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Sehr gern weise ich auf den ertragreichen Band von Esther Stahl hin, der gute Handlungsempfehlungen für Einrichtungen enthält:

Gewaltpräventionskonzepte für die Arbeit mit Mädchen und Frauen mit Behinderungen
von Esther Stahl

Hochschulverlag Merseburg, Reihe: Sexualwissenschaftliche Schriften, Band 3
2017, 124 Seiten, 16,50 Euro
ISBN: 978-3-942703-58-1
Bestellmöglichkeit

Klappentext:
Mädchen und Frauen mit Behinderungen sind mehr als doppelt so häufig Opfer von sexuallslerter Gewalt als deren Altersgenossinnen ohne Behinderung. Bereits 2009 hat sich die Bundesregierung, mit der Ratifizierung der UN-Behlndertenrechtskonvention verpflichtet, Diskriminierungen und Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen abzubauen. Dass diese Verpflichtung in weiten Teilen nicht umgesetzt wurde, zeigt unter anderem die mangelhafte Existenz von Gewaltpräventlonskonzepten in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Die existierenden Konzepte vernachlässigen außerdem häufig den gesonderten Blick auf Mädchen und Frauen mit Behinderungen und deren spezifischer sexueller und reproduktiver Bedürfnisse. Anhand einer Einzelfallanalyse und einer Analyse verschiedener Gewaltpräventlonskonzepte, werden in diesem Buch Schlussfolgerungen gezogen für die Voraussetzungen gelingender Gewaltprävention.

Sehr gern weise ich auf die Vorstellung des "Dritten deutschen Männergesundheitsberichts - Sexualität von Männern" am 4. Mai 2017 in Merseburg hin. Bereits am Tag zuvor findet die Bundespressekonferenz in Berlin (Haus der Pressekonferenz) statt.

Kurzfassung des Inhalts der Veranstaltung:
# Zeit: 4. Mai, 14:30 – 17:00 Uhr
# Ort: Foyer des Gartenhauses, Hochschule Merseburg (Eberhard-Leibnitz-Str. 2, Merseburg)

Vorstellung des von der Stiftung Männergesundheit in Kooperation mit der Hochschule Merseburg herausgegebenen Berichts, der interdisziplinär ist und Sexualität positiv betrachtet. Der Vielfalt von Sexualität und von Männlichkeiten wird Rechnung getragen. Bei der Veranstaltung findet u.a. statt:

* Grußwort der Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des
Landes Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne;
* Einordnung des Männergesundheitsberichts durch die Referentin an
der Leitstelle für Frauen- und Gleichstellungspolitik des
Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt
Katharina Scholz;
* Vorstellung des Männergesundheitsberichts durch die Herausgeber_innen
* Podiumsdiskussion zum Männergesundheitsbericht u. a. mit der
Fernseh-Moderatorin und Bestseller-Autorin Ann-Marlene Henning, dem Bildungsreferenten für Jungen*arbeit Michael Ney und Prof. Dr. Harald Stumpe.

Die Langfassung der Einladung mit vollständigem Programm findet sich hier.
Der "Dritte deutsche Männergesundheitsbericht" erscheint beim Psychosozial-Verlag und ist ab Ende April 2017 überall im Buchhandel erhältlich.

Presseresonanz und Rezensionen zum Bericht finden Sie hier verlinkt.

Gern weise ich auf einige der sexualwissenschaftlichen und queer-feministischen Bücher und Buchvorstellungen bei der Leipziger Buchmesse hin:

*16. März 2016, Frauenkultur Leipzig, Goodbye Gender:*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[Zwei Neuerscheinungen aus "w_orten & meer": ANOUCHK IBACKA VALIENTE "Vertrauen, Kraft & Widerstand. Kurze Texte und Reden von Audre Lorde"; STEFF URGAST "Goodbye Gender"]

*17. März 2016, Frauenkultur Leipzig, "Wir sind unsichtbar – lesbischer Jugendroman":*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[MAIKE STEIN "Wir sind unsichtbar - lesbischer Jugendroman"; im Anschluss: CHRISTINA SEIDEL "Mütter ohne Wert - Scheidung in der DDR. Frauen berichten"

*17. März 2016, Frauenkultur Leipzig, sexualwissenschaftliche Neuerscheinungen:*
http://www.kulturfabrik-leipzig.de/frauenkultur/2016-03-17_lesungen_gespraech_
[Bücher: LENA LACHE "Sexualität und Autismus"; JULIA SPARMANN "Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen"; CONRAD KRANNICH "Intersexualität aus theologischer Perspektive"; MICHAELA KATZER/HEINZ-JÜRGEN VOSS "Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung"]

*18. März 2016, Frauenkultur Leipzig, Die Lesbische* Büchernacht + QUEER-PARTY:*
http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html
[Spannende, historische, berührende und humorvolle Geschichten von Leidenschaft, Liebe, Leben und Erotik... Es lesen: REGINA NÖSSLER "Endlich daheim"; ANTJE SCHRUPP & PATU "Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext"; LOVIS CASSARIS "Ein letztes Mal wir"; CHIRA BRECHT "Endlich angekommen"]

*20. März 2016, Messe, "Liebesleben Leseperformance":*
http://www.leipziger-buchmesse.de/ll/veranstaltungen/15890
[Zarte, harte, heitere, brüllendkomische & romantische Shortstories, Glossen und Romanfragmente]

*20. März 2016, Rosalinde Leipzig, Tradition, Repräsentation und Produktion – Möglichkeiten feministischer Schreibweisen:*
http://www.rosalinde-leipzig.de/index.php?id=27
[Workshop mit Bettina Wilpert]

*Außerdem empfehlenswerte Neuerscheinungen, u.a.:*
- "Sexualpädagogik kontrovers", https://www.beltz.de/fachmedien/erziehungs_und_sozialwissenschaften/buecher/produkt_produktdetails/28929-sexualpaedagogik_kontrovers.html
- die Neuerscheinungen im neuen "w_orten & meer verlag", http://wortenundmeer.net/buecher/fruehjahr-2016/
- die Neuerscheinungen und Veranstaltungen des Orlanda Verlag, https://www.orlanda-verlag.de/
- und die Neuerscheinungen im Konkursbuch-Verlag, http://www.konkursbuch.com/html/net%202016/ansicht%20150dpi%20doppelseitig%20F%202016.pdf

Reihen-Umschlaggestaltung für den Psychosozial-Verlag, Gießen Info zu Hintergrund Raster-Bild: Raster für Fond: Covermotiv in Fläche von ca 25 x 25 cm einbauen und in Bitmap wandeln. Einstellung Bitmap: Halbtonraster 10 p per inch Winkel 45°Sehr gern weise ich auf die neue und innovative Publikation von Julia Sparmann "Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen" hin, die gerade im Psychosozial-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen finden sich unten. Rezensionsexemplare können direkt über den Verlag bezogen werden.

Julia Sparmann: Körperorientierte Ansätze für die Sexuelle Bildung junger Frauen

Verlag: Psychosozial-Verlag
113 Seiten, Dezember 2015, 16,90 Euro
ISBN-13: 978-3-8379-2519-7
Infos und Bestellmöglichkeit: http://www.psychosozial-verlag.de/catalog/product_info.php/cPath/2000_2130/products_id/2519

Klappentext:
Junge Frauen stehen mit ihrem Körpergefühl und sexuellem Erleben im Spannungsfeld individuell biografischer Erfahrungen und gesellschaftlicher Ideale. Sie besitzen in der heutigen Zeit ein ausgeprägtes Körperbewusstsein, doch statt körperlichen Wohlbefindens stehen oft kritische Selbstbewertung und Kontrolle im Vordergrund. Körperorientierte Methoden stärken über sinnlich-konkrete Selbsterfahrung die Körperwahrnehmung und erweitern sexuelle Fähigkeiten und Potenziale.

Julia Sparmann verbindet erprobte Methoden aus Körperpsychotherapien, dem sexualtherapeutischen Ansatz Sexocorporel und Tantra zu einem Konzept körperorientierter Herangehensweisen für die Sexuelle Bildung. Ressourcenorientiert werden die Hintergründe der Ansätze reflektiert und im Sinne einer emanzipatorischen Sexuellen Bildung modifiziert. Es wird deutlich, dass die Vermittlung der komplexen Zusammenhänge zwischen Atem, Muskeltonus und Bewegung sowie die Betonung eines achtsamen Körperzugangs dabei eine große Bereicherung darstellen.

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Wenn rechtspopulistische Kreise gewinnen: Zu den Debatten um Sexualpädagogik und Antidiskriminierung (von Heinz-Jürgen Voß; hier als pdf-Datei)

Schon dass in der Debatte um den Bildungsplan zu sexueller Vielfalt im niedersächsischen Landtag der Begriff „Frühsexualisierung“ verwendet wurde, bedeutet einen Punktsieg für rechtspopulistische und rechtskonservative Kreise. In der Landtagsdebatte hoben gleich mehrere Redner hervor, dass es bei dem Bildungsplan „gerade nicht um die von einigen beklagte ‚Frühsexualisierung‘ und auch nicht um Sexualkunde gehe, sondern einfach darum, die Lebensvielfalt angemessen abzubilden.“ (Queer.de 2014) Der FDP-Abgeordnete Björn Försterling führte mit Blick auf sein eigenes schwieriges Coming-Out aus: „Die zahlreichen Schreiben besorgter Eltern nehme man ernst. Wie der 32-Jährige unter großem Applaus erklärte, müsse man ihnen aber antworten, dass es eben ‚nicht um Frühsexualisierung, nicht um Sexualkunde‘“ gehe (ebd.).

Bei der Gruppe von Menschen, die sich in den vergangenen Monaten als „besorgte Eltern“ hervortaten, handelt es sich eher um besorgniserregende Eltern. U.a. riefen sie mit dem rechtspopulistischen Magazin Compact (!) zu Demonstrationen auf. Über Verstrickungen dieser besorgniserregenden Eltern in Kreise, in denen extrem rechte Positionen geäußert werden (etwa die körperliche Züchtigung von Kindern gefordert und der Holocaust geleugnet wird) klärt die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Lotta – Antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen (Lotta 2014) auf. Erinnern wir uns aber weiter, woher zentral die aktuellen Angriffe gegen Sexualpädagogik und Geschlechterforschung kamen: Da veröffentlichte eine Karla Etschenberg in der extrem rechten Zeitschrift Junge Freiheit, genau wie ein Martin Voigt. Dieser publizierte ebenso in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen Beiträge zum Thema, dort im von Volker Zastrow verantworteten Ressort „Politik“. Zastrow hat sich selbst mit einem Buch 2006 deutlich insgesamt gegen die Gleichstellung von Frauen und Männern und gegen Geschlechterforschung gewandt (vgl. etwa Roßhart 2007). In anderen Medien und gerade von wissenschaftlichen Fachgesellschaften kamen dagegen andere Positionen – eine Übersicht über die lesenswerten Beiträge findet sich hier: Voß 2014b.

Allen Eltern und Fachkräften in Kindereinrichtungen ist klar, dass Kinder bereits als Säuglinge lustvolle Gefühle haben und im Anschluss suchen. Das ist etwa der Fall, wenn sie an der Brust (oder der Flasche) Milch saugen und diesen Vorgang als sättigend und wohltuend erleben. Es ist auch der Fall, wenn sie ab einem bestimmten Zeitpunkt selbst merken, dass sie kacken und pullern und das entstehende Häuflein als ihr eigenes Produkt ansehen und stolz darauf sind. Im Arm gehalten werden, die Nähe von vertrauten Personen spüren, das sind oft als angenehm wahrgenommene Situationen, in denen Eltern wissen, dass sich die Säuglinge und Kleinkinder wohlfühlen. All diese Prozesse werden in der Sexualwissenschaft als „sexuell“ verstanden.[1] Gleiches gilt, wenn Kinder einige Körperstellen häufiger berühren – das können, müssen aber nicht die Genitalien sein –, weil sie auch das als angenehm empfinden. Die heutige Sexualwissenschaft macht hieraus keine ‚Dramen‘, sondern sagt etwa, dass dieses Erkunden okay ist und dass die Pädagogik im Stil der 50er Jahre falsch lag, die dieses Berühren gleich im Sinne erwachsener Sexualität verstand, Moral und Ordnung als bedroht ansah und gar mit körperlicher Gewalt ein ‚Das macht man doch nicht!‘ durchsetzte. (Vgl. Voß 2014a.) Knapp und gut gefasst, wird das ‚neuere‘, seit den 1960er Jahren zunehmend etablierte Verständnis in dem Beitrag „Kindergarten: ‚Das Thema Sexualität ist sowieso da‘“ deutlich, der bei Die Presse erschienen ist (Die Presse 2014). Im Beitrag heißt es u.a.: „Sex und Aufklärung als Thema im Kindergarten – ist das notwendig? Ein Gremium der WHO [Weltgesundheitsorganisation …] empfiehlt die Sexualerziehung ab der Geburt. Da geht es freilich nicht um klassische Aufklärung, sondern um Körperbewusstsein, einen adäquaten Umgang mit Körperlichkeit und Gefühlen. Und um Antworten – das gilt eben auch für den Kindergarten. Da sei etwa die Frage typisch, wie ein Baby aus dem Bauch herauskommt. Da reiche die simple Antwort ‚durch die Scheide‘, sagt Kapella. Sexualität umfassend zu erklären sei nicht nötig. Von sich aus an Kinder herantragen sollte man aber Themen wie Körperteile, Gefühle und Wahrnehmung. ‚Kinder brauchen eine Sprache für Sexualität, keine Details über Geschlechtsverkehr.‘“ (ebd.) Es geht also nicht um vermeintliche ‚Frühsexualisierung‘, wie es rechtskonservative und rechtspopulistische Kreise postulieren, sondern „Das Thema Sexualität ist sowieso da“ – und damit muss umgegangen werden. Das kann entweder geschult passieren, auf Basis sexualpädagogischer Konzepte, oder es passiert ohne Ausbildung der Pädagog_innen, die dann selbst oft nicht wissen, wie sie reagieren sollen. In Befragungen der bundesweiten Fortbildungsoffensive wünschten sich die ca. 7.000 befragten Mitarbeiter_innen der Kinder- und Jugendhilfe Fortbildungen, insbesondere sexualpädagogische Konzepte (86%), Verfahrensleitlinien (82%), interne und externe Beschwerdeverfahren (63%), eine Fortentwicklung des Beschwerdemanagements der Einrichtung (60%) (Eberhardt/Mann 2014).

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