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Sehr gern weise ich auf die Veranstaltung #zur debatte# in der Kunsthalle Berlin hin. Sie findet am kommenden Dienstag, 6. Juni 2017, ab 17:30 Uhr statt. Mit dabei sind die Beiträge:

  • Vielfalt anerkennen, Debatten wertschätzend führen - Wege zu einer guten Diskussionskultur
    Heinz-Jürgen Voss
  • #direnayol (#resistayol) (Kanka Productions, 2016)
    Rüzgâr Buşki
  • How was your day? (Tal Iungman, 2016)
    Tal Iungman

Ausführliche Informationen finden sich hier. Alle Interessierten sind zur Veranstaltung herzlich eingeladen!

Bereits im Vorfeld führt die Siegessäule ein Gespräch unter dem Titel "Was fasziniert Schwule, Lesben oder Trans*menschen an der AfD?". Das Interview mit meinen Antworten findet sich hier.

Der "Dritte deutsche Männergesundheitsbericht - Sexualität von Männern" ist nun erschienen und kann über jede Buchhandlung und den Verlag bezogen werden.

Der Bericht berücksichtigt facettenreich die Lebenslagen von Männern. Gewonnen hat der Bericht von der interdisziplinären Verzahnung soziologischer und medizinischer Perspektiven, die durch die Kooperation von Stiftung Männergesundheit und Hochschule Merseburg möglich wurde. Dabei tragen die Beiträge auch den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung, in denen digitale Medien eine größere Rolle einnehmen und sich Männlichkeiten diversifizieren. So werden neben den klassisch im Berichtswesen thematisierten Männlichkeiten auch Trans*- und Inter*-Männlichkeiten betrachtet und im Hinblick auf gelingende Sexualität von Männern dargestellt.

Dritter deutscher Männergesundheitsbericht: Sexualität von Männern
von Doris Bardehle, Heinz-Jürgen Voß, Theodor Klotz, Bettina Staudenmeyer, Stiftung Männergesundheit (Hg.)

Psychosozial-Verlag, Gießen
2017, 449 Seiten, 39,90 Euro
ISBN: 978-3-8379-2683-5

Informationen beim Verlag: hier.
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: hier.
Übersicht über erschienene Presseresonanz und Rezensionen: hier.

Die Vorstellung des Männergesundheitsberichts findet bei Veranstaltungen am 3. Mai in Berlin (Bundespressekonferenz, für Journalist_innen) und am 4. Mai in Merseburg (öffentlich) statt.

Auch wenn der Begriff „Heteronormativität“ bereits 1991 formuliert wurde (vgl. auch Gender-Glossar), lassen sich weiterhin bemerkenswerte und aktuelle Reflexionen hinzusetzen, wie der vorliegende Band zeigt. Der US-amerikanische Literaturwissenschaftler Michael Warner hat seinerzeit den Begriff geprägt, um (Hetero-)Sexualität als „normatives gesellschaftliches Strukturprinzip“ (S. 90; vgl. Gender-Glossar) zu beschreiben und zu untersuchen. Es geht bei „Heteronormativität“ also um den normativen Charakter von Heterosexualität in Gesellschaft, nicht um die Ablehnung von Heterosexualität an sich (wie es mitunter in rechtspopulistischen Zuschreibungen der wissenschaftlichen Theoriebildung unterstellt wird). Der Begriff „Homonormativität“ in der heute gebräuchlichen Form wurde deutlich später – 2002 – von Lisa Duggan geprägt, um neuere Politiken zu beschreiben, mit denen bisher gesellschaftlich stigmatisierte homosexuelle Lebensweisen in die klassischen heteronormativen Bahnen gelenkt werden. Ehe, Kinder, Hausbesitz, Monogamie und das "Recht", im Militär mitzutun, würden nun auch dort Standard und Lesben und Schwule erhielten gesellschaftliche Integrationsangebote, wenn sie sich an der Heteronorm und den klassischen gesellschaftlichen Idealen von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ orientierten.

Der 2016 im Verlag Westfälisches Dampfboot erschienene Sammelband „Über Heteronormativität“, herausgegeben von Maria Teresa Herrera Vivar, Petra Rostock, Uta Schirmer und Karen Wagels, liefert nun ein Upgrade des Analysestandes zu Heteronormativität, den Martin Mlinarić in seinem Überblicksbeitrag zur heteronormativen Situation in Serbien und Kroatien treffend charakterisiert:

„Doch handelt es sich bei dem zeitgenössischen Dispositiv wirklich nur um ein Update von Heteronormativität? In der Selbstwahrnehmung des globalen Nordens erscheint es eher als Upgrade eines heteronormativen Betriebssystems respektive Dispositivs als eine höherwertige Konfiguration, die nicht nur einfach aktualisiert, sondern auf eine ganz neue, überlegenere Stufe gehoben wurde und sich als deutlich effizienter, ‚besser‘ und ‚gerechter‘ als ältere Versionen erweist.“ (S. 215, Hervorhebungen im Original)

Dieses Upgrade werde gerade dadurch erreicht, dass das im globalen Norden etablierte "heteronormative Betriebssystem" über den punktuellen, leicht rückholbaren Einschluss einiger homosexueller Lebensstile gegenüber den normativen Systemen im globalen Süden als „überlegen“ präsentiert werde: Continue reading “Gesellschaftlich findet ein Heteronormativitäts-Upgrade statt… Rezension von “Über Heteronormativität” (hg. von Herrera Vivar/Rostock/Schirmer/Wagels)” »

Wer feste Identitäten mag, ist in der schwulen Literatur und Kunst in der Regel nicht richtig. Dort zeigen sich Auflösungen und ambige Aushandlungen, die sexuelle Akte, Verlangen und konkretes menschliches Miteinander in den Mittelpunkt stellen. Oder, wie Dirck Linck im vorliegenden Buch Hubert Fichte zitiert:

„Ich lobe den Arsch, den ich fühlen kann, sehen, riechen, schmecken, hören, den sinnlichsten von allen! […] Ich lobe den Arsch, der ist wie ein Auge, das wie die Welt ist, die wie ein Arsch ist!“ (Pubertät; nach: Linck, S. 118)

Wunderbar, dass es literaturwissenschaftliche Meister_innen gibt, die auch jenen einen Zugang zu Literatur ermöglichen, die erst eine kleine Hilfestellung benötigen – einen freundlichen Hinweis. Ich bin eine solche Person, die für Hilfestellung dankbar ist, die gern liest, aber gern auf andere Lesweisen aufmerksam gemacht wird. Dirck Linck gehört zu denen, die zur Hilfestellung in der Lage sind. Er ist ein ausgewiesener Kenner der subversiven, gendervarianten, schwulen und queeren Literatur – und macht Lust darauf, sie zu lesen, neu zu interpretieren und sich von ihr neu, politisch und aktivistisch inspirieren zu lassen. Und Linck schlägt anregende Perspektiven selbst vor, über die der Austausch lohnt. Continue reading “Schwule Literatur, Kunst und Politik – Besprechung des Buches “Creatures: Aufsätze zu Homosexualität und Literatur” von Dirck Linck” »

Gerade von einer schönen Buchvorstellung von Zülfukar Çetins und meinem Buch aus Wien zurück. Es war schön bei Löwenherz! Und für alle, die lieber erst einmal ins Buch 'hineinhören' wollen, um es dann zu lesen, gibt es nun auch ein einführendes YouTube-Video:

Also gern sehen - und wer dann das Buch lesen und diskutieren mag, hat morgen (Mittwoch, 22.3.) in der Rosalinde in Leipzig und am Donnerstag (23.3.) in der Frauenkultur in Leipzig bei Buchvorstellungen zur Buchmesse Gelegenheit dazu.

 

Gern weise ich auf den folgenden Beitrag in der aktuellen "analyse & kritik" hin. Er nimmt die aktuell deutlicher aufgekommenen erfreulichen Debatten um schwule Identität zum Ausgangspunkt. Im Folgenden ist der Anfang des ak-Artikels dokumentiert:

Von der Erfahrung ein „Kuckucksei“ zu sein – Coming-out als Erleben des Ausgeschlossenseins aus der Mehrheit

Unter Schwulen bzw. in schwulen Medien wird aktuell intensiv über das Buch „Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“ (Inhalt u. Leseprobe) debattiert, das im Oktober erschienen ist (siehe ak 621). So sieht beispielsweise Patsy L’Amour laLove Schwule der (weißen) Dominanzkultur – bezogen auf Rassismus und Antisemitismus – auf der Täterseite eingeordnet. Aus Ihrer Sicht zu unrecht. Zudem sieht sie mit den Vorschlägen von Zülfukar Çetin und mir das schwule Coming-out in Gefahr und Schwule in die Unsichtbarkeit verbannt. (1) Eine Rezension von Ulrike Kümel auf queer.de unter dem Titel „Warum schwule Sichtbarkeit nicht grundsätzlich gut ist“ (2), führte ebenfalls zu intensiver Diskussion, wie es für Sachbücher auf queer.de sonst unüblich ist. In der queer.de-Rezension, wie auch in den Besprechungen in ak (3) und auf dem Blog von Antje Schrupp (4) wird gerade die kritische Reflexion, die im Buch in Bezug auf „starre Identität“ und Identitätspolitik vorgenommen wird, ausdrücklich gewürdigt. Der vorliegende Text soll einen Einstieg in Fragen zu schwuler Sichtbarkeit liefern – am Beispiel des pädagogischen Umgangs mit Coming-out. Damit wird eine der Thesen des Buches aufgegriffen. weiter in der gedruckten Ausgabe (ak 622)

(1, 2, 3, 4): Überblick über die erschienenen Rezensionen (dort ist jeweils die ausführliche Quelle angegeben).

Sehr gern weise ich auf die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Siegessäule (Dezember 2016) hin - einerseits zum Schwerpunkt HIV und einem Jahresrückblick. Andererseits diskutiert Roberto Manteufel im Heft, in seiner Kolumne „Seitenblick“, das Buch „Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“. Er merkt unter anderem an: „In ihrem Buch gehen [Çetin und Voss] ans Eingemachte. Sie skizzieren, wie das Wort ‚homosexuell‘ allein schon durch seine historischen Ursprünge rassistisch gefärbt wurde. ‚Echte Homosexualität‘ fände sich zum Beispiel nur bei reichen weißen Nordeuropäern, konstatierte Hirschfeld. Ursprünge, die bis heute ihre Wellen schlagen. Denn – um mal so richtig die Ironiekeule zu schwingen – wir als weiße, aufgeklärte Schwule wissen schon, wie es geht. Also in Sachen Toleranz und Miteinander und überhaupt. Dagegen sehen zum Beispiel die Muslime so richtig alt aus. […] Klingt doch einleuchtend. Nur stimmt das wirklich? Erschreckend klar analysieren Çetin und Voss, wie hinter solchen Gedankengängen ein neues Wir-Verständnis steht, das auch hervorragend als politisches Kampfinstrument dient. Denn Wir, das sind inzwischen auch wir Homos. Wir sind die treuen Demokraten, die gebildet sind und euch den Wohlstand bringen, wenn ihr es nur richtig macht. Vertraut uns bitte, denn was wahre Freiheit ist, das wissen einzig wir. Denn Wir, das sind diejenigen, die in Schwarz und Weiß denken, in Okzident und Orient, in fortschrittlich und rückständig. Ganz ehrlich, Nachtigall, ick hör dir trapsen. Das riecht nach großem Ärger.“ (Siegessäule, Dezember 2016, S. 49) Die ganze Zeitschrift bekommt ihr digital auf www.siegessaeule.de und als gedrucktes Heft in zahlreichen Bars und Kneipen.

# Übersicht über weitere Rezensionen zum Buch: hier.
# Informationen zum Buch: hier.

In der aktuellen Ausgabe (November 2016) der Zeitschrift "analyse & kritik" hat die Sozialarbeiter_in und Geschlechterforscher_in Lisa Krall das Buch "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven" (von Zülfükar Çetin und Heinz-Jürgen Voß) besprochen. In der Rezension schreibt sie unter anderem: "Çetin und Voß setzen sich in ihrem Band kritisch mit der Identitätskategorie »des Homosexuellen« und der mit ihr verbundenen Emanzipationsbewegung auseinander und diskutieren beides als Bestandteile westlicher Hegemonie. Im dicht argumentierten ersten Teil bereiten sie den Boden für zwei weitere Kapitel, die sich einmal auf »Homosexualität« in Naturwissenschaften und in Pädagogik konzentrieren (Voß) und zweitens Homo-/Queerpolitiken sowie Homonationalismus in Zusammenhang mit Gentrifizierung setzen (Çetin)..." weiter geht es hier, bei "analyse & kritik".

PSY-Cetin-2549-v03.inddSehr gern weise ich auf die folgenden drei Veranstaltungen in Berlin hin, bei denen das Buch "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven" gemeinsam von Zülfukar Çetin und Heinz-Jürgen Voß vorgestellt wird. (Informationen zum Buch finden sich hier hier ; eine sich erweiternde Übersicht erscheinender Rezensionen findet sich hier .

Die Buchvorstellungen:

[1] 18. November 2016, 19:00 Uhr, Schwules Museum (Lützowstraße 73, Berlin)
Vorstellung und Diskussion gleich von zwei Büchern. Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß und Jule Govrin stellen ihre jeweils neu erschienen Bücher vor und diskutieren miteinander. Bücher: Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß: "Schwule Sichtbarkeit - Schwule Identität. Kritische Perspektiven"; Jule Jakob Govrin: "Sex, Gott und Kapital. Houellebecqs Unterwerfung zwischen neoreaktionärer Rhetorik und postsäkularen Politiken".

[2] 19. November 2016, 17:00 Uhr, Trude Ruth (Flughafenstraße 38, Berlin)
Vorstellung des Buches "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven" und Gesprächs- und Diskussionsmöglichkeit mit den Autoren Zülfukar Çetin und Heinz-Jürgen Voß.

[3] 16. Dezember 2016, 20:30 Uhr, Prinz Eisenherz Buchhandlung (Motzstraße 23, Berlin)
Zülfukar Çetin und Heinz-Jürgen Voß stellen ihr neues Buch "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: Kritische Perspektiven" vor, das im Oktober im Psychosozial-Verlag erschienen ist. Während "Sichtbarkeit" und "Identität" auch heute noch vielfach als bedeutsam für die politischen Kämpfe Homosexueller um Anerkennung und Respekt gelten, weisen beide Autoren darauf hin, wie auf diese Weise auch "ein Ordnungsregime entsteht, das auf Geschlechternorm, Weißsein, Bürgerlichkeit und Paarbeziehung basiert". Dadurch entstehen Ausschlüsse gegen Queers of Color und Queers mit abweichenden Lebensentwürfen. Die Autoren erläutern die zwiespältige Bedeutung von "Anerkennung" und weisen auf nicht-identitäre Perspektiven hin. Buchvorstellung und Diskussion.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Ich bin sehr überrascht. Das erste Mal seit vielen Jahren stellt der Berliner CSD gute und weitreichende Forderungen auf. Sie sind hier nachlesbar: http://csd-berlin.de/csd-forderungen-2015/ . Und hier auch gleich direkt angeführt:

Dies sind die Forderungen für den Berliner Christopher Street Day 2015, die große Demonstration für LSBTI*-Menschenrechte. LSBTI* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle/Transgender/Transidente, Intersexuelle; das Sternchen [*] steht für Menschen, die sich durch ähnliche Aspekte von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden, die vorgenannten Kategorien jedoch ablehnen.


1. Ehe und Familie: Wir wollen keine Sonderrechte, sondern gleiche Rechte!

Vor 14 Jahren wurde die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland eingeführt. Viele Rechte wurden lesbischen und schwulen Paaren dabei vorenthalten und müssen zum Teil noch immer gerichtlich erstritten werden. Lesben und Schwule stehen jedoch genau wie Heterosexuelle in ihren Beziehungen füreinander ein; homosexuelle und transidente Eltern sorgen sehr gut für ihre Kinder. Die Politik der kleinen Schritte ist vorbei – alles andere als Gleichstellung ist und bleibt Diskriminierung!

  • Für homosexuelle Bürgerinnen und Bürger darf real wie symbolisch kein minderes Recht gelten: Wir fordern die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule!
  • In Berlin und überall in Deutschland wachsen immer mehr Kinder in Regenbogenfamilien auf: Wir fordern die gleichberechtigte Teilhabe dieser Familien in allen Lebensbereichen!
  • Gleiche Rechte bei der Familienplanung: Schluss mit der Diskriminierung beim Zugang zur Reproduktionsmedizin!
  • Gleiche Rechte bei der Elternschaft: Schluss mit der Diskriminierung bei der gemeinschaftlichen Adoption.
  • Automatische Anerkennung der Elternschaft des nicht gebärenden Elternteils in eingetragenen Lebenspartnerschaften.
  • Rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien mit mehr als zwei Elternteilen.


2. Für eine Positive Welt ohne Diskriminierung und Ausgrenzung!

Krankheiten dürfen weder in der Allgemeinbevölkerung noch innerhalb der Community zu Ausgrenzung und Diskriminierung führen. Das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe im kulturellen und sozialen Leben muss individuell leistbar sein können und ist nicht verhandelbar. Chronische Erkrankungen dürfen nicht zu Armut führen.

  • Wir fordern die sofortige Löschung des stigmatisierenden “ANST”-Kennzeichens für “ansteckend” von HIV-Positiven sowie des “GKR”-Kennzeichens für “geisteskrank” aus polizeilichen Datenbanken.
  • Wir fordern Gleichberechtigung und Akzeptanz von HIV-Positiven, Hepatitiden-Positiven sowie weiterer chronisch erkrankter Menschen in der Gesellschaft, insbesondere am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen; dazu fordern wir eine verstärkte Aufklärungs- und Antidiskriminierungsarbeit gegen Stigmatisierungen.
  • Wir fordern die anonyme Chipkarte und Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle!
  • Wir fordern eine menschenwürdige Grundabsicherung jenseits der Armutsgrenze und einen an die individuelle Leistungsfähigkeit angepassten Arbeitsmarkt mit entsprechenden Hinzuverdienstmöglichkeiten.
  • Angemessener Wohnraum im Herzen der Stadt für Menschen mit Behinderungen und chronisch Kranke muss bezahlbar bleiben: Kein Zwangsumzug aus dem sozialen Umfeld!
  • Wir fordern, dass die unangemessene Praxis, in Bewerbungsverfahren oder auch während des laufenden Arbeitsverhältnisses einen HIV-Test zu verlangen oder auch nur anzubieten, rechtlich unterbunden wird.


3. Akzeptanz bilden!

Nur durch die Förderung und ausreichende Finanzierung von Bildung sowie Aufklärung kann Akzeptanz gegenüber anderen Lebensentwürfen schon ab der Schule entstehen. Die umfassende Information aller Menschen unserer Gesellschaft ist zwingend notwendig, um einen Rollback zu verhindern und den Bestrebungen fundamentalistischer Kräfte entgegenzuwirken, andere Lebensentwürfe in Frage zu stellen. Wir fordern:

  • Schulen und andere Bildungseinrichtungen müssen diskriminierungs- und gewaltfreie Orte des Lernens sein!
  • Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sind Querschnittsthemen und müssen verbindlich in den Rahmenlehrplänen der Schulen verankert sein!
  • Die “Initiative sexuelle Vielfalt” (ISV) muss ausgebaut, fortgeführt und für die Zukunft gesichert werden.


4. Vielfalt sichtbar machen, Vielfalt wertschätzen – auch innerhalb der Community!

Sowohl in der Gesamtgesellschaft als auch in den LSBTI*-Communitys finden Diskriminierung und Ausgrenzung statt. Wir alle gehören vielen unterschiedlichen Gruppen gleichzeitig an und können gleichzeitig – auch mehrfach – in einigen Bereichen diskriminiert werden und in anderen privilegiert sein. Homophobie, Rassismus, Sexismus, Trans-, Inter-, Bi- und Lesbenfeindlichkeit, Diskriminierungen aufgrund von Alter, Sero-Status, Behinderungen, Aussehen, sozialem Status oder aus anderen Gründen müssen gesamtgesellschaftlich wie subkulturell thematisiert und überwunden werden.

  • Die Vielfalt von Lebensentwürfen ist nicht nur eine kulturelle Bereicherung, sondern auch Ausdruck der Grundwerte einer dynamischen demokratischen Gesellschaft.
  • Auch innerhalb der Community ist Vielfalt ein Gewinn: Miteinander statt gegeneinander!
  • Die Interessen von Identitäten jenseits des weißen, schwulen, gender-konformen Mannes müssen in der politischen Arbeit stärker berücksichtigt werden.
  • In der medialen Darstellung von Homosexualität müssen lesbische und bisexuelle Frauen sowie LSBTI* of Color stärker in den Vordergrund rücken.
  • Wir müssen gemeinsam aktiv gewaltfreie und diskriminierungsarme Räume schaffen.
  • Trans*-Sein muss entpsychopathologisiert, das Transsexuellengesetz unter Einbeziehung von Trans*-Menschen überarbeitet werden.
  • Geschlechtsnormierende Operationen an Intersexuellen vor deren Einwilligungsfähigkeit sind gesetzlich zu verbieten.
     

5. Keine Altersdiskriminierung!

Unterschiedliche Altersgruppen in der LSBTI*-Community sehen sich unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt. Die gemeinsame Aufgabe ist, voneinander zu lernen, füreinander einzustehen und dem Vergessen der Geschichte entgegenzuwirken. Wir fordern darüber hinaus eine gesetzliche und politische Basis, auf der es sich den Anforderungen jüngerer und älterer LSBTI* entsprechend gut leben lässt.

  • Begegnungen zwischen Jung und Alt schaffen: Wir müssen den Austausch zwischen älteren und jungen LSBTI* verstärken, queere Medien und Publikationen für das Thema gewinnen und über Gewerkschaften und Parteien eine breite Öffentlichkeit finden.
  • Die nach § 175 des Strafgesetzbuchs Verurteilten sind zu rehabilitieren und zu entschädigen.
  • Jugendarbeitslosigkeit von LSBTI* bekämpfen: Wir fordern, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) publik zu machen und verstärkt einzusetzen sowie eine diskriminierungsfreie Öffnung des Arbeitsmarktes.
  • Altersarmut insbesondere von LSBTI* bekämpfen: Auskömmliche Rente für alle!


6. Refugees welcome!

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Flüchtlinge sind oft in einer besonders prekären Lage und brauchen unsere Unterstützung.

  • Es muss sicherer Wohnraum für lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Flüchtlinge geschaffen werden.
  • Die medizinische, psychologische und psychosoziale Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus ist dauerhaft sicherzustellen.
  • Für Anhörungen vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müssen kostenfreie Sprachmittler*innen zur Verfügung stehen, die in LSBTI*-Belangen geschult und sensibel sind.
  • Alle Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten (in Flüchtlings-Wohnheimen, Behörden usw.), müssen in LSBTI*-Belangen sensibilisiert und geschult sein.
  • Die Regelungen zu sogenannten “sicheren” Herkunftsländern müssen im Hinblick auf Sicherheit für LSBTI* und Frauen im Allgemeinen sowie im Hinblick auf eine notwendige medizinische Versorgung (z.B. von HIV-Positiven) überarbeitet werden.