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Sehr gern weise ich auf den ertragreichen Band von Esther Stahl hin, der gute Handlungsempfehlungen für Einrichtungen enthält:

Gewaltpräventionskonzepte für die Arbeit mit Mädchen und Frauen mit Behinderungen
von Esther Stahl

Hochschulverlag Merseburg, Reihe: Sexualwissenschaftliche Schriften, Band 3
2017, 124 Seiten, 16,50 Euro
ISBN: 978-3-942703-58-1
Bestellmöglichkeit

Klappentext:
Mädchen und Frauen mit Behinderungen sind mehr als doppelt so häufig Opfer von sexuallslerter Gewalt als deren Altersgenossinnen ohne Behinderung. Bereits 2009 hat sich die Bundesregierung, mit der Ratifizierung der UN-Behlndertenrechtskonvention verpflichtet, Diskriminierungen und Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen abzubauen. Dass diese Verpflichtung in weiten Teilen nicht umgesetzt wurde, zeigt unter anderem die mangelhafte Existenz von Gewaltpräventlonskonzepten in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Die existierenden Konzepte vernachlässigen außerdem häufig den gesonderten Blick auf Mädchen und Frauen mit Behinderungen und deren spezifischer sexueller und reproduktiver Bedürfnisse. Anhand einer Einzelfallanalyse und einer Analyse verschiedener Gewaltpräventlonskonzepte, werden in diesem Buch Schlussfolgerungen gezogen für die Voraussetzungen gelingender Gewaltprävention.

Eine sehr gute Initiative!

Berlin, 11.02.2016. Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland e. V. (ZMD), haben heute ihre Kooperation zur Verbesserung des Schutzes von Kindern vor sexueller Gewalt vorgestellt. Ein gemeinsamer Informationsflyer in drei Sprachen (deutsch, arabisch, türkisch) ist Auftakt dieser neuen Kooperation. Der Flyer informiert muslimische Eltern, Einrichtungen und Gemeinden über die Gefahren und Strategien zur Vermeidung von sexueller Gewalt an Kindern und unterstützt bei der Suche nach Hilfs- und Beratungsangeboten...

In einer gemeinsamen Pressemitteilung bekräftigen Rörig und Mazyek die Notwendigkeit einer 'Kultur des Hinsehens', um sexuelle Gewalt zu verhindern. Gleichzeitig üben sie gemeinsam Kritik am "Asylpaket 2": " Rörig: „Der Schutz der Kinder vor sexueller Gewalt muss für alle Kinder gelten, egal welcher Herkunft oder Religion. Mit dem Asylpaket II zeigt sich, dass in Deutschland derzeit nicht Kind gleich Kind gilt! Das erweiterte Führungszeugnis alleine reicht als Schutz nicht aus und kann nur ein Baustein in einem Gesamtpaket von Mindeststandards sein, wie ich sie in meiner Checkliste seit Sommer 2015 fordere. Das Asylpaket II der Bundesregierung setzt nicht die Vorgaben der EU-Aufnahmerichtlinie um, die geeignete Maßnahmen zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen und Belästigungen fordert. Das ist grob fahrlässig und eine Nachbesserung dringend erforderlich.“ Auch Mazyek bemängelte, dass es im Asylpaket II keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen insbesondere für Kinder und Frauen in Flüchtlingsunterkünften gebe sowie eine Erschwernis des Familiennachzuges: „Das ist Gift für eine schnellere Integration. Ein fehlendes familiäres Umfeld erhöht die Gefahr sozialer Spannungen.“ "

Im folgenden Beitrag geht es in Bezug auf Asyl speziell um Fragen sexualisierter Gewalt. Sie spielt bei Krieg und Flucht auf verschiedene Weise eine Rolle: als Gewaltform zur Durchsetzung und Erhaltung von Herrschaftsverhältnissen im Herkunftsland (bei Unterdrückung Oppositioneller), als gezielte eingesetzte kollektive Gewalt in kriegerischen Konflikten, als individuelle Gewalt im Fluchtkontext, als geschlechtsspezifische Gewalt sowie im Rahmen von Abhängigkeitsverhältnissen im aufnehmenden (Asyl-)Land. Weiterlesen (pdf-Datei)

English translation below

Zeit:Samstag, 16.01.2016, 10:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Merseburg, Gotthardstraße (Höhe Große Ritterstraße)

Im Namen aller Syrerinnen und Syrer und der syrischen Geflüchteten:

Wir erklären unsere volle Solidarität mit den Opfern der Angriffe und
Belästigungen von Köln.

Wir sind beschämt von diesen widerwärtigen Verbrechen, die auch unsere Werte und
Normen verletzen, die auch unsere Traditionen und Gebräuche nicht widerspiegeln
und die gegen unsere religiösen Überzeugungen stehen. Continue reading “Syrer*innen in Merseburg: Kundgebung gegen Gewalt an Frauen und für Solidarität mit Syrien – 16.1.2016” »

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Aktuell hat die konservative und rechtspopulistische Ecke ihr Ventil gefunden: Sie nutzt die sexistischen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht, um gegen Migrant_innen und Geflüchtete zu hetzen. "Ein Anschlag hätte den Stoff der nationalen Aufregung ebenso liefern können, ein Kindsmord, irgendeine andere Tat", wie die Zeitschrift Spiegel schreibt (Heft 2/2016, S. 11). Die seit Monaten stattfindenden Attentate auf Geflüchtete und die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte wurden hingegen eher bagatellisierend und entschuldigend in das Alltagsgeschäft eingeordnet - 'die Deutschen seien halt zu sehr gefordert'. In die eine Richtung Skandalisierung, wenn es hingegen um mehrheitsdeutsche Täter_innen geht: Entschuldigung.

Keine Skandalisierung wert waren über Jahre hinweg die Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe auf dem Münchner Oktoberfest. Jährlich - und die Vereine zur Opferberatung Amyna, Imma, Frauennotruf, 'sichere Wiesn' sprechen von einer Zunahme - kam es dort zu 4 bis 6 bei der Polizei angezeigten Vergewaltigungen und unterstützten die Vereine etwa 150 bis 200 Frauen, die von sexuellen Übergriffen oder weiteren Delikten betroffen waren. Die Dunkelziffer wird von den Vereinen als deutlich höher angenommen. Diese Delikte führten nicht zum bundesweiten Skandal - aber auf dem Oktoberfest waren eben in aller Regel mehrheitsdeutsche Biertrinker die Täter. Doch just als Lohaus/Wizorek nun auch diese Übergriffe in München skandalisierten und einforderten, dass die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt nicht so rassistisch geführt werden darf, wie es aktuell geschieht, wurden Lohaus/Wizorek der Lüge bezichtigt. Im von den beiden Autorinnen zitierten taz-Artikel war für das Jahr 2009 von zehn Vergewaltigungen und 200 weiteren Delikten die Rede - die Münchner Polizei dementiert nun - jetzt, 2016[!] - eilig: es seien im Jahr 2009 'nur' 6 angezeigte vollendete Vergewaltigungen gewesen. Obgleich sich also die Delikte und Angaben der Frauenvereine bestätigen, sah sich die Polizei jetzt, 2016[!] genötigt, die Angaben des taz-Artikels aus dem Jahr 2009 zu korrigieren. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) betitelte einen Beitrag gar mit "Lügenzahl vom Oktoberfest" - und bagatellisierte die Vergewaltigungen beim Oktoberfest. "Allein in der ersten Wiesnwoche halfen die Teams von Amyna, Imma und des Frauennotrufs München 91 Frauen", hieß es im Jahr 2012 (Süddeutsche Zeitung); 2013 "hat 'Sichere Wiesn' 156 Opfer betreut, darunter zwei Vergewaltigungsopfer" (Abendzeitung).

Auch die Situation zum sogenannten 'Herrentag', an dem sich Frauen kaum aus dem Haus trauen können, weil sie fast überall sexistisch beleidigt werden, und die 'alltäglichen' Ereignisse in jeder Disco taugen nicht zu einer Skandalisierung - immerhin sind dort in aller Regel Mehrheitsdeutsche die Täter.

Als Wissenschaftler*in im Feld der sexualisierten Gewalt und der geschlechtlichen und sexuellen Selbstbestimmung fällt mir auf, wie schwer es selbst nach den Aufdeckungen von massiven sexuellen Übergriffen in Internaten war, politische Entscheidungsträger*innen für das Thema Prävention sexualisierter Gewalt und Förderung geschlechtlich-sexueller Selbstbestimmung zu gewinnen. Aktuell fehlt eine flächendeckende Forschungslandschaft - an der Hochschule Merseburg gibt es den einzigen[!] sexualwissenschaftlichen Studiengang im deutschsprachigen Raum überhaupt. Die notwendige Lehre zu sexueller Bildung, Unterstützung geschlechtlich-sexueller Selbstbestimmung, Prävention sexualisierter Gewalt findet bisher weder in Lehramtsstudiengängen, noch in der Ausbildung von Erzieher*innen und in den weiteren Berufen statt, in denen Menschen mit Menschen zu tun haben. Die Ausgebildeten bekommen bzgl. dieser Inhalte keine professionellen Kenntnisse; und solche Kenntnisse würden auch umfassen, eigene Normen zu hinterfragen, wo und wie sie etwa geschlechtlich-sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen verletzen. Doch anstatt dass die Sexualpädagog*innen im Feld zu unterstützen - sie leisten immerhin die notwendige Ausbildungsarbeit im Rahmen ihrer knappen personellen Möglichkeiten -, wurden sie in den vergangenen Monaten gerade von den Rechtsaußen-Blättern Junge-Freiheit und - mittlerweile in zahlreichen Artikeln leider - FAZ teils wüst beschimpft. Aber genau diese Sexualpädagog*innen ermöglichen, dass Prävention sexualisierter Gewalt und die Unterstützung geschlechtlich-sexueller Selbstbestimmung in Einrichtungen wirksam thematisiert wird. Aber 'geschlechtlich-sexuelle Selbstbestimmung' heißt eben auch, dass Kinder und Jugendliche gestärkt werden, egal ob sie gleich- oder andergeschlechtlich begehren und auch wenn sie trans*- oder inter*-geschlechtlich sind. Das wiederum ist einigen äußerst Konservativen und Rechtsaußen ein Dorn im Auge.

Also:

  • Die aktuelle Debatte nutzt niemandem - gerade nicht den Betroffenen sexualisierter Gewalt. Es wird ein Problem rassifiziert, das die gesamte Gesellschaft und gerade alle deutschen Männer angeht, diejenigen, die in Deutschland geboren sind und die, die erst kürzer in Deutschland sind. Aktuell wird hingegen die sexualisierte Gewalt von Mehrheitsdeutschen unsichtbar gemacht - sie erhalten einen 'Persilschein' und werden angeregt, weiter übergriffig gegen Frauen zu sein.
  • Die rassistische Prägung der aktuellen Debatte begünstigt rassistische Gewalt. Sexuelle Gewalt und rassistische Gewalt überlagern sich vielfach - und so ist es endlich nötig, dass endlich die Konzepte von Mehrfachdiskriminierung und Intersektionalität, wie sie in Deutschland von LesMigras, von Gladt (u.a. Projekt HEJ - Handreichungen für emanzipatorische Jungenarbeit) und von I-Päd entwickelt wurden, deutlich in politische und (sexual-)wissenschaftliche Konzepte eingehen.
  • Konkret zu Köln: Es kommt erst einmal auf nüchterne (und nicht so kurzatmige) Aufarbeitung an. Hier ist die Perspektive von Feministinnen of Color und rassismuskritischen weißen Feministinnen wichtig, die darauf schauen, was in der Kölner Silvesternacht tatsächlich stattgefunden hat. Die Aufarbeitung darf nicht bei den mehrheitsdeutschen Männern aus den Parteien, dem Innenministerium oder den Türstehern liegen, die jetzt schon sehr eilig Asylverschräfungen fordern oder 'groß aufräumen'. Die größte Expertise liegt bei den Vereinen, die bereits mit intersektionalen Konzepten arbeiten, also zu Rassismus und Geschlechterverhältnissen gleichermaßen.
  • Sexualisierte Gewalt muss nachhaltig angegangen werden. Das bedeutet, dass ein politischer Wille auch im von Männern dominierten Bundestag und in den von Männern dominierten Parteispitzen nötig ist, Präventionskonzepte auf den Weg zu bringen, anstatt stets und stetig bei den Praxisprojekten - wie den Frauennotrufen - einsparen zu wollen. Es muss eine gute - und auch intersektional geschulte [!] - flächendeckende Praxislandschaft entstehen. Und es muss eine flächendeckende gute sexualwissenschaftliche Forschungs- und Ausbildungslandschaft entstehen.
  • Gleichzeitig darf man vor lauter Prävention auch nicht das Ziel aus dem Auge verlieren: Es geht um eine selbstbestimmte geschlechtlich-sexuelle Entwicklung und Betätigung (bzw. auch Nicht-Betätigung) von Menschen und es geht darum, dass Sexualität als positive Kraft vermittelt wird, vor der mensch keine Angst haben soll, aber verantwortlich mit der eigenen Sexualität und grenzachtend gegenüber der Anderer umgeht.

Heinz-Jürgen Voß

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[Update (21.1.2016): Gute neue Beiträge werden jeweils unten angefügt]

Es gibt nun auch einige nüchternere Beiträge zu den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln. Ich finde erschütternd, dass hier wieder ein Ereignis herausgegriffen und Geflüchteten angelastet wird. Einerseits stellt sich die Situation offenbar anders dar (keinem Geflüchteten wird bei den Kölner Ereignissen bisher ein Sexualdelikt vorgeworfen!), andererseits ist es endlich an der Zeit, dass institutionell dagegen vorgegangen wird, dass 35% der cis*-Frauen (bei Trans* liegt die Zahl noch höher) in ihrem Leben von sexualisierter Gewalt betroffen sind und dass es quasi bei jedem Großereignis (Münchner Oktoberfest, Karneval) stetig zu sexistischer Gewalt gegen Frauen kommt: Stefanie Lohaus und Anne Wizorek schreiben auch hierzu sehr gut und sie zitieren u.a. den folgenden Karnevalsbericht: "[Beim Karneval ist] allein der kurze Weg zur Toilette [] der reinste Spießrutenlauf. Drei Umarmungen von wildfremden, besoffenen Männern, zwei Klapse auf den Hintern, ein hochgehobener Dirndlrock und ein absichtlich ins Dekolleté geschütteter Bierschwall sind die Bilanz von dreißig Metern" ( http://www.vice.com/de/read/die-rape-culture-wurde-nicht-nach-deutschland-importiert-sie-war-schon-immer-da-aufschrei-118 )

Sehen wir uns die Verhältnisse der Unterbringung und Befragung Geflüchteter in Deutschland an, finden wir in einem Extremmaß begünstigende Faktoren für sexualisierte Gewalt gegen Geflüchtete und eine von den Behörden hergestellte Befragungssituation, die jeglichen Standards der Vorbeugung vor (Re-)Traumatisierung widerspricht. (Falls das von Interesse ist: Ausführlicher zu diesem Thema - sexualisierte Gewalt und Flucht - haben Farid Hashemi, Torsten Linke und ich gerade einen Beitrag verfasst und sind wir auch gern zu Vorträgen bereit.)

Konkret zu Köln:

1) ZEIT: Die Ereignisse stellen sich nun so dar: "31 Tatverdächtige hat die Bundespolizei wegen der Übergriffe an Silvester ermittelt, 18 davon sind Asylbewerber. Sexualdelikte werden letzteren aber nicht angelastet. [...] Unter den 31 bekannten Verdächtigen der übrigen Delikte seien neun algerische, acht marokkanische, fünf iranische, vier syrische, ein irakischer, ein serbischer, ein US-amerikanischer und zwei deutsche Staatsangehörige." http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-01/koeln-verdaechtige-asylbewerber-bundespolizei-silvester

2) Frankfurter Rundschau: "Auch gibt die Bundespolizei bekannt, dass sie nach bisherigem Stand 32 Straftaten festgestellt hat - mit 31 namentlich bekannten Tatverdächtigen. [...] Zwar seien wegen Sexualdelikten drei Strafanzeigen bei der Bundespolizei eingegangen, sagte der Sprecher weiter. Tatverdächtige seien in diesen Fällen aber nicht ermittelt worden." http://mobil.fr-online.de/cms/politik/uebergriffe-in-koeln-viele-nationalitaeten-unter-den-verdaechtigen,4232484,33480158,view,asFitMl.html

3) Deutschlandfunk: "Ungereimtheiten und Widersprüche bei der Polizei. [...] Aus der Bundespolizeibehörde heißt es, Flüchtlinge hätten grinsend ihre Aufenthaltstitel zerrissen. Nachfragen des DLF ergaben, das geht gar nicht: Es handelt sich um Scheckkarten-Formate. Nur ein begriffliches Problem? Oder mehr? Es gibt weitere Unklarheiten und Widersprüche." http://www.deutschlandfunk.de/silvesternacht-in-koeln-ungereimtheiten-und-widersprueche.1818.de.html?dram:article_id=341911

4) Weitere gute, weil ihren gründlichen Informations- und Diskussionsauftrag ernst nehmende, Beiträge sind auch die folgenden:

- Neues Deutschland: Angstmacherei mit System - In der Köln-Debatte werden laut Nadia Shehadeh sexistische Gesellschaftsstrukturen verschleiert und Missstände ethnisiert. http://www.neues-deutschland.de/artikel/997289.angstmacherei-mit-system.html

- taz: Seit der Kölner Silvesternacht wird einer sexismusfreien Zeit hinterhergetrauert. Die hat es in Deutschland nie gegeben. Von Hengameh Yaghoobifarah. http://taz.de/Gewalt-gegen-Frauen/!5263311/

-  Die Rape Culture wurde nicht nach Deutschland importiert – sie war schon immer da. Von Stefanie Lohaus und Anne Wizorek. http://www.vice.com/de/read/die-rape-culture-wurde-nicht-nach-deutschland-importiert-sie-war-schon-immer-da-aufschrei-118 (English translation: https://www.vice.com/en_uk/read/rape-culture-germany-cologne-new-years-2016-876 )

- Die rassistische Hysterie nach den Übergriffen in verschiedenen deutschen Städten schadet den Opfern, weil sie eine wirkliche Debatte über sexualisierte Gewalt verhindert. Von Margarete Stokowski. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/margarete-stokowski-ueber-sexualisierte-gewalt-a-1070905.html

- Antje Schrupp nach einem Beitrag... "Das rassistische Narrativ 'schwarzer Mann vergewaltigt weiße Frau' ist volle Kanne durchgeschlagen" [1] https://www.facebook.com/antjeschrupp/posts/10205704490195631 ; [2] http://www.stern.de/familie/leben/koeln---was-jetzt-zu-tun-ist--ein-gastbeitrag-von-antje-schrupp-6632962.html

- Musa Okwonga: "Wie umgehen mit den sexuellen Übergriffen in Köln und Hamburg?" http://www.okwonga.com/wie-umgehen-mit-den-sexuellen-ubergriffen-in-koln-und-hamburg/

- Bundesforum Männer: "Für das Bundesforum Männer steht fest, dass die bekanntgewordenen Straftaten in keiner Weise verharmlost oder gerechtfertigt werden dürfen. Genauso scharf weist das Bundesforum Männer jedoch zurück, dass die Geschehnisse als ressentimentbeladene Bestätigung für Stereotypen vom 'Flüchtlingsmann' instrumentalisiert und verallgemeinert werden." https://bundesforum-maenner.de/2016/01/koeln-hamburg-stuttgart-sexualisierte-gewalt-geht-nirgendwo/

Update [21.1.2016]

- FR: „Sexismus durchzieht unsere Gesellschaft“, Interview von Anne Wizorek gegenüber der Frankfurter Rundschau: http://www.fr-online.de/politik/angriffe-in-koeln--sexismus-durchzieht-unsere-gesellschaft-,1472596,33465600.html

- TAZ: „Die CSU entdeckt die Lügenpresse“ - Armin Nassehi über patriarchale Netzwerke, salonfähigen Rassismus und eine nach rechts driftende Sehnsucht nach einfachen Antworten. http://www.taz.de/!5263616/

-FR: „Kein Generalverdacht gegen Schutzsuchende“, Interview von Katharina Lumpp (Vertreterin für das UNHCR in Dtl.) gegenüber der Frankfurter Rundschau: http://www.fr-online.de/politik/uebergriffe-in-koeln--kein-generalverdacht-gegen-schutzsuchende-,1472596,33484326.html

- FR: „Männer sollen für Frauen kämpfen“, Lamya Kaddor im Interview mit der Frankfurter Rundschau: http://www.fr-online.de/politik/-maenner-sollen-fuer-frauen-kaempfen-,1472596,33483878.html

- malifuror, Beitrag von Malaika Bunzenthal: Rape Culture und rassistische Doppelmoral. https://malifuror.blog-space.eu/rape-culture-und-rassistische-doppelmoral/

- ScienceBlogs: Geständnisse eines arabisch und nordafrikanisch aussehenden Menschen. http://scienceblogs.de/zoonpolitikon/2016/01/09/gestaendnisse-eines-arabisch-und-nordafrikanisch-aussehenden-menschen/

- Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos: http://ausnahmslos.org/

- Ein paar Jahrzehnte Frauenleben in Schland – Eine Bilanz. https://sandracharlottereichert.wordpress.com/2016/01/10/ein-paar-jahrzehnte-frauenleben-in-schland-eine-bilanz/

- Stellungnahme des Gender_Diversity Fachverbandes gegen SEXUALISIERTE GEWALT, RASSISMEN UND IDENTITÄRE GRENZZIEHUNGEN. http://www.gender-diversity.de/de-de/infosaktuelles.aspx

- ZDF: #ausnahmslos: Frauen wehren sich gegen Populisten. heute.de

- Tagessiegel: Manuela Schwesig unterstützt Initiative "#ausnahmslos" Sexismus in Deutschland nicht "importiert". Tagesspiegel

- SZ: Kampagne #ausnahmslos gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. SZ

- ZEIT: Twitter-Kampagne gegen sexuelle Gewalt - Prominente Feministinnen machen sich unter dem Hashtag #ausnahmslos gegen sexualisierte Gewalt stark – und wehren sich gegen eine Instrumentalisierung von rechts. ZEIT

- Publikative: Köln und die Konsequenzen: Der Sexismus der Anderen, von Helene Buchholz. Publikative

- Shehadistan zu #ausnahmslos. Online bei Facebook.

- ZEIT: Deutsche Respektlosigkeiten, Beitrag von Hilal Sezgin. ZEIT

- Stellungnahme des Betroffenenrats beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ( UBSKM ) zu den Fällen sexualisierter Gewalt in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten: Link

- ZEIT: Sind wir über Nacht zu einer feministischen Nation geworden?Von Christina Klemm und Sabine Hark. Link

Heinz-Jürgen Voß

Der Unabhängige Beuaftragte für sexuellen Kindsmissbrauch, Johannes Wilhelm Rörig, legt erfreulich intensiv nach, für den Schutz minderjähriger Geflüchteter. Vor kurzer Zeit hatte er schon eine Checkliste vorgelegt (hier). Nun kritisiert er deutlich die doppelten Standards, die in Bezug auf Prävention sexualisierter Gewalt und sexuelle Selbstbestimmung derzeit in Deutschland zu gelten scheinen: Im Tagesspiegel erklärt Rörig: "„Bei einer Kita würden wir von einem Skandal sprechen, wenn Menschen ohne jeden Nachweis ein und aus gehen könnten und unkontrollierten Zugang zu Kindern hätten“, sagte Johannes Wilhelm Rörig. Der Skandal sei nicht kleiner, nur weil es sich um syrische, irakische oder albanische Kinder handle. „Kinderrechte müssen für alle Kinder gelten.“" zum Beitrag im Tagesspiegel

Vor einigen Wochen waren die Genitaluntersuchungen bei minderjährigen Geflüchteten stark in der Kritik. Medizin hat nicht die Aufgabe, der Staatlichkeit für Altersbestimmungen zuzuarbeiten, sondern die Interessen ihrer Klient_innen zu wahren. Gleichzeitig stellen Genitaluntersuchungen, zu denen Kinder und Jugendliche genötigt werden bzw. in die sie nicht einwilligen können, weil sie z.B. die Sprache nicht verstehen bzw. nicht wissen, wie sie gegenüber Menschen in Uniform und weißen Kitteln Nein! sagen können, einen klaren sexuellen Übergriff dar.

Diese Debatten um die Rechte auf Sexuelle Selbstbestimmung nimmt der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, erfreulicher Weise als Auftakt, um sehr deutlich aktiv zu werden. Bereits Mitte August meldete er sich mit einer Pressemitteilung zu Wort, in der er Standards in Flüchtlingsunterkünften einfordert, die die Sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen fördern und sexuelle Gewalt verhindern. (Pressemitteilung:„Flüchtlingskinder sind besonders gefährdet Opfer sexueller Übergriffe zu werden. Zu ihrem Schutz brauchen wir Mindeststandards gegen sexuelle Gewalt in allen Flüchtlingsunterkünften!“)

Nun hat der Missbrauchsbeauftragte eine Checkliste für Mindeststandards für Flüchtlingsunterkünfte vorgelegt, die deutliche Anforderungen an die Behörden stellen. (Pressemitteilung) Das sind gute Schritte, weil damit deutlich wird, dass auch geflüchtete Kinder und Jugendliche Rechte auf Schutz, auf verständliche Information, auf Meinungsfreiheit, auf Selbstbestimmung haben. Letztlich ist viel zu tun, damit die allgemeinen Standards etwa zu wirksamer Traumabehandlung (bei Betroffenen von sexueller Gewalt) in der Bundesrepublik auch für Geflüchtete gelten.