- und Gerechtigkeitspolitik zu sehen. Orientierungspunkte für die Ausrichtung des Berichts stellen reale Bedürfnisse in einer heterogenen geschlechtlichen und sexuellen Wirklichkeit dar. Das erscheint umso wichtiger, sind Männlichkeit und Sexualität derzeit doch zu einem umkämpften Terrain geworden, wie lange nicht mehr. Für weitere wissenschaftlich-praktische Diskussionen in den Arbeitsfeldern Medizin, Sexual- und geschlechterreflektierte Pädagogik, soziale Arbeit, (Psycho-)Therapie sowie kritische Geschlechter-, Männlichkeits- und Männer*forschung sind eine Fülle von Informationen und Anregungen mit dem Bericht vorgelegt. Es ist zu hoffen, dass der engagierte Austausch im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit an dem Bericht fortgesetzt wird." (Online)

3sat: Im Kontext der Sendung scobel am Donnerstag zu "Männliche Lust: Gesellschaftliche Normen und Rollenbilder sind im Wandel" hat Gert Scobel den Männergesundheitsbericht besprochen und gewürdigt. Scobel folgert: "Der dritte deutsche Männergesundheitsbericht ist sehr vollständig in der Abdeckung nahezu aller Themenbereiche." Das Rezensionsvideo gibt es hier (3sat).

Die weiteren erschienenen Rezensionen und medialen Beiträge sind - sofern möglich - im Folgenden kurz verlinkt:

Deutschlandfunk, 9. Mai 2017, zugänglich über den Sender.

Deutsches Ärzteblatt: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/74507/Dritter-Maennergesundheitsbericht-stellt-Sexualitaet-in-den-Fokus

NDR: https://www.ndr.de/info/Neuer-Maennergesundheitsbericht-Sexualitaet-als-Klischee,audio322532.html

Berliner Morgenpost: https://www.morgenpost.de/web-wissen/article210451993/Wenn-Jungen-Pornofilme-gucken.html

Hamburger Abendblatt: http://www.abendblatt.de/vermischtes/article210456719/Pornos-ueberall-Verlernen-Jugendliche-die-echte-Liebe.html

Thüringer Allgemeine: http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Wenn-Jungs-Pornos-gucken-1827874661

Braunschweiger Zeitung: https://www.braunschweiger-zeitung.de/panorama/article210456719/Pornos-ueberall-Verlernen-Jugendliche-die-echte-Liebe.html

Urologische Nachrichten: http://biermann-medizin.de/fachbereiche/urologie/medizin-forschung/maennliche-sexualitaet-wir-muessen-reden

Ärzte-Zeitung: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/erektile-dysfunktion/article/934999/maennergesundheitsbericht-sexualprobleme-sprechstunde-tehmatisieren.html

Mitteldeutsche Zeitung: http://www.mz-web.de/merseburg/maennergesundheit-beschneidung-bald-kassenleistung--26828232

Mitteldeutsche Zeitung: http://www.mz-web.de/merseburg/dritter-maennergesundheitsbericht-erektionsstoerungen-als-fruehwarnsystem-26847820

NDR Wissenschaftsmagazin: https://www.ndr.de/info/Neuer-Maennergesundheitsbericht-Sexualitaet-als-Klischee,audio322532.html

m.aerzteblatt: http://m.aerzteblatt.de/news/74507.htm

Welt: https://www.welt.de/gesundheit/article164224175/Zweimal-Sex-in-der-Woche-ist-Bloedsinn.html

Univadis Medizinportal: https://www.univadis.de/viewarticle/stiftung-maennergesundheit-sexualitaet-ist-wesentlicher-bestandteil-von-gesundheit-516700?s1=news

DocCheck: "Männer, geht spielen".

Urologenportal: "Im Fokus des 3. Männergesundheitsberichts - Sexualität von Männern".

Mehrfach auf MDR, TV und Hörfunk, am 4. und 5. Mai 2017.

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