Springe zum Inhalt

24. und 25. April 2020, Hochschule Merseburg, Fachkongress "Sinnlich konkret - achtsam sensibel: Sexuelle Selbstbestimmung und Prävention sexualisierter Gewalt im Fokus sexualwissenschaftlicher Forschung und Praxis"

Zum Abschluss des vom BMBF geförderten Projekts "Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung" und anlässlich der Emeritierung von Prof. Dr. Konrad Weller veranstalten wir am 24. und 25. April 2020 an der Hochschule Merseburg den Fachkongress "Sinnlich konkret - achtsam sensibel: Sexuelle Selbstbestimmung und Prävention sexualisierter Gewalt im Fokus sexualwissenschaftlicher Forschung und Praxis".

Sinnlich konkret und achtsam sensibel sollen Vertreter_innen unterschiedlicher Generationen, Denkrichtungen und Ansätze der Sexualwissenschaft und Sexuellen Bildung zusammenkommen, um zu diskutieren, zu resümieren und zu erleben. Anregende Fachvorträge von Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Feldern werden eingebettet in sinnlich-konkrete und achtsam-sensible Methoden- und Materialpräsentationen sowie Workshopangebote. Wir freuen uns als Keynote-Speaker Dagmar Herzog (New York) und Elisabeth Tuider (Kassel) ankündigen zu können. Für weitere Beiträge haben u.a. Gunter Schmidt, Kurt Starke, Uwe Sielert und Ulrike Busch zugesagt. Freuen Sie sich auf diese und die weiteren Beiträge!

Das vollständige Programm und die Informationen zur Anmeldung finden Sie hier: https://www.hs-merseburg.de/skas/ .

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen - wir würden uns sehr freuen, Sie und euch zur Tagung in Merseburg begrüßen zu können!

Im Auftrag des Burgenlandkreises (südliches Sachsen-Anhalt) ist das Rahmenkonzept für eine interkulturelle und intersektionale Sexuelle Bildung in Einrichtungen (PDF-Datei) entstanden. Aus meiner Sicht ist es eine sehr reflektierte Broschüre, die sowohl den Erkenntnissen Sexueller Bildung als auch zur Verwobenheit von Herrschaftsverhältnissen (Rassismus, Geschlechterverhältnis, Klassenverhältnis - und das Scharnier Sexualität) Rechnung trägt. Die Entwicklung des Rahmenkonzeptes geht auf die beispielhaften Aktivitäten des Burgenlandkreises zur Sexuellen Bildung im Kontext Flucht zurück. Für Fragen sprechen Sie gern mich ( heinz-juergen.voss@hs-merseburg.de ) oder die zuständige Mitarbeiterin beim Burgenlandkreis, Judith Kindinger ( Kindinger.Judith@blk.de ) an. Ich und wir hoffen, dass die Broschüre/das Rahmenkonzept auch für Sie hilfreich und für andere Landkreise richtungsweisend ist.

1

Gern weise ich auf den Ergebnisband der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Förderlinie „Sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten“ hin, der soeben im Verlag Springer VS (Wiesbaden) erschienen ist. Im Band enthalten sind die zentralen Ergebnisse und Ableitungen der geförderten Projekte.

Sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten:
Aktuelle Forschungen und Reflexionen

von Martin Wazlawik, Heinz-Jürgen Voß, Alexandra Retkowski, Anja Henningsen, Arne Dekker (Hg.)

Springer VS, Wiesbaden
2018/19, 300 Seiten, 44,99 Euro (eBook: 34,99 Euro)
ISBN: 978-3-658-18001-0
Verlagsinformationen

Die Ergebnisse der Förderlinie werden am 2.11.2018 beim Fachtag “Forschungen zu sexualisierter Gewalt im Praxischeck” an der Hochschule Merseburg präsentiert.

Sehr gern weise ich auf weitere Buchrezensionen hin, die ich in den vergangenen Wochen veröffentlicht habe:

(1)
"Geschlecht im flexibilisierten Kapitalismus? Potenziale von Geschlechter- und Gesellschaftstheorien"
von Ilse Lenz, Sabine Evertz und Saida Ressel (Hg.)
Auf: socialnet, 15.3.2018 (Online).

(2)
"Antisexistische Awareness. Ein Handbuch"
von Ann Wiesental
Auf: socialnet, 13.3.2018 (Online).

(3)
"Varianten der Sexualität. Studien in Ost- und Westdeutschland"
von Kurt Starke
Auf: socialnet, 13.3.2018 (Online).

(4)
"Widersprüche des Medizinischen. Eine wissenssoziologische Studie zu Konzepten der 'Transsexualität'"
von Katharina Jacke
Auf: socialnet, 7.3.2018 (Online).

(5)
"Politiken in Bewegung. Die Emanzipation Homosexueller im 20. Jahrhundert"
von Andreas Pretzel, Volker Weiß (Hg.)
Auf: socialnet, 26.2.2018 (Online).

(6)
"Expert_innen des Geschlechts? Zum Wissen über Inter*- und Trans*-Themen"
von Kim Scheunemann
Auf: socialnet, 7.2.2018 (Online).

Heinz-Jürgen Voß

Allen Lesenden dieses Blogs wünsche ich ein gutes Jahr 2018! Wie sich schon in den ersten Tagen des Jahres zeigte, liegt viel Arbeit vor uns: So greifen die öffentlichen Onlinepranger, die es in den USA für Personen, die für Sexualdelikte juristisch verurteilt wurden, schon gibt, nun auch auf die Europäische Union über. Hier gilt es gegenzusteuern - auch juristisch über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Ebenso problematisch erscheint mir die zunehmende Krminialisierung von Sexarbeit, wie sie sich in einigen europäischen Ländern zeigt - zuletzt war die Problematisierung von Sexarbeit Geflüchteter durch die deutsche Boulevard-Presse (u.a. durch den Berliner Tagesspiegel) ein Problem. Hier gilt es, den Weg vernünftiger gewerkschaftlicher Einbindung und Absicherung von Sexarbeit weiter zu verfolgen.

Ich freue mich auf das Jahr und darauf, mit euch und Ihnen fundiert wissenschaftlich weiter auf eine emanzipatorische Gesellschaft hinzuarbeiten! Und ich freue mich auf den Auftakt zu dieser Arbeit: Am 8. Januar darf ich im Rahmen der schönen Veranstaltungsreihe "Feminismus mit links" in Heidelberg die wesentlichen Erträge aus dem Buch "Queer und (Anti-)Kapitalismus" vorstellen. Das Buch hatten Salih Alexander Wolter und ich im Jahr 2013 veröffentlicht und es ist (leider - schöner wäre es, wenn die Debatten erheblich vorangegangen wären) weiterhin so ertragreich, dass es wohl dauerhaft richtungsweisend bleiben wird - und es erscheint in diesem Jahr nun auch in einer englischsprachigen Fassung. Alle Informationen zur Veranstaltung in Heidelberg findet ihr und finden Sie hier.

Und ich freue mich dieses Jahr sehr auf zwei neue Bücher, die ich (mit)verantworte - eines zur Prävention sexualisierter Gewalt, das gerade in den Abschlussarbeiten ist und das Buch "Die Idee der Homosexualität musikalisieren: Zur Aktualität von Guy Hoquenghem", das bereits fix und fertig beim Verlag liegt (Informationen hier).

Seid diskussionsbereit und gleichzeitig achtsam - ich freu mich drauf!

Sehr gern weise ich auf den ertragreichen Band von Esther Stahl hin, der gute Handlungsempfehlungen für Einrichtungen enthält:

Gewaltpräventionskonzepte für die Arbeit mit Mädchen und Frauen mit Behinderungen
von Esther Stahl

Hochschulverlag Merseburg, Reihe: Sexualwissenschaftliche Schriften, Band 3
2017, 124 Seiten, 16,50 Euro
ISBN: 978-3-942703-58-1
Bestellmöglichkeit

Klappentext:
Mädchen und Frauen mit Behinderungen sind mehr als doppelt so häufig Opfer von sexuallslerter Gewalt als deren Altersgenossinnen ohne Behinderung. Bereits 2009 hat sich die Bundesregierung, mit der Ratifizierung der UN-Behlndertenrechtskonvention verpflichtet, Diskriminierungen und Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen abzubauen. Dass diese Verpflichtung in weiten Teilen nicht umgesetzt wurde, zeigt unter anderem die mangelhafte Existenz von Gewaltpräventlonskonzepten in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Die existierenden Konzepte vernachlässigen außerdem häufig den gesonderten Blick auf Mädchen und Frauen mit Behinderungen und deren spezifischer sexueller und reproduktiver Bedürfnisse. Anhand einer Einzelfallanalyse und einer Analyse verschiedener Gewaltpräventlonskonzepte, werden in diesem Buch Schlussfolgerungen gezogen für die Voraussetzungen gelingender Gewaltprävention.

Eine sehr gute Initiative!

Berlin, 11.02.2016. Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland e. V. (ZMD), haben heute ihre Kooperation zur Verbesserung des Schutzes von Kindern vor sexueller Gewalt vorgestellt. Ein gemeinsamer Informationsflyer in drei Sprachen (deutsch, arabisch, türkisch) ist Auftakt dieser neuen Kooperation. Der Flyer informiert muslimische Eltern, Einrichtungen und Gemeinden über die Gefahren und Strategien zur Vermeidung von sexueller Gewalt an Kindern und unterstützt bei der Suche nach Hilfs- und Beratungsangeboten...

In einer gemeinsamen Pressemitteilung bekräftigen Rörig und Mazyek die Notwendigkeit einer 'Kultur des Hinsehens', um sexuelle Gewalt zu verhindern. Gleichzeitig üben sie gemeinsam Kritik am "Asylpaket 2": " Rörig: „Der Schutz der Kinder vor sexueller Gewalt muss für alle Kinder gelten, egal welcher Herkunft oder Religion. Mit dem Asylpaket II zeigt sich, dass in Deutschland derzeit nicht Kind gleich Kind gilt! Das erweiterte Führungszeugnis alleine reicht als Schutz nicht aus und kann nur ein Baustein in einem Gesamtpaket von Mindeststandards sein, wie ich sie in meiner Checkliste seit Sommer 2015 fordere. Das Asylpaket II der Bundesregierung setzt nicht die Vorgaben der EU-Aufnahmerichtlinie um, die geeignete Maßnahmen zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen und Belästigungen fordert. Das ist grob fahrlässig und eine Nachbesserung dringend erforderlich.“ Auch Mazyek bemängelte, dass es im Asylpaket II keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen insbesondere für Kinder und Frauen in Flüchtlingsunterkünften gebe sowie eine Erschwernis des Familiennachzuges: „Das ist Gift für eine schnellere Integration. Ein fehlendes familiäres Umfeld erhöht die Gefahr sozialer Spannungen.“ "

Im folgenden Beitrag geht es in Bezug auf Asyl speziell um Fragen sexualisierter Gewalt. Sie spielt bei Krieg und Flucht auf verschiedene Weise eine Rolle: als Gewaltform zur Durchsetzung und Erhaltung von Herrschaftsverhältnissen im Herkunftsland (bei Unterdrückung Oppositioneller), als gezielte eingesetzte kollektive Gewalt in kriegerischen Konflikten, als individuelle Gewalt im Fluchtkontext, als geschlechtsspezifische Gewalt sowie im Rahmen von Abhängigkeitsverhältnissen im aufnehmenden (Asyl-)Land. Weiterlesen (pdf-Datei)

English translation below

Zeit:Samstag, 16.01.2016, 10:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Merseburg, Gotthardstraße (Höhe Große Ritterstraße)

Im Namen aller Syrerinnen und Syrer und der syrischen Geflüchteten:

Wir erklären unsere volle Solidarität mit den Opfern der Angriffe und
Belästigungen von Köln.

Wir sind beschämt von diesen widerwärtigen Verbrechen, die auch unsere Werte und
Normen verletzen, die auch unsere Traditionen und Gebräuche nicht widerspiegeln
und die gegen unsere religiösen Überzeugungen stehen.Weiterlesen » » » »

1

Aktuell hat die konservative und rechtspopulistische Ecke ihr Ventil gefunden: Sie nutzt die sexistischen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht, um gegen Migrant_innen und Geflüchtete zu hetzen. "Ein Anschlag hätte den Stoff der nationalen Aufregung ebenso liefern können, ein Kindsmord, irgendeine andere Tat", wie die Zeitschrift Spiegel schreibt (Heft 2/2016, S. 11). Die seit Monaten stattfindenden Attentate auf Geflüchtete und die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte wurden hingegen eher bagatellisierend und entschuldigend in das Alltagsgeschäft eingeordnet - 'die Deutschen seien halt zu sehr gefordert'. In die eine Richtung Skandalisierung, wenn es hingegen um mehrheitsdeutsche Täter_innen geht: Entschuldigung.

Keine Skandalisierung wert waren über Jahre hinweg die Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe auf dem Münchner Oktoberfest. Jährlich - und die Vereine zur Opferberatung Amyna, Imma, Frauennotruf, 'sichere Wiesn' sprechen von einer Zunahme - kam es dort zu 4 bis 6 bei der Polizei angezeigten Vergewaltigungen und unterstützten die Vereine etwa 150 bis 200 Frauen, die von sexuellen Übergriffen oder weiteren Delikten betroffen waren. Die Dunkelziffer wird von den Vereinen als deutlich höher angenommen. Diese Delikte führten nicht zum bundesweiten Skandal - aber auf dem Oktoberfest waren eben in aller Regel mehrheitsdeutsche Biertrinker die Täter. Doch just als Lohaus/Wizorek nun auch diese Übergriffe in München skandalisierten und einforderten, dass die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt nicht so rassistisch geführt werden darf, wie es aktuell geschieht, wurden Lohaus/Wizorek der Lüge bezichtigt. Im von den beiden Autorinnen zitierten taz-Artikel war für das Jahr 2009 von zehn Vergewaltigungen und 200 weiteren Delikten die Rede - die Münchner Polizei dementiert nun - jetzt, 2016[!] - eilig: es seien im Jahr 2009 'nur' 6 angezeigte vollendete Vergewaltigungen gewesen. Obgleich sich also die Delikte und Angaben der Frauenvereine bestätigen, sah sich die Polizei jetzt, 2016[!] genötigt, die Angaben des taz-Artikels aus dem Jahr 2009 zu korrigieren. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) betitelte einen Beitrag gar mit "Lügenzahl vom Oktoberfest" - und bagatellisierte die Vergewaltigungen beim Oktoberfest. "Allein in der ersten Wiesnwoche halfen die Teams von Amyna, Imma und des Frauennotrufs München 91 Frauen", hieß es im Jahr 2012 (Süddeutsche Zeitung); 2013 "hat 'Sichere Wiesn' 156 Opfer betreut, darunter zwei Vergewaltigungsopfer" (Abendzeitung).

Auch die Situation zum sogenannten 'Herrentag', an dem sich Frauen kaum aus dem Haus trauen können, weil sie fast überall sexistisch beleidigt werden, und die 'alltäglichen' Ereignisse in jeder Disco taugen nicht zu einer Skandalisierung - immerhin sind dort in aller Regel Mehrheitsdeutsche die Täter.

Als Wissenschaftler*in im Feld der sexualisierten Gewalt und der geschlechtlichen und sexuellen Selbstbestimmung fällt mir auf, wie schwer es selbst nach den Aufdeckungen von massiven sexuellen Übergriffen in Internaten war, politische Entscheidungsträger*innen für das Thema Prävention sexualisierter Gewalt und Förderung geschlechtlich-sexueller Selbstbestimmung zu gewinnen. Aktuell fehlt eine flächendeckende Forschungslandschaft - an der Hochschule Merseburg gibt es den einzigen[!] sexualwissenschaftlichen Studiengang im deutschsprachigen Raum überhaupt. Die notwendige Lehre zu sexueller Bildung, Unterstützung geschlechtlich-sexueller Selbstbestimmung, Prävention sexualisierter Gewalt findet bisher weder in Lehramtsstudiengängen, noch in der Ausbildung von Erzieher*innen und in den weiteren Berufen statt, in denen Menschen mit Menschen zu tun haben. Die Ausgebildeten bekommen bzgl. dieser Inhalte keine professionellen Kenntnisse; und solche Kenntnisse würden auch umfassen, eigene Normen zu hinterfragen, wo und wie sie etwa geschlechtlich-sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen verletzen. Doch anstatt dass die Sexualpädagog*innen im Feld zu unterstützen - sie leisten immerhin die notwendige Ausbildungsarbeit im Rahmen ihrer knappen personellen Möglichkeiten -, wurden sie in den vergangenen Monaten gerade von den Rechtsaußen-Blättern Junge-Freiheit und - mittlerweile in zahlreichen Artikeln leider - FAZ teils wüst beschimpft. Aber genau diese Sexualpädagog*innen ermöglichen, dass Prävention sexualisierter Gewalt und die Unterstützung geschlechtlich-sexueller Selbstbestimmung in Einrichtungen wirksam thematisiert wird. Aber 'geschlechtlich-sexuelle Selbstbestimmung' heißt eben auch, dass Kinder und Jugendliche gestärkt werden, egal ob sie gleich- oder andergeschlechtlich begehren und auch wenn sie trans*- oder inter*-geschlechtlich sind. Das wiederum ist einigen äußerst Konservativen und Rechtsaußen ein Dorn im Auge.

Also:

  • Die aktuelle Debatte nutzt niemandem - gerade nicht den Betroffenen sexualisierter Gewalt. Es wird ein Problem rassifiziert, das die gesamte Gesellschaft und gerade alle deutschen Männer angeht, diejenigen, die in Deutschland geboren sind und die, die erst kürzer in Deutschland sind. Aktuell wird hingegen die sexualisierte Gewalt von Mehrheitsdeutschen unsichtbar gemacht - sie erhalten einen 'Persilschein' und werden angeregt, weiter übergriffig gegen Frauen zu sein.
  • Die rassistische Prägung der aktuellen Debatte begünstigt rassistische Gewalt. Sexuelle Gewalt und rassistische Gewalt überlagern sich vielfach - und so ist es endlich nötig, dass endlich die Konzepte von Mehrfachdiskriminierung und Intersektionalität, wie sie in Deutschland von LesMigras, von Gladt (u.a. Projekt HEJ - Handreichungen für emanzipatorische Jungenarbeit) und von I-Päd entwickelt wurden, deutlich in politische und (sexual-)wissenschaftliche Konzepte eingehen.
  • Konkret zu Köln: Es kommt erst einmal auf nüchterne (und nicht so kurzatmige) Aufarbeitung an. Hier ist die Perspektive von Feministinnen of Color und rassismuskritischen weißen Feministinnen wichtig, die darauf schauen, was in der Kölner Silvesternacht tatsächlich stattgefunden hat. Die Aufarbeitung darf nicht bei den mehrheitsdeutschen Männern aus den Parteien, dem Innenministerium oder den Türstehern liegen, die jetzt schon sehr eilig Asylverschräfungen fordern oder 'groß aufräumen'. Die größte Expertise liegt bei den Vereinen, die bereits mit intersektionalen Konzepten arbeiten, also zu Rassismus und Geschlechterverhältnissen gleichermaßen.
  • Sexualisierte Gewalt muss nachhaltig angegangen werden. Das bedeutet, dass ein politischer Wille auch im von Männern dominierten Bundestag und in den von Männern dominierten Parteispitzen nötig ist, Präventionskonzepte auf den Weg zu bringen, anstatt stets und stetig bei den Praxisprojekten - wie den Frauennotrufen - einsparen zu wollen. Es muss eine gute - und auch intersektional geschulte [!] - flächendeckende Praxislandschaft entstehen. Und es muss eine flächendeckende gute sexualwissenschaftliche Forschungs- und Ausbildungslandschaft entstehen.
  • Gleichzeitig darf man vor lauter Prävention auch nicht das Ziel aus dem Auge verlieren: Es geht um eine selbstbestimmte geschlechtlich-sexuelle Entwicklung und Betätigung (bzw. auch Nicht-Betätigung) von Menschen und es geht darum, dass Sexualität als positive Kraft vermittelt wird, vor der mensch keine Angst haben soll, aber verantwortlich mit der eigenen Sexualität und grenzachtend gegenüber der Anderer umgeht.

Heinz-Jürgen Voß

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies, sowie den Datenschutzrichtlinien zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen