Springe zum Inhalt

Mit Knef, Whinehouse und La Cage aux folles..., gesungen von Gerômina Castell, landen wir bei den Beiträgen des Buches „Westberlin – ein sexuelles Porträt“.

Mit: Gérômina Castell, Nora Eckert, Cihangir Gümüştürkmen, Peter Hedenström, Manfred Herzer-Wigglesworth, Wilfried Laule und Heinz-Jürgen Voß u.a.

Zeit: Freitag, 22. Oktober, 19:00 Uhr

Ort: Terzo Mondo (Grolmanstraße 28, 10623 Berlin)

Corona: Voraussetzung für die Teilnahme ist die 3G-Regel (vollständig geimpft, genesen oder aktuell getestet). Bitte bringen Sie den Nachweis mit.

Das Leben ist schön, auch wenn Covid Blessuren hinterließ, weiß die Castell. Sie bringt Chansons zu Gehör, die versinnbildlichen, was im Buch „Westberlin – ein sexuelles Porträt“ so fulminant geschrieben steht. Mit Knef, Whinehouse und La Cage aux folles..., gesungen von Gerômina Castell, landen wir so bei den Beiträgen des Buches „Westberlin – ein sexuelles Porträt“. Zur Buchvorstellung blicken Autor*innen zurück auf jenen Ort, wo sich türkische Transfrauen ebenso zu Hause fühlten wie lesbische Aktivistinnen. Hier war der Ort für politische Aktion und Ausschweifungen aller Art, inklusive schwulem Sex in der U-Bahn. Dabei soll die queere Geschichte nicht verklärt werden. So erschien Westberlin zwar einerseits als „Rettungsring“ – zugleich war die Stadt allein schon wegen AIDS Ort vieler tragischer Momente.

Nach der kurzweiligen Buchvorstellung gibt es Raum zur Diskussion.

Mit dabei sind:

Manfred Herzer-Wigglesworth, freier Schriftsteller und bester Kenner von Magnus Hirschfeld, mit zahlreichen Publikationen.

Wilfried Laule ist freier Künstler – Maler, Grafiker, Kunsterzieher – in Berlin; zahlreiche internationale Ausstellungen. Viele der Zeichnungen auf Flugblättern und in Broschüren der Schwulenbewegung stammen von ihm.

Peter Hedenström, Pionier der Schwulenbewegung, Mitbegründer der „Homosexuellen Aktion Westberlin“, des Verlags Rosa Winkel und der Buchhandlung Prinz Eisenherz.

Gérômina Castell, Vollplayback-Performerin, mit wechselnden Programmen auf den Berliner Bühnen zu sehen, u.a. am Deutschen Theater.

Cihangir Gümüştürkmen, interdisziplinärer Künstler, der genreüber­greifend arbeitet - von Malerei und Objektgestaltung bis hin zu Performance.

Nora Eckert, Autorin, früher Garderobenfrau im Chez Romy Haag, heute im Vorstand des Vereins TransInterQueer e. V. Berlin.

Heinz-Jürgen Voß, Herausgeber von „Westberlin – ein sexuelles Porträt“, Professor an der Hochschule Merseburg.

Lara Ledwa war bei ihrer historischen Aufarbeitung auch auf „problematische Tendenzen im LAZ wie Rassismus, Klassismus und Transfeindlichkeit gestoßen“ (S. 14/15) und hatte in ihrem insgesamt gegenüber dem LAZ dennoch sehr wertschätzenden Buch auch kritische Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Geschichte angeregt und eingefordert.
Cover des Buches "Mit schwulen Lesbengrüßen: Das lesbische Aktionszentrum Westberlin"

Es geht um das Buch Mit schwulen Lesbengrüßen: Das Lesbische Aktionszentrum Westberlin (LAZ) von Lara Ledwa (Informationen: https://www.psychosozial-verlag.de/2930 ). Auf dem Cover ist das Venussymbol in lesbischer Variante mit einer kämpferischen Faust zu sehen, der Kreis wird gesprengt. Außerdem wird als Untertitel, einer historischen Studie angemessen, der Schriftzug „Das Lesbische Aktionszentrum Westberlin (LAZ)“ verwendet.

Dagegen haben drei angebliche Gründerinnen des LAZ nun über eine Rechtsanwaltskanzlei die Forderung nach einer Unterlassungserklärung verschickt. Sie behaupten, sie seien die Urheber*innen des Logos, die Cover-Gestaltung verletze ihre Urheber*innenrechte, und sie fordern die Einstellung des Buchvertriebs und Schadenersatz.

Was aus ehemals kapitalismuskritischem Aktivismus alles werden kann! Das kämpferische Venussymbol in den verschiedenen Abwandlungen ist in der lesbischen Community und auch für Trans*-Inter*-Aktivismus mittlerweile weit verbreitet – und das kämpferische Venussymbol wurde schon verwendet, lange bevor sich das LAZ überhaupt gründete.

Der jetzt behauptete Rechtsanspruch, der nicht gerechtfertigt erscheint, bedroht lesbischen, feministischen und queer-feministischen Aktivismus. Und mit Kapitalismuskritik hat er gar nichts mehr zu tun. Vielmehr ist jetzt die Frage: Wem gehört der lesbische Aktivismus?

Die Auseinandersetzung hat insbesondere einen inhaltlichen Hintergrund: Einige der ehemaligen LAZ-Aktivistinnen hatten sich zuletzt deutlich von den historischen Forschungen Lara Ledwas distanziert, weil sie nicht alle Ausführungen für gerechtfertigt hielten. Denn Ledwa war bei ihrer historischen Aufarbeitung auch auf „problematische Tendenzen im LAZ wie Rassismus, Klassismus und Transfeindlichkeit gestoßen“ (S. 14/15) und hatte in ihrem insgesamt gegenüber dem LAZ dennoch sehr wertschätzenden Buch auch kritische Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Geschichte angeregt und eingefordert. Auf diesem Weg eine kritische Stimme unterdrücken zu wollen, hat mit lesbischem, feministischem und queerfeministischem Aktivismus ganz sicher nichts zu tun.

Das Lesbische Aktionszentrum Westberlin trug maßgeblich zur bundesdeutschen Emanzipationsbewegung von Lesben und Frauen bei.

Gerade ist in der Buchreihe "Angewandte Sexualwissenschaft" im Gießener Psychosozial-Verlag das Buch "Mit schwulen Lesbengrüßen" neu erschienen. In ihm geht die Autorin Lara Ledwa der Geschichte des Lesbischen Aktionszentrums Westberlin (LAZ) ausführlich nach. Im Klappentext heißt es:

Cover "Mit schwulen Lesbengrüßen"

Das Lesbische Aktionszentrum Westberlin trug maßgeblich zur bundesdeutschen Emanzipationsbewegung von Lesben und Frauen bei. Anhand des Archivmaterials macht Lara Ledwa historisches Wissen über marginalisierte, politische und soziale Kämpfe zugänglich und verknüpft es mit aktuellen theoretischen Ansätzen, die für die lesbisch_queeren Bewegungen wichtig sind. Sie würdigt den feministischen, lesbischen und antikapitalistischen Widerstand der Aktivistinnen, untersucht aber auch kritisch die teilweise ausschließenden lesbisch-feministischen Positionen. Dadurch eröffnet Ledwa einen solidarischen Dialog zwischen verschiedenen aktivistischen Lagern und Generationen.

Das Buch ist überall im Buchhandel und über den Verlag erhältlich:

Lara Ledwa
Mit schwulen Lesbengrüßen: Das Lesbische Aktionszentrum Westberlin (LAZ)
Gießen: Psychosozial-Verlag
Sept. 2019, 157 Seiten, 19,90 Euro
ISBN-13: 978-3-8379-2930-0
Verlagsinformationen