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Gern weise ich auf ein paar Rezensionen aktueller Bücher hin, die ich für socialnet.de verfasst habe. Im Folgenden jeweils ein kurzer Auszug - und der Link zum Weiterlesen:

(1) “Queer Wars: Erfolge und Bedrohungen einer globalen Bewegung”; von Dennis Altman und Jonathan Symons:

Gegen westliche Bevormundung werden Altman und Symons noch deutlicher: „Radikale Ideen voranzutreiben oder eine zu große Sichtbarkeit herzustellen in Gesellschaften, in denen nicht jede Sexualität als eine legitime Identität aufgefasst wird, kann einen Rückschlag provozieren, der vorhandene sexuelle Freiheiten sogar wieder zurückdrängt.“ (S. 138) [...] Leichtgängig liefern Altman und Symons in Freundls Übersetzung dem deutschsprachigen Publikum einen Zugang zum internationalen Stand aktueller Debatten um die Emanzipation von LSBTIQ.

Rezensiert auf: socialnet, 26.1.2018 (Online).

(2) “Schweigen = Tod, Aktion = Leben. ACT UP in Deutschland 1989 bis 1993”; von Ulrich Würdemann:

Ulrich Würdemann liefert mit dem vorliegenden Band einen hervorragenden Einstieg in Betrachtungen zu ACT UP in Deutschland. Er räumt mit dem mitunter angenommenen Mythos auf, dass HIV/Aids-Aktivismus, Aidshilfen und Schwulenbewegung ineinander aufgingen. Vielmehr stellt er die Diskrepanzen zwischen ACT UP auf der einen Seite und Schwulenbewegung und Aidshilfen auf anderen Seiten heraus. Besonders betont er die gegen HIV-Positive feindliche Politik, wie sie vor allem von Peter Gauweiler und Horst Seehofer betrieben wurde.

Rezensiert auf: socialnet, 25.1.2018 (Online).

(3) “Demo. Für. Alle. Homophobie als Herausforderung”; von Detlef Grumbach (Hg.):

Der vorliegende Band formuliert zuallererst ein Unbehagen mit den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen. Rechte und reaktionäre Strömungen stellen, so die Autoren, eine zunehmende Bedrohung für LSBTIQ* dar – und Anhänger(_innen) von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien und Initiativen fänden sich auch unter LSBTIQ* selbst. Wichtig am Band ist, dass er diese Verunsicherung transparent macht und mit einigen theoretischen Überlegungen unterfüttert. Gleichzeitig werden aus einigen Beiträgen Ansätze für Strategien gegen diese reaktionären Strömungen deutlich: Vielfach wird die Koalition mit anderen Gruppen angesprochen, die der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt in LSBTIQ* Rechnung tragen, aber auch mit anderen Marginalisierten zusammengehen sollte. Das Stichwort Intersektionalität taucht auf, auch das gemeinsame Streiten gegen Rassismus und Geschlechterhierarchie. Hier wird anzusetzen sein – und könnte mit einer Selbstreflexion schwuler Kontexte begonnen werden.

Rezensiert auf: socialnet, 24.1.2018 (Online).

(4) “Magnus Hirschfeld und seine Zeit”, von Manfred Herzer:

Das Buch ist ein unbedingtes Muss für alle diejenigen, die sich mit schwuler Geschichte im Allgemeinen und mit Magnus Hirschfeld und seinen Zeitgenoss_innen im Besonderen beschäftigen. Es stellt einen sehr guten Auftakt für die weitere Debatte dar.

Rezensiert auf: socialnet, 29.1.2018 (Online).

Christoph Drösser & Holger Geißler veröffentlichen im Buch Wir Deutschen und die Liebe: Wie wir lieben. Was wir lieben. Was uns erregt die Ergebnisse einer aktuellen YouGov-Studie zu den sexuellen Erfahrungen und Begehrensweisen von in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Menschen. Besonders interessant: Es zeigen sich in der repräsentativen Untersuchung ähnliche Ergebnisse, wie Studien zuvor für die USA und Großbritannien ergeben hatten: Etwa ein Drittel bzw. die Hälfte der Befragten gab an, "nicht zu 100 % heterosexuell" zu sein.

Das bestätigt die Ableitungen aus dem Buch "Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität: kritische Perspektiven" (von Zülfukar Çetin und mir) in denen es unter anderem heißt:

Statt jeder und jedem Jugendlichen das klare Selbstbekenntnis abzuverlangen, das notwendig mit der Abgrenzung von Möglichkeiten und eigenen Wünschen verbunden ist, könnte es aussichtsreicher und diskriminierungsärmer sein, das Identitätskonzept aufzugeben und stattdessen Räume zu eröffnen, in denen sich Kinder und Jugendliche selbst geschlechtlich und sexuell verorten und ausprobieren können. Sie müssen dann nicht befürchten, aufgrund ihres sexuellen Tuns zu den 'Anderen' zu werden oder sich eigene gleichgeschlechtliche Wünsche nicht erfüllen zu können. Dass das Ausprobieren schon stattfindet – bei Mädchen mehr als bei Jungen –, zeigen Jugendstudien.[9] Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vollziehen also möglicherweise die Auflösung der starren Grenzen in der Praxis. (S. 81f.)

Dem aktuellen Buch von Christoph Drösser & Holger Geißler ist gute Verbreitung und den Ergebnissen der Studie eine gute und breite öffentliche Diskussion zu wünschen!

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