Magdeburg, 12.1.17 um 17.30 Uhr: Einladung zur ‘bunten Veranstaltung’ mit Vortrag “Gendermainstreaming an der Hochschule” von Sandra Tiefel

Gerne teile ich den folgenden Veranstaltungshinweis:

Liebe MitstreiterInnen der Gleichstellung,

wie Sie sicher schon alle erfahren haben, ist am 12.01.17 ab 19.00 Uhr in H6 eine Veranstaltung der Campus Alternative Hochschulgruppe (AFD) zum Thema „Gender an der Uni“ geplant, bei welcher André Poggenburg und der pensionierte Prof. Gerald Wolf als Redner auftreten werden. Diese Veranstaltung wurde bislang fast nur über die AFD-Website beworben, so dass die Teilnehmenden diese Politik teilen werden. Im Sinne einer modernen, innovativen und erfolgreichen Hochschule sollte uns allen an einer Präsentation einer demokratischen Positionsvielfalt gelegen sein.

Auf Initiative der StudierendenvertreterInnen soll es dementsprechend am Donnerstag, den 12.01.17 ab 17.00Uhr im HS6 eine „bunte Veranstaltung“ geben, die das formulierte Leitbild der OvGU zur Gemeinschaft zum Leben erweckt:  „Unsere Universität ist eine Gemeinschaft von Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Studierenden, die geprägt ist durch Offenheit, Vertrauen, Toleranz und Kooperation. Sie strebt ein harmonisches Klima an, welches Gesundheit und Leistungsbereitschaft fördert. Chancengleichheit für Frauen und Männer und die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie sind für uns verbindliche Vorgaben.“
(http://www.ovgu.de/Universit%C3%A4t/Im+Portrait/Leitbild.html)

So soll die Pluralität und Vielfalt universitären Lebens und Wirkens mit vielen Menschen sichtbar gemacht werden. Parallel werden z.B. Ausstellungen und Filmclips gezeigt (wer noch etwas beitragen kann, wende sich bitte an den StudierendenRat): stura@ovgu.de).

Das Büro für Gleichstellung beteiligt sich ebenfalls mit einem Vortrag und wir würden uns freuen, wenn Sie zahlreich erscheinen würden.

12.01.2017 – 17.30; H6 OvGU,
Vortrag von Dr. Sandra Tiefel (Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der OVGU):
„Gender Mainstreaming an der Hochschule – Stand und Potenziale einer Strategie zur Förderung von Chancengerechtigkeit im Bildungssektor“.

Trotz der Verankerung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen nach §3 des Grundgesetzes, zeigen sich in der Alltagspraxis wie in sozialen, beruflichen und politischen Kontexten weiterhin unterschiedliche Zugangschancen und –-barrieren für beide Geschlechter. „Die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit ist daher wesentlicher Bestandteil des politischen Handelns der Bundesregierung in allen Politikbereichen“ (www.bmfsfj.de). Der Vortrag diskutiert, welche Strategien und Maßnahmen Hochschulen in den letzten Jahren ergriffen haben, um dieses Leitbild einer gerechten Teilhabe und Ressourcenverteilung umzusetzen? Ziel ist es, über weitere Potenziale für erfolgreiches Gender Mainstreaming an der OVGU nachzudenken und gemeinsam Ideen zu entwickeln.

Wir möchten Sie alle herzlich einladen, Gesicht zu zeigen.
Um bunte Kleidung und Gedanken wird gebeten!

MfG

Sandra Tiefel

Einladung bitte weiterverteilen!

Karla Etschenberg: Für eine Sexualerziehung, die Selbstbestimmung fördert

Auch wenn die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die Aussagen von Professorin em. Karla Etschenberg gleich durch den Beitragstitel “Das wäre ein Beitrag zur Sexualisierung von Kindern” in die eigene politische Stoßrichtung eindeutig einzutüten sucht, ist das Interview von Etschenberg vielschichtig. Deutlich spricht sie sich in einem Interview zum neuen Rahmenlehrplan zur Sexualerziehung in Hessen für eine Sexualerziehung aus, in der auch die Toleranz gegenüber Lesben, Schwulen, Trans* und Inter* eine wichtige Rolle spielt. Diese Bezüge habe es auch in dem zuvor existierenden Rahmenlehrplan bereits gegeben. Etschenberg stört sich beim neuen Rahmenlehrplan aber daran, dass die klar identitätsbezogene Formulierung “LSBTI” zu plakativ daherkomme und etwa die Bedürfnisse von asexuellen und heterosexuellen Jugendlichen sich darin nicht finden. Das ist ein bedenkenswerter Aspekt, da es in der Sexualerziehung (neuer: Sexuelle Bildung) eigentlich darum gehen sollte, dass Kinder und Jugendliche für ein positives Verständnis und Erleben der eigenen Sexualität befähigt werden sollen, anstatt sich klar in die Schablonen “homosexuell” oder “heterosexuell” einfügen zu müssen. Achtsamkeit muss hier gerade Raum dafür lassen, dass sich Kinder und Jugendliche nicht klar einpassen wollen. Gleichzeitig ist es wichtig – und auch das macht Etschenberg deutlich -, dass Kinder und Jugendliche zu Akzeptanz gegenüber lesbischen und schwulen Beziehungen befähigt werden sollen. Etwaige Forderungen von einem Elternverband nach einer dogmatischen christlichen Sexualmoral in Schulen weist sie zurück und fordert:

“Toleranz hat aber etwas mit Duldung zu tun und klingt gönnerhaft. Das ist betroffenen Menschen in einer aufgeklärten demokratischen Gesellschaft nicht zuzumuten und sollte nicht Grundlage von Sozial- und Sexualerziehung an staatlichen Schulen sein. Die christlich-katholische Sichtweise kann im Elternhaus und im Religionsunterricht thematisiert und begründet werden.”

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Ausschreibung von 5 Professuren (W2) an der Hochschule Merseburg, Bewerbungsfrist: 31.8.2016

Liebe Kolleg_innen, liebe Interessierte,

sehr gern weise ich auf fünf aktuell an der Hochschule Merseburg ausgeschriebene Professuren hin. Es handelt sich um die Professuren (alle W2):

  • “Soziologie und Sozialforschung”,
  • “Soziale Arbeit in der Rehabilitation”,
  • “Sozialarbeitswissenschaft / Beratung”,
  • “Sexualwissenschaft und Familienplanung” sowie
  • “Ingenieurmathematik”.

Alle Interessierten mit passender Qualifikation sind herzlich zur Bewerbung ermuntert. Im Folgenden etwas genauer die Ausschreibungen mit den jeweiligen Links zu ausführlichen Informationen:

(1) “Sexualwissenschaft und Familienplanung” (W2-Professur)
Die zukünftige Stelleninhaberin / der zukünftige Stelleninhaber vertritt das Fach Sexualwissenschaft und Familienplanung in Forschung und Lehre. Die Bewerberin / der Bewerber soll umfassende Kenntnisse  in Soziologie und Psychologie der Sexualität sowie Familienplanung aufweisen.  Wünschenswert sind Erfahrungen in der Familienplanungs-, Partnerschafts- und Sexualberatung.
Ausführliche Informationen

(2) “Soziologie und Sozialforschung” (W2-Professur)
Die zukünftige Stelleninhaberin / der zukünftige Stelleninhaber vertritt  das Fach Soziologie bzw. Gesellschaftswissenschaften und Sozialforschung in Lehre und Forschung. Die Bewerberin / der Bewerber soll über ausgewiesene wissenschaftliche und mehrjährige praktische Erfahrungen im Bereich der soziologischen Forschung und der anwendungsorientierten soziologischen Berufspraxis verfügen.
Ausführliche Informationen

(3) “Soziale Arbeit in der Rehabilitation” (W2-Professur)
Die zukünftige Stelleninhaberin / der zukünftige Stelleninhaber vertritt das Fach Soziale Arbeit in der Rehabilitation in Forschung und Lehre. Die Bewerberin / der Bewerber soll umfassende Kenntnisse und Erfahrungen mit den Konzepten und Methoden Sozialer Arbeit im Bereich der Rehabilitation und Behindertenhilfe aufweisen, über solide Kenntnisse zu den Leitideen und der praktischen Umsetzung des ICF verfügen und einen fundierten Einblick in die Grundfragen, Diskurse sowie sozialpolitischen und sozialrechtlichen Grundlagen (SGBs 5,9,12) des Arbeitsgebietes besitzen.
Ausführliche Informationen

(4) “Sozialarbeitswissenschaft / Beratung” (W2-Professur)
Die zukünftige Stelleninhaberin / der zukünftige Stelleninhaber vertritt das Fach Sozialarbeitswissenschaft und Beratung  in Forschung und Lehre. Die Bewerberin / der Bewerber soll über ausgewiesene wissenschaftliche Kenntnisse und praktische Erfahrungen im Bereich der Beratung in  Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit und über eine beraterische Zusatzausbildung verfügen.
Ausführliche Informationen

(5) “Ingenieurmathematik” (W2-Professur)
Die Stelleninhaberin oder der Stelleninhaber soll auf der Grundlage eigener Erfahrungen Lehr- und Forschungsaufgaben zur Numerischen Mathematik und Analysis übernehmen. Es sind darüber hinaus Lehrveranstaltungen zu Grundlagen der Mathematik im Bachelor- und Masterstudium der Hochschule zu halten. Spezielle Erfahrungen bei der Nutzung von Computeralgebrasystemen werden erwartet.
Ausführliche Informationen

Herzliche Grüße
Heinz-Jürgen Voß

Offener Brief zum Leitartikel in der Zeitschrift des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Hr. Dr. Mannke, sehr geehrte Fr. Seltmann-Kuke,

[Hier als pdf-Datei.]

mit Bestürzung habe ich Ihr Statement (Leitartikel) in der aktuellen Zeitschrift des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt gelesen. Ich möchte mich dazu in diesem Brief auch daher an Sie wenden, weil Ihr Verband in meinem Wirkungsort seinen Sitz hat – und weil ich Sie bei unseren Veranstaltungen zu Toleranz, Akzeptanz und gegen Rassismus noch nicht kennenlernen durfte.

Ihr Beitrag nutzt nicht nur äußerst problematische Begriffe wie „Invasion“ und „ungehemmte[] Einwanderungsströme“ in Bezug auf Menschen, sondern verwendet – fast schon als prägnantes Beispiel für Lehrbücher – koloniale und rassistische Ressentiments. So ist es ein altes Motiv, Rassismus über Sexualität zu verhandeln. Einmal wurden und werden Musliminnen und Muslime von Weißen als bedrohlich imaginiert, einmal gelten sie als begehrenswert. Beide Facetten treten in ihrem Beitrag hervor, wenn Sie von „sicher oft attraktiven muslimischen Männern“ schreiben und ihnen gleichzeitig zuschreiben, besonders patriarchal und damit bedrohlich zu sein. Für Ihre aktuelle Lektüre mit Blick auf die Verschränkung von Rassismus und Geschlecht/Sexualität kann ich sehr empfehlen: „Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre ‚Muslime versus Schwule‘“ (hg. von Koray Yılmaz-Günay) und „Schwarze Frau, weiße Herrin“ (von Martha Mamozai). Continue reading “Offener Brief zum Leitartikel in der Zeitschrift des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt” »

Zukunftweisend in Sachsen-Anhalt: Die Professur zu Geschlechterforschung an der Universität Magdeburg muss bleiben!

Nach einem Beschluss des Senats der Universität Magdeburg vom 8. Oktober 2014 soll die Professur „Geschichte der Neuzeit und Geschlechterforschung“ nach dem Ausscheiden der aktuellen Lehrstuhlinhaberin nicht wieder neu besetzt werden. Das ist auch deswegen problematisch, weil es die einzige Professur mit klarer Denomination für Geschlechterforschung ist, nicht nur an der Universität Magdeburg, sondern an allen Universitäten und Fachhochschulen des Landes, und weil sie mit verschiedenen Programmen sowohl in der historischen Forschung als auch zu aktuellen Fragen – etwa der Chancengleichheit im MINT[1]-Bereich – an der Hochschule den Takt angibt.

Gerade an der Universität Magdeburg scheint eine dauerhaft institutionalisierte Geschlechterforschung unerlässlich zu sein, da der Anteil von Frauen an den Professuren im bundesweiten Vergleich mit nur 12 Prozent sehr gering ist (Jahr 2007; Quelle, S.6). In der Bundesrepublik Deutschland lag der Anteil der Professorinnen zuletzt immerhin bei 20 Prozent (Jahr 2012), wobei der Frauenanteil unter den am höchsten dotierten Professuren geringer ist (15 Prozent). Im internationalen Vergleich steht Deutschland zurück: Finnland wartet mit 24 Prozent Frauenanteil auf, die Schweiz mit 26 Prozent und die Türkei mit 28 Prozent (Quelle; und: Borchers 2013: u.a. S.375 [2]).

International hat die Bundesrepublik Deutschland Nachholbedarf. Gerade den Standort Sachsen-Anhalt und die Universität Magdeburg für Frauen attraktiv zu machen und so tatsächlich um die ‚die besten Köpfe konkurrieren‘ zu können, erfordert einiges Tun. Continue reading “Zukunftweisend in Sachsen-Anhalt: Die Professur zu Geschlechterforschung an der Universität Magdeburg muss bleiben!” »