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[aktualisiert im Juli 2018]

Der Band "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit", der in der theorie.org-Reihe erschienen ist, liegt mittlerweile in der vierten - durchgesehenen und erweiterten - Auflage vor. Er erfreut sich breiter Rezeption und führt in Fragen zu Biologie und Geschlecht ein - die vertiefende Lektüre kann dann mit "Making Sex Revisited" erfolgen. Etwa in Hessen wird der Band "Geschlecht" für den Schulunterricht der Sekundarstufe 2 empfohlen. Im Folgenden ein Überblick über erschienene Buchbesprechungen.

Erschienene Rezensionen:

Salih Alexander Wolter rezensierte für "red & queer" (Nr. 19, S.6/7) und schreibt unter anderem: "'Geschlecht - Wider die Natürlichkeit' stellt einerseits eine auch für Nicht-Fachleute gut verständliche Zusammenfassung der Studie dar und nimmt andererseits die laufende Debatte auf, in der sich Voß gegen die verbreitete Tendenz stellt, 'subversives' queeres Denken mit der kapitalistischen Ordnung zu versöhnen. Dabei ist seine inzwischen deutlich marxistische Positionierung seinem wissenschaftlichen Anspruch geschuldet: Statt sich mit den gängigen 'Eindeutschungen angloamerikanischer Herrschaftskritiken, die zu praxisfreien Denkmodellen umgemodelt wurden', zu begnügen, zeigt er - wie ein Fach-Rezensent des Erstlings lobte - 'klar und deutlich, wie Wege der Erkenntnis in Zukunft zu beschreiten sind: nicht vereinfachend, sondern komplex, multikausale Ursachen erwägen, materielle Aspekte nicht vergessen, stets die Frage ´Cui bono?´'. [...] Voß durch ebenso sorgfältige wie umfangreiche Quellenarbeit, dass Laqueurs These historisch unhaltbar ist, und diskutiert zugleich den aktuellen Forschungsstand aus Systembiologie und Epigenetik, nach dem sowohl eine Vielzahl von Geschlechtern denkbar ist als auch - dass es 'Geschlecht' letztlich gar nicht gibt. Die damit eröffnete Möglichkeit, 'eine gesellschaftliche Utopie von Geschlecht zu entwickeln', verführt Voß aber nicht dazu, im bei bürgerlichen Jung-Intellektuellen so beliebten 'Gender-Diskurs' einen Ersatz für den notwendigen Kampf um eine gerechte Gesellschaftsordnung zu sehen - weiß er doch, dass der gemachte Geschlechtsunterschied, etwa bei der hierzulande besonders krass ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen, nur allzu real ist." Die Rezension ist hier im Volltext online.

Auf dem Bildungsserver Hessen :: Unterrichtsmaterial :: Online-Lernarchiv wird "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" für Diskussionen im Unterricht der Sekundarstufe II empfohlen. Dort heißt es: "Voß stellt seine Überlegungen zur Geschlechterfrage („Wird 'Geschlecht' uns in die Wiege gelegt?“) in den Zusammenhang philosophischer Theorien („Historische biologische Geschlechtertheorien - Theorien von zwei und mehr Geschlechtern“ von der Antike über das Mittelalter bis hin zu den „'Neueren' Evolutionstheorien im Anschluss an Charles Darwin - Geschlechterdifferenz und emanzipatorische 'Darwin'sche Schwärmerei“ (Kapitelüberschriften). Im Mittelpunkt seiner Überlegung steht die These, dass gesellschaftliches Geschlecht (engl. „gender“) und das biologische Geschlecht (engl „sex“) künstlich erzeugt worn sind. Man kommt nicht als „Mann“ oder „Frau“ in die Welt. Weil körperliche Merkmale eines Geschlecht in der Gesellschaft interpretiert und gewertet werden, wird der Mensch zur „Mann“ oder „Frau“. Mit Ergebnissen aus der Biologie vertritt Voß (Promotionsthema: «Geschlechterdekonstruktion aus biologisch-medizinischer Perspektive») die These, dass es so etwas wie das biologische Geschlecht überhaupt nicht gibt. Voß bestreitet, dass biologische Geschlechtertrennung vorgegeben sei. Dies ist der Ansatzpunkt für Diskussionen in der Sekundarstufe II in Philosophie-, aber auch in Politik- und Biologiekursen. Das Buch breitet eine große Fülle von Informationen aus und bietet sich für fortgeschrittene SchülerInnen und Lehrkräfte als Quelle und Hintergrundmaterial am ehesten für arbeitsteilige Arbeit (z.B. zu verschiedenen theoretischen Ansätzen, zur Auseinandersetzung aus biologischer Perspektive ...)"

Katrin Kämpf schreibt in der der März/April-Ausgabe von "L.MAG - Das Magazin für Lesben" (S.89). "Nach seiner bahnbrechenden, aber vielleicht nicht immer ganz allgemein verständlichen Studie über medizinisch-biologische Geschlechtertheorien, „Making Sex Revisited", legt Heinz-Jürgen Voß nun mit einem kleinen Band nach. „Geschlecht. Wider die Natürlichkeit" verbindet die Theorien Judith Butlers, Simone de Beauvoirs und Karl Marx' mit biologischen Ansätzen zum Komplex Geschlecht. Unter dem programmatischen Titel liefert er eine Rundumschau historischer wie aktueller Geschlechtertheorien und klopft diese auf ihr emanzipatorisches Potenzial ab. Von Platons Kugelmenschen  der Antike über Karl Heinrich Ulrichs' „konstitutionell bisexuellem" Uranier bis hin zur - bislang vergeblich gebliebenen - Suche nach dem sogenannten ,,Hoden determinierenden Faktor" in der modernen Genetik. Voß zeigt, dass
auch aus der Perspektive biologisch-medizinischer Geschlechterforschung sehr wohl differenziertere Modelle als eine Ordnung, die Menschen in zwei- und nur zwei! - Geschlechter aufspaltet, denkbar sind. Verknüpft mit den gesellschaftskritischen Ansätzen von de Beauvoir, Butler und Marx, ergibt sich für ihn die Forderung nach einer gerechteren Welt, in der ebenso die angebliche „Natürlichkeit" der Zweigeschlechterordnung wie auch die Wirkmächtigkeit der Kategorie Geschlecht selbst hinterfragt werden muss. Eine lesenswerte und sehr zugängliche Kampfansage an die Zweigeschlechterordnung." Mit freundlicher Einwilligung der L.MAG ist die Rezension hier als Abbildung zu finden.

Dr. Anja Gregor rezensierte "Geschlecht" für Mädchenblog und folgert: „Verständlich, streitbar und gehaltvoll“. Und weiter schreibt Gregor: "Das Buch ist in sehr verständlicher und angenehm zu lesender Sprache verfasst. Voß nimmt den_die Leser_in mit durch das Buch, indem immer wieder Zusammenfassungen gemacht werden und darauf verwiesen wird, an welcher Stelle der Argumentation eine_r sich gerade befindet. Ich empfinde das Buch als sehr gutes Destillat der Erkenntnisse der o.g. Diss, hier werden die dort ausführlich und – den Umständen geschuldet – hochwissenschaftlich formulierten Erkenntnisse für Menschen formuliert, die sich in der biologisch-medizinischen Wissenschaft wenig bis gar nicht auskennen. Zum einen ein toller Einstieg für die Auseinandersetzung mit dem biologisch-medizinischen Diskurs, der in der Diskussion um die Kritik der Heteronormativität immer wichtiger werden wird – nicht zuletzt aufgrund immer populärer werdender biologistischer neurowissenschaftlicher Ansätze, die den Essentialismus der Zweigeschlechtlichkeit versuchen in das Gehirn zu verlagern – und ihn so weiterhin unzugänglich für Kritk zu halten. Voß‘ Arbeit bietet die Möglichkeit, solchen Ansätzen zu widersprechen, auch, indem weiterführende Werke genannt werden, mit denen eine_r sich in diverse Richtungen weiterbilden kann. Zum anderen auch eine gelungene integrierende Arbeit: Die Intersektionalität verschiedene Unterdrückungsmechanismen wird im Buch immer wieder hervorgehoben, die Lebensumstände in ihrer Gesamtheit und ihrem Zusammenspiel als verantwortlich für die gesellschaftliche Stellung einer Person hervorgehoben. Dieser Ansatz ist die Basis aller Überlegungen – auch jener zur biologisch-medizinischen Neuschreibung von Geschlechtsentwicklung. Insgesamt ein empfehlenswertes Bändchen der theorie-org-Reihe, über das es sich zu unterhalten gilt!" Die vollständige Rezension findet sich hier.

Didine van der Platenvlotbrug besprach das Buch in der "Hugs and Kisses" (Nr. 7, April 2011) und schreibt unter anderem: "Dieses Büchlein ist vieles in einem: Es dient als schnelle Theorie-Übersicht zu Butler und Co, bringt einige spannende Gedanken zu biologischen Thesen oder Nicht-Thesen und stellt aktuelle Diskursslröme dar - eine ganze Menge für so ein kleines Buch. Das Schöne: Es bleibt sehr lesbar und bietet für wissenschaftlich Interessierte einen tollen Einstieg!" Die komplette Rezension findet sich hier (Lieben Dank an die Redaktion für das Einverständnis!)

Auf ladyfestgreifswald.blogsport.de heißt es zum Buch: "Ebenso wie das im vergangenem Jahr erschienene Buch „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“, wird auch das aktuelle „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ von Heinz-Jürgen Voß – zum Glück – von sich Reden machen. Anlass dazu bietet der weit gespannte und an keiner Stelle überspannte Bogen von alten und neuen Diskussionen zum Konstrukt Geschlecht: So haben Theorien nach Beauvoir (historisch) und Butler (aktuell) ebenso ihren Platz in dem circa 200 Seiten umfassenden Buch, wie historische und aktuelle biologische Geschlechtermodelle, und letztendlich sich an Marx orientierende gesellschaftskritische Forderungen. Der Biologe Voß geht, ebenso wie Karl Marx und Simone de Beauvoir in ihren Werken, in seinem Diskurs stets von der Situation der gesellschaftlich nicht Privilegierten aus, was seine Perspektive von der von vielen bisher existierenden wissenschaftlichen Texten und Forschungen unterscheidet. Voß stellt somit die Bedürfnisse derjenigen Menschen in den Mittelpunkt, die bisher meist gar nicht oder nur in der Opferrolle in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen vorkamen. In keiner Weise wird dabei geleugnet, es gäbe überhaupt keine Frauen und Männer – in unseren Köpfen. Hierbei wird häufig und passend Beauvoir zitiert: „Selbstverständlich kann keine Frau, ohne unaufrichtig zu sein, behaupten, sie stünde jenseits ihres Geschlechts…Wenn wir es auch ablehnen, sie (die Frau) mit dem ewig Weiblichen zu erklären, aber gelten lassen, dass es, zumindest vorläufig, Frauen auf der Erde gibt, müssen wir uns wohl die Frage stellen: was ist eine Frau?“ (aus: „Das andere Geschlecht“) Und Voß selbst bringt es dann mit folgenden Worten auf den Punkt: „Nur weil real „Frauen“ und „Männer“ und Unterschiede zwischen ihnen festgestellt wurden, heißt das nicht, dass sie vorgegeben sind und dass man in Gedanken des „Ewigweiblichen“ oder „Ewigmännlichen“ verfallen müsste. [...] Mensch kann ja zur Sicherheit das schwarz-pinke Büchlein in die Hosentasche stecken, um für Diskussionen aller Art („Aber Frauen haben doch nun mal nicht so viele Muskeln wie Männer!“, „Aber es sind schon immer Männer jagen gegangen und Frauen haben Kinder bekommen“, „Aber es gibt nun mal bestimmte Gene, die für die Ausbildung eines bestimmten Geschlechtes zuständig sind.“…) mit Argumenten und weitreichender Sicht ausgerüstet zu sein. Voß schafft mit seinen in die Tiefe gehenden und zugleich anschaulichen Ausführungen mehreres: Die Natürlichkeit ab, Klarheit und Optimismus dafür, dass wir etwas verändern können." Die ganze Rezension findet ich hier.

Monika Jarosch rezensierte "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" in den "aep informationen - Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft" (2/2011, S.51/52). Jarosch schreibt u.a.: "Das Buch ist hochinteressant und es macht Freude, einem Naturwissenschaftler in seinen Beweisführungen wider die Natürlichkeit des Geschlechts zu folgen." Die Zeitschrift kann hier bestellt werden.

Bettina Enzenhofer beurteilte "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" in ihrer Rezension „Emanzipatorische Biologiekritik“ im feministischen Monatsmagazin „an.schläge“ (Juli/August 2011, S.38). Enzenhofer schreibt u.a.: "Wer bislang noch nichts von Heinz-Jürgen Voß gelesen hat, sollte dies nun unbedingt nachholen – uneingeschränkt empfohlen sei sein neuestes Buch "Geschlecht. Wider die Natürlichkeit". Waren schon seine Dissertation („Making Sex Revisited“, siehe an.schläge 06/2010) und etliche seiner Artikel (z.B. über die Komplexität von Geschlecht, über Intersexualität etc.) wegweisend, so destilliert Voß seine Erkenntnisse nun nochmals: Noch verständlicher geschrieben, noch mehr Einbettung in gesellschaftskritische Ansätze (z.B. von Karl Marx, Simone de Beauvoir) und durch einige "Exkurse" noch nachvollziehbarer. Das Buch wurde unlängst sogar vom Bildungsserver Hessen als Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II empfohlen.“ Das Monatsmagazin „an.schläge“ kann hier bestellt werden; die Rezension ist komplett hier online (vielen Dank an Autor_in und Redaktion für ihr Einverständnis).

Prof. Dr. Florian Mildenberger rezensierte "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" ausführlich für die wissenschaftliche Zeitschrift Würzburger medizinhistorische Mitteilungen (S.429-432). Er schreibt unter anderem: „Voß ist Biologe und Wissenschaftshistoriker, so gelingt es ihm das stets genannte Problem des mangelnden Kenntnisstandes nicht-naturwissenschaftlicher Kritiker hinsichtlich aktueller biomedizinischer Studien für sein knapp umrissenes Themengebiet zu beheben. Sowohl die Variabilität der Aussagen Darwins zur Rolle von Geschlechtsunterschieden finden Erwähnung, als auch die modernen Interpretationen. Die Forschung der letzten Jahre, vor allem rund um die Zubilligung besonderer Bedeutung für das SRY-Gen wird breit rezipiert – und in Kontext zu Anstrengungen von Gelehrten seit der Frühen Neuzeit gesetzt, die in der Differenzierung von Hoden und Eierstock die maßgeblichsten Unterscheidungsmerkmale erkannt zu haben glaubten. Voß geht jedoch noch einen Schritt weiter indem er die Frage stellt, ob aus der Überschätzung der genetischen Forschung, die keineswegs eine Antwort geben könne, was denn nun die Geschlechterunterschiede ausmache, nicht eventuell die Überlegung abgeleitet werden könne, daß es nicht nur zwei, sondern sehr viel mehr Geschlechter gebe. Der gesellschaftspolitischen Konsequenzen einer solchen Überlegung ist er sich aufgrund seines marxistischen Fundaments sehr wohl bewußt. Voß vergißt auch nicht zu erwähnen, daß diese Überlegungen in der deutschen Wissenschaft vor 1933 bereits existiert hatten, ehe der eher primitivere zweigeschlechtliche Ansatz sich durchgesetzt hatte. […] Insgesamt ist festzuhalten, daß Heinz-Jürgen Voß ein herausragendes Einführungswerk gelungen ist, kurz und gleichwohl prägnant, auch in seinen diskutablen Einschätzungen. Selbst wenn das Zielpublikum des Verlages eher auf Barrikaden denn in Hörsälen zu suchen ist, wird die Lektüre des Buches auch innerhalb von Akademien und Laboren niemandem schaden. Wer an tiefergehenden und weiterführenden Überlegungen interessiert ist, mag zu Making Sex Revisited greifen.“ Die Zeitschrift kann u.a. beim Verlag bestellt werden .

Dr. Matthias Zaft veröffentlichte eine Besprechung des Buches bei Queer.de - unter dem Titel "Der Mensch ist kein Gabelstapler" schreibt er u.a.: "Konsequenterweise lässt sich Heinz-Jürgen Voß nicht auf eine politisch willkommene Aufteilung in biologisches ("natürliches") und gesellschaftliches Geschlecht nach "Sex" und "Gender" ein. Diese vermeintlich emanzipatorische Debatte nämlich verlagert das Problem lediglich von den Ursachen in die Sphären der Folgen. Dabei bräuchte auf gesellschaftliche Ungerechtigkeit, etwa unter/zwischen "den beiden" Geschlechtern nicht nur akademisch motiviert reagiert zu werden, wenn die vermeintliche Ursache, besagte "Natürlichkeit" nämlich, als dasjenige benannt und anerkannt würde, was sie ist: ein Mythos. Transparent und fundiert arbeitet sich Heinz-Jürgen Voß an eben diesem Mythos ab. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Biologie und Medizin nimmt er dabei ebenso präzise in den Blick wie unterschiedliche historische Konzepte und Modelle zum Thema Geschlecht. Doch damit nicht genug: Dass die Herausarbeitung einer historischen und gesellschaftlichen Bedingtheit von Zweigeschlechtlichkeit nicht reiner Selbstzweck ist, wird deutlich, wenn Heinz Jürgen Voß die Verbindungslinien zwischen Geschlecht und gesellschaftlicher Rolle und Position aufzeigt. Hierzu begibt er sich in durchaus gute Gesellschaft mit Simone de Beauvoir, deren Protest gegen ein "biologisches Schicksal" von Voß durchweg elegant mit trockener Munition versorgt wird. Ob, und auf welche Weise ihm dies gelingt, lohnt sich selbst herausfinden." Die vollständige Rezension findet sich hier.

Prof. Dr. Rüdiger Lautmann rezensierte "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" und "Making Sex Revisited" zusammen für die Zeitschrift für Sexualforschung. Er schreibt unter anderem: "Voß‘ Studien enthalten einen beträchtlichen Mehrwert an Erkenntnis. Man wird zukünftig nicht von der kulturellen Selbstverständlichkeit ausgehen können, die Aufteilung in zwei Geschlechter (zuzüglich einiger quantitativ seltener Besonderheiten wie Transgender und Intersexe) sei ein eindeutiges Resultat der Biologie. Vielmehr wird man anerkennen müssen, dass auch die Biologie – ebenso wie seit einiger Zeit die kulturologische Genderforschung – immer schon mehrere Denkmodelle gepflegt hat.”

Dr. Zülfkuar Çetin rezensierte „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ in der Zeitschrift „freitext“ (Nr. 20, S.8-9). Er schreibt u.a.: „Hiermit werden die ‚Geschlechter‘ nicht mehr als ‚natürlich‘, angeboren, vorgegeben, unabänderlich und überzeitlich angesehen, sondern als historisch und wirtschaftlich bedingte soziale Konstruktionen, welche die Unterdrückung der Frau oder des Nicht-Männlichen rechtfertigen. […] Das Buch „Geschlecht. Wider die Natürlichkeit“ bietet mit seiner verständlichen Sprache und schlüssigen Struktur eine gute Einführung zur Dekonstruktion des biologischen Geschlechts aus der Sicht eines kritischen Biologen und Sozialwissenschaftlers.“ Die Zeitschrift kann hier bestellt werden.

In der Publikation "Sex(ual) Politics" der österreichischen HoschschülerInnenschaft wird "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" besprochen. Dort heißt es unter anderem: Heinz-Jürgen Voß' "Ausführung beinhaltet dabei durchwegs neue Forschungsarbeit und wirkt trotz des naturwissenschaftlichen Hintergrunds keineswegs trocken. So stellt das Büchlein in Summe ein ausgezeichnetes Einführungswerk dar, das prägnant und verständlich unterschiedliche Diskussionsstränge auf den Punkt bringt und neue Diskussionsansätze geradezu herausfordert." Hier lässt sich die Publikation "Sex(ual) Politics" bestellen.

Stefan Wallaschek rezensierte das Buch auf dem Soziologieblog: „Damit lässt sich Voß‘ Einführungswerk einerseits in die aktuelle (konstruktivistisch-geprägte) Debatte um die Interdependenz von sex und gender einordnen: Keines von beidem ist vorgelagert, sondern beide Kategorien konstruieren sich gegenseitig und unterliegen zudem einem Bedeutungswandel […]. Andererseits ebnet er mit seiner geschlechtssensitiven Analyse der bio-medizinischen Erkenntnisse den Weg für weitere sozialwissenschaftliche Forschung im Bereich der Foucault’schen Bio- und Genpolitik […]. Hilfreich sind in dem Buch nicht nur die Schaubilder, sondern auch die sogenannten „Exkurse“: hervorgehobene Stellen, die entweder über einige Seiten Ausschnitte aus Originaltexten wiedergeben, biografische Inhalte präsentieren oder tiefergehende Kritik an einflussreichen Studien äußern. Zusammen mit kurzen Weiderholungen der bisherigen Aussagen des Buches am Anfang jedes größeren Kapitels wird damit der Textfluss belebt und die Verständlichkeit, vor allem für Einsteiger_innen, erhöht.“ Stefan Wallaschek, Soziologieblog, 23.4.2013, hier im Volltext online.

Das Stadtmagazin PRINZ Leipzig beurteilt "das aktuelle, Diskussionen aufwirbelnde Taschenbuch 'Geschlecht - wider die Natürlichkeit'" mit vier Sternen, als "sehr gut". Es "belegt [...] die Existenz von mehr als zwei Geschlechtern", so PRINZ in der gedruckten Juli-Ausgabe (Juli 2011, S.79).

Straßen aus Zucker empfehlen "Geschlecht wider die Natürlichkeit" in ihrer aktuellen Ausgabe, Nr. 6, S.20. In der Besprechung heißt es unter anderem: "Dabei erwarten Dich keine langweilig-detaillierten Ausführungen über komplizierte biologische Prozesse, sondern ein nachvollziehbarer Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft, der auf viele Geschlechter und Individualitäten der Körper verweist." Die vollständige Ausgabe der Zeitschrift ist hier als pdf-Datei online.

Das Blog "Emanzipation oder Barbarei" rezensierte "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" im Dezember 2011. Die vollständige Besprechung findet sich hier. (Zweitveröffentlichung in "Krisis - Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft", hier.)

Uschi Siemens besprach "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" in "Wir Frauen - das feministische Blatt", Nr. 2/2011. Die Zeitschrift kann hier bestellt werden.

Das Buch "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" (ISBN 3-89657-663-1, 180 Seiten, 10 EUR) ist soeben in der feinen Reihe theorie.org des Schmetterling Verlags erschienen. Ich möchte Sie/Euch herzlich zur Lektüre und Diskussion einladen!

Geschlecht: Wider die Natuerlichkeit

In dem Buch wird klar und deutlich herausgestellt, dass Menschen und all ihre (unsere) Wahrnehmung stets schon gesellschaftlich sind. Anknüpfend an Karl Marx und Simone de Beauvoir wird diskutiert, warum uns diese Gesellschaftlichkeit so rasch entgleitet und wir bestrebt sind, Beobachtungen und Merkmale als "natürlich" - vorgegeben und unabänderlich - zu erklären und sie damit unser Einflussnahme zu entziehen. Es wird deutlich, dass es für ein besseres Verständnis der Gesellschaftlichkeit der Menschen wichtig ist, Kapitalismuskritik und Geschlechtskritik zusammenzudenken. Da bislang selten geschehen, werden historische und aktuelle "biologische Theorien" - auch sie sind Teil der Gesellschaft! - anschaulich und verständlich in ihrer Vielschichtigkeit diskutiert.

Das Buch ist ab sofort überall im Buchhandel erhältlich! Für ein Rezensionsexemplar wendet Euch/wenden Sie sich bitte an den Verlag oder an mich (voss_heinz[ättt]yahoo.de); auch übrige Diskussionsbeiträge, Anmerkungen und Kritiken sind sehr willkommen! Continue reading “NEUES BUCH in der Reihe theorie.org: „GESCHLECHT: Wider die Natürlichkeit“” »

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[aktualisiert: Juli 2018]

Das Buch Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive, erstmals 2010 erschienen und mittlerweile in der 3. Auflage (und nun auch als Open-Access-Buch erhältlich), wurde interdisziplinär breit zur Kenntnis genommen - in Geschlechterforschung, Medizin, Biologie-Didaktik, Geschichtswissenschaften, Erziehungswissenschaften, Soziologie etc. Dabei gibt es selbstverständlich verschiedene Ansätze, die gut in Diskussion zueinander kommen - verwiesen sei etwa auf den Aufsatz der Soziologin Daniela Heitzmann in der Fachzeitschrift Gender, in dem Heitzmann die Ansätze von Londa Schiebinger, Thomas Laqueur und Heinz-Jürgen Voß miteinander diskutiert. Neben dem breiten wissenschaftlichen Diskurs, der disziplinübergreifend in Gang gekommen ist (und bei dem mittlerweile auch in der Disziplin Biologie selbst sehr grundlegendes Nachdenken über biologische Theoriebildung zu Geschlecht stattfindet, vgl. etwa den Aufsatz von Claire Ainsworth in der Fachzeitschrift Nature), freue ich mich auch über breitere gesellschaftliche Anschlüsse, wie etwa im Band "Liebe in der Moderne: Körperlichkeit, Sexualität und Ehe" von Isolde Karle.

Nils Wilkinsons schreibt in seinem Aufsatz "Ordering Darwin: Evolution and Normativity", der im lesenswerten Sammelband "Reflecting on Darwin" (2014, hg. von Eckart Voigts, Barbara Schaff & Monika Pietrzak-Franger) erschienen ist mit Bezug auf die Theorien in "Making Sex Revisited": "The complexity of specializations within science leads to unbridgeable gaps between scientists who then resort to simplifications so as to be able to at least communicate some of the dense knowledge acquired over a long period of time. This problem appears even more striking when we consider the distortions of scientific insights in the arts and science pages of the popular press. Here, an uncritical reader with only surface knowledge of biological science may be led to think that biology actually holds the answer to the question of what human nature is (look out for sentences that start with ‹scientists now have found the key to…›), rather than showing that nature is a malleable, ongoing process of becoming. For example, if we look into Heinz-Jürgen Voß’s work on the history of not only medical theories of sex, we see that constructivist notions have long been part of such inquiries and that they are not a symptom of the two cultures of hard vs. soft science." (S.165)

Im Folgenden eine Übersicht über die Rezensionen von "Making Sex Revisited":

 

Deutschlandradio Kultur bewertete "Making Sex Revisited" in einem Interview am 18. Januar 2012 wie folgt: "[D]iese Dissertation hat ziemlich Furore gemacht, nicht nur unter Fachkollegen, weil [...] darin die traditionelle Zuweisung des Geschlechts in männlich - weiblich [abgelehnt wird]."

Der Medizinhistoriker Prof. Dr. Florian Mildenberger rezensierte "Making Sex Revisited" in Gigi - Zeitschrift für sexuelle Emanzipation (Heft 66) und schreibt u.a.: Heinz Jürgen Voß ist mit „Making Sex Revisited" ein großer Wurf gelungen. Er stellt zunächst die unterschiedlichen Annäherungen seiner Kollegen an die Geschichte von Sexualitäten vor und leitet dann, quasi nebenbei, zu den wissenschaftshistorisch sauber aufbereiteten Erkenntnissen aus Antike, Mittelalter und Früher N euzeit über. Die vielfach angedachte Synthese von Natur- und Geisteswissenschaften findet bier (beinahe) statt Zwischenbilanzen erlauben es dem erschöpften Leser, zu Atem zu kommen, denn dicht fliegen ihm die Informationen um die Ohren. [...] Voß gibt keine einfachen Antworten, er liefert komplexe Denkmodelle und verlangt vom Leser, daß er selbst weiterforscht. Die Beherrschung der Grundkonzepte der zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Biologie und Medizin ist schlichtweg Voraussetzung für die Lektüre. Hinzu tritt die Inffragestellung all derjenigen Werke, die in den letzten Jahren in Unkenntnis dieser Tatsache entstanden sind. Heinz-Jürgen Voß kann sich sicher sein, gerade in diesem Zusammenhang besonders viele neue „Freunde" gewonnen zu haben. Ganz selbstverständlich geht er davon aus, daß das Studium von Originalquellen eine Kernkompetenz von Wissenschaftshistorikern sein muß. Dies kann als Absage an die neuen Heroen der Wissenschaftstheorie verstanden werden (zum Beispiel Galison, Latour etc.). Abschließend ist es ferner notwenig, zu betonen, daß Voß keine Tutalabkehr von den Denkmodellen seiner Zunft fordert. Er ist eben gerade nicht der großspurige Prophet, sondern offenbar ein begeisterter und begeisternder Gelehrter, der die positiven Aspekte aus den Werken seiner Ideengeber und Lehrer zusammensucht und neu verbindet. ,,Making SexRevisited" ist kein Aufruf an Bilderstürmer oder ungebildete Revolutionäre, es ist ein Appell an die Vernunft. Und die Stimme der Vernunft ist bisweilen leise, dafür aber sympathisch und für Kritik offen. Im Gegensatz zu vielen anderen Forschern auf diesem Gebiet freut sich der Autor über Anmerkungen. Wer will, kann mit ihm bloggen unter http://dasendedessex.blogsport.de/." Homepage der Zeitschrift / direkt zur Rezension (pdf-Dokument, 2,2 mb)

Der Professor für Biologie-Didaktik, Prof. Dr. Uwe Hossfeld besprach das Buch in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (58. Jg., Heft 9/2010, S.746/747); er schreibt u.a.: "[...] Nach einer Einleitung, die auf die wichtigsten Ziele, Inhalte und Methoden der Arbeit fokussiert, folgen drei Hauptkapitel: I. Das differenzierte Geschlechterverständnis der Antike – Facetten von Ein- und Zweigeschlechtlichkeit; II. Zur Konstituierung von Geschlecht in modernen biologisch-medizinischen Wissenschaften, III. Geschlechterdetermination – von „dem hodendeterminierenden Faktor“ hin zu Modellen komplex interagierender und kommunizierender molekularer Komponenten. Das erste Kapitel folgt weitgehend der Chronologie der Ereignisse und liefert eine gelungene Übersicht über die Geschlechterauffassungen der Antike, wobei dieser wissenschaftshistorische Ansatz im zweiten Kapitel bis auf die Neuzeit mit ihren modernen biologisch-medizinischen Wissenschaften übertragen wird. Der dabei herausgearbeitete Blick in die Historie zeigt bereits frühzeitig die Ambivalenz des Themas auf. Man wusste zwar seit Darwin, dass manche Eigenschaften vererbt werden, andere nicht, aber worauf dies zurückzuführen war, blieb im Dunkeln. Der wichtigste wissenschaftliche Grund für die dann aufkommenden Kontroversen über den Evolutionsmechanismus im 19. Jahrhundert war dann auch das Fehlen einer zutreffenden Theorie der Vererbung. Es war völlig ungeklärt, wodurch bei der Vererbung Ähnlichkeit und Variabilität entstehen. Warum sind Kinder ihren Eltern und Geschwister einander ähnlich, ohne ihnen aber völlig zu gleichen? Diese Fragen wurden mit den unterschiedlichsten Vererbungstheorien beantwortet, die aber nur zum Teil mit der Selektionstheorie vereinbar waren und andere Vorstellungen über den Evolutionsmechanismus implizierten. Der entscheidende Punkt in dieser Kontroverse war, ob die erbliche Variabilität überwiegend zufällig und richtungslos ist, oder ob schon eine bestimmte Richtung vorgegeben ist, beispielsweise zu größerer Anpassung oder Komplexität. Falls letzteres zutreffen würde, könnte die Selektion nur innerhalb eines begrenzten Rahmens ihre Wirkung entfalten und der richtunggebende Faktor hätte eine entsprechend größere Bedeutung. Voss zeigt im zweiten Kapitel an ausgewählten Protagonisten und Forschungsfeldern dann einige dieser Perspektiven einer Geschlechterforschung auf, wobei der Ansatz von Anne Fausto-Sterling über die „fünf Geschlechter“ wohl der heuristisch wertvollste bis dato ist/war. Das letzte Kapitel beeindruckt dann schließlich durch seine Wissenschaftlichkeit und Kompilation der Datenfülle, wobei der Autor keine Mühen gescheut hat, sich in die aktuellen Forschungen der Humangenetik und Molekularbiologie einzulesen. Chromosomen, Gene, Expression, Analyse, Sequenz sind dann so auch hier wichtige Schlagwörter. Ein ausführliches Personenregister sowie ein umfassendes Literaturverzeichnis runden das gut lesbare Buch ab. Voss‘ kompaktes Werk kann sowohl wissenschaftlichen Laien wie auch Natur- und Geisteswissenschaftlern gleichsam empfohlen werden. Es dokumentiert nicht nur die Ebene eines bedeutenden (und bisher in dieser Ausführlichkeit kaum behandelten) biologisch-medizinischen Themenfeldes, sondern zeigt nebenbei auch Ebenen der Wissens- und Sprachkultur sowie des Umgangs miteinander auf, reflektiert verschiedene gesellschaftliche Verhältnisse, Zwänge und dokumentiert natürlich auch den unterschiedlichen Stand der Wissenschaft zum Buchthema in verschiedenen Zeitepochen." Die Zeitschrift kann bestellt werden, auch als Einzelheft: hier.

Der Jurist und Soziologe Prof. Dr. Rüdiger Lautmann rezensierte "Making Sex Revisited" zusammen mit "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" für die Zeitschrift für Sexualforschung. Lautmann schreibt u.a.: "Die beiden Bücher ["Making Sex Revisited" und "Geschlecht"] Bücher attackieren die verbreitete Grundüberzeugung, dass Menschen von Natur aus ein Geschlecht „haben“ und dass dieses Merkmal nach weiblich / männlich strikt zweigeteilt sei. Auch in der Sexualwissenschaft – sei sie grundlagenorientiert oder klinisch – wird weithin so gedacht, geschrieben und behandelt. Voß trägt seine Attacke nicht – wie sonst so viele – als bloßes Postulat vor, sondern entwickelt sie denkgeschichtlich, und zwar derart materialreich, dass der Kritik irgendwann die Puste ausgehen muss. [...] Die Bremer „phil. Diss.“ eines von der Biologie herkommenden Autors [...] zeigt uns in überwältigender Materialfülle, wie das abendländische Denken zum Geschlechterbinarismus verlaufen ist. In einer sehr umfangreichen Recherche wird die Forschungsliteratur ausgewertet (bei den historischen Partien sekundäranalytisch). Seitdem man von einer Biologie als Wissenschaft sprechen kann, werden die einschlägigen Texte präsentiert (Primäranalyse). [...] In Kapitel I widmet sich die Dissertation dem Geschlechterverständnis der griechisch-römischen Antike und findet hier Ideen zur Ein- und Zweigeschlechtlichkeit vor. [...] Das (ausführlichste) Kapitel II schildert, wie die Kategorie Geschlecht in der Moderne konstituiert wird. [...] Kapitel III, für den Nichtnaturwissenschaftler streckenweise hermetisch, diskutiert die biologischen Vorgehensweisen zur Erklärung der Geschlechtsentwicklung. Die Theorien entwickeln sich weg von einer vorrangigen Determination durch DNA oder Gene, hin zu neuen Modellen komplex interagierender und kommunizierender molekularer Komponenten. Im Einzelnen untersucht Voß die Wissensbestände zur Differenzierung des Genitaltraktes in der Embryonalentwicklung. Weder einzelne Gene noch das vielgenannte Y-Chromosom determinieren eindeutig das sich ausprägende Geschlecht; das reduktionistische Modell einer Y-chromosomal aktivierten männlichen Entwicklung gegenüber einer automatisch ablaufenden weiblichen Entwicklung ist durch das hochkomplexe Modell vielfältiger Genregulationsprozesse zu ersetzen. Vielfältige zelluläre Prozesse (und umgebende Einflüsse) bestimmen, welche DNA-Sequenzen zu Informationen werden bzw. welche Informationen aus solchen DNA-Sequenzen gezogen werden (S. 296–305). Am Beispiel einer Gen-Expressionsanalyse wird vorgeführt, wie im scheinbar neutralen experimentellen Vorgehen der Biomedizin die Vorannahmen der Forschenden zu einer stets gegebenen Geschlechterdichotomie das methodische Vorgehen bestimmen, sodass die passenden Ergebnisse und Interpretationen resultieren (S. 288–296). Geschlechtsdetermination erweist sich in dieser Sicht als ein Resultat von Prozessen, Interaktionen, Kommunikationen von zahlreichen molekularen Komponenten in der Zelle, im Organismus und mit der Umwelt. [...] Voß‘ Studien enthalten einen beträchtlichen Mehrwert an Erkenntnis. Man wird zukünftig nicht von der kulturellen Selbstverständlichkeit ausgehen können, die Aufteilung in zwei Geschlechter (zuzüglich einiger quantitativ seltener Besonderheiten wie Transgender und Intersexe) sei ein eindeutiges Resultat der Biologie. Vielmehr wird man anerkennen müssen, dass auch die Biologie – ebenso wie seit einiger Zeit die kulturologische Genderforschung – immer schon mehrere Denkmodelle gepflegt hat. Weiterführend ist auch der erfolgreiche Versuch Voß‘, die Illusion von einer rein tatsachenbezogenen und objektivistischen Naturwissenschaft auszuhebeln. Weist er doch an vielen Stellen nach, dass hier eine intuitive Wahrheit zur Geschlechtsbinarität bereits vorausgesetzt wird – indem „‚männliches‘ Geschlecht in der überwiegenden Anzahl der gesellschaftlichen und naturphilosophisch bzw. biologisch-medizinischen Beschreibungen gegenüber ‚weiblichem‘ Geschlecht erhöht wurde“ (S. 314). In den Studien blieben die impliziten Annahmen unangetastet oder erschienen am Ende als bestätigt. Diese Fälle eines circulus vitiosus aufgezeigt zu haben, zählt zu den stärksten Resultaten der Studie. Sie wurden nur in der Kombination einer soziokulturellen und naturbezogenen Betrachtungsweise möglich: Der soziologische Nachweis, dass die Geschlechterdifferenz kulturell produziert und daher auch änderbar ist (zuerst bei Erving Goffman 1977) ermöglichte überhaupt erst diese Analysen der Geschlechterbiologie und förderte die Kontingenz der Binarität zutage. Inzwischen arbeiten auch weitere Studien an einer kultur- und sozialwissenschaftliche Analyse, worin die bisherigen Gewissheiten zur sozialen Strukturierung der Zweigeschlechtlichkeit angefochten werden. So postuliert Christoph Kucklick eine „Negative Andrologie“‘ (2008), die das Verständnis der Männerdominanz überschreibt. Hierzu enthierarchisiert Kucklick das Verhältnis der Geschlechter, doch verbleibt er, nach einigen kritischen Bemerkungen gegen den Binarismus, innerhalb dessen Bezugsrahmen. Die Denkbereiche werden zukünftig, wie von Voß begonnen, mehr aufeinander hören und aneinander anschließen. Auch Volkmar Sigusch sah gerade erst in dieser Zeitschrift eine „geöffnete Grenze zwischen Natur- und Gesellschaftsprozess“ (2011: 284)." Zur Besprechung.

Die Altertumswissenschaftlerin Steffi Grundmann besprach das Buch gerade auch im Hinblick auf die Ausführungen zu Antike und Geschlecht auf dem Blog Grundmast und schreibt unter anderem: "Heinz-Jürgen Voß untersucht in Making Sex Revisited die diskursive Herstellung biologischer Geschlechtlichkeit in naturphilosophischen, biologischen und medizinischen Diskursen. Im Zentrum der Arbeit stehen moderne naturwissenschaftliche Diskurse. Einführend werden jedoch die Komplexität und Vieldeutigkeit vormoderner Vorstellungen biologischer Geschlechtlichkeit und ihrer Entstehung dargestellt. [...] Es wird deutlich, dass eine Vielzahl verschiedener Konzeptionen der Geschlechtsentstehung miteinander konkurrieren. Die Vorstellung eines ‘Ein-sex-Modells’, wie Thomas Laqueur es vorgeschlagen hat, reduziert diese Vielfalt und Widersprüchlichkeit auf ein Modell, dass universell gegolten habe, und ist insofern nicht geeignet antike Vorstellungen sinnvoll darzustellen. Im Anschluss erhärtet Voß diese Infragestellung der Thesen Laqueurs, indem er aufzeigt, dass moderne und aktuelle bio-medizinische Diskurse nicht eindeutig und universell einem ‘Zwei-sex-Modell’ zugeordnet werden können. Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur naturwissenschaftskritischen Geschlechterforschung und zeigt Alternativen für den aktuellen bio-medizinischen Umgang mit der sogenannten biologischen Geschlechtlichkeit und ihrer Entstehung auf. Zentrale Erkenntnisse und Ergebnisse der Arbeit sind:

  • die (nochmalige) Belegung des Konstruktionscharakters biologischer Geschlechtlichkeit,
  • die Sensibilisierung für die Wandelbarkeit der Vorstellungen über sex,
  • die Fokussierung auf Kontinuität und Wandel als Prozesse, die in einem engen Wechselverhältnis stehen.

[...] Aus altertumswissenschaftlicher Perspektive ist die sinnvolle Heranziehung der antiken Diskurse und ihre Einbettung in die Ergebnisse hervorzuheben. Voß beschränkt sich nicht darauf, legitimierend auf antike Diskurse und Praktiken zu verweisen, wie dies häufig geschieht. [...]" direkt zur Rezension

Ingeborg Breuer würdigte "Making Sex Revisited" bei Deutschlandfunk Studiozeit (26.1.2012) wie folgt: "Die amerikanische Philosophin Judith Butler erregte schon vor Jahren Aufmerksamkeit mit ihrer These, dass 'Mann' und 'Frau' ausschließlich soziale Kategorien seien, durch die den Körpern erst ein biologisches Geschlecht eingeschrieben werde. [...] Heinz-Jürgen Voss überbietet diese Position noch einmal, indem er in seiner Dissertation, so wörtlich, eine "Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive" versuchte: 'Es geht darum aufzuzeigen, dass es das typisch Männliche und das typisch Weibliche nicht gibt und dass schon, wenn wir uns organische Strukturen ansehen, [wir] immer auf eine Individualität dieser Ausformungen [stoßen]', [so Voss]."

Besprechung bei femorantipole.blogsport.de. Dort heißt es u.a.: "die arbeit zeigt, dass bereits die vorannahmen zu gegenwärtigen biologischen untersuchungen, etwa von genen und genprodukten, vom binären geschlechterbild geprägt sind und so die variabilität und komplexität von ‚geschlechtsentwicklung‘ nicht in den blick nehmen können. [...] voß plädiert für eine offenere biologie und spricht sich für die anerkennung von geschlecht als variantenreiche kategorie aus. sie_er verurteilt die medizin für an säuglingen mit vermeitlich ‚uneindeutigem‘ geschlecht vorgenommene operationen und schließt mit den worten: „Wenn Du und Ich […] stärker Eigenschaften, Bedürfnisse und Merkmale konkret benennen, die Dir und Mir wichtig sind, auf die sich Dein und Mein Begehren richten, dann sind wir schon dabei, über Dich und Mich, über Uns, über Menschen zu sprechen – und nicht über Geschlecht.“ (S. 326)"

Die Historikerin, Philosophin und Politikwissenschaftlerin Kerstin Bischl rezensierte "Making Sex Revisited" auf H-Soz-u-Kult, Fachforum und moderierte Informations- und Kommunikationsplattform für Historikerinnen und Historiker. Bischl schreibt u.a.: "Die Auseinandersetzung mit historischen Geschlechtermodellen ist Ausgangspunkt von Voß' Buch, und diese führt er [...] sehr solide, kenntnisreich und reflektiert. [B]islang gibt es nur wenig Versuche, zeitgenössische molekular-biologische Erkenntnisse über Geschlecht jenseits sprachphilosophischer Argumente fundiert und kritisch in den Blick zu nehmen. Als Diplom-Biologe und Doktor der Philosophie ist Voß vermutlich auch einer der wenigen, die dies können." Die Rezension findet sich hier.

Der Journalist und Historiker Ferdinand Knauß würdigte das Buch auf seinem Blog "Geschlechtsverwirrung"  und schreibt u.a.: "Die Arbeit ist ein seltenes Beispiel wirklicher Transdisziplinarität. Für Biologen ist der historisch-diskursanalytische Teil vermutlich kaum zu beurteilen, für geisteswissenschaftlich geprägte Leser – wie den Autor dieses Beitrags – ist die Qualität des epigenetisch und molekularbiologisch argumentierenden Kapitels schwierig zu bewerten." und an anderer Stelle: "Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Dissertation eines jungen Vertreters der Gender & Science Studies. Heinz-Jürgen Voß hat Biologie studiert, wurde aber von dem Soziologen Rüdiger Lautmann promoviert. Finanziell unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linkspartei will Voß in seiner Arbeit den Nachweis geführt haben, dass es auch aus biologischer Perspektive kein „natürliches Geschlecht“ gebe. [26] Die molekularen Prozesse in Embryonen zeigten, so Voß, dass auch biologisch nicht nur zwei, sondern „viele Geschlechter“ denkbar seien. Ob Voß’ Darstellung unter rein epigenetischer Perspektive zutreffend ist oder nicht, das vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist jedenfalls kein Geheimnis, dass der Mensch keine absolut und ausnahmslos geschlechtsdimorphe (zweigestaltige) Art ist, weder bezüglich der Zusammensetzung der Chromosomen, noch in Bezug auf Hormonhaushalt, Geschlechtsdrüsen oder äußere Sexualorgane. Schätzungsweise bei zwei Prozent aller geborenen Kinder sind Abweichungen vom Dimorphismus feststellbar. [27] Aber was beweist das? Nur weil es seltene Fälle gibt, in denen Entwicklungsprozesse von Embryonen vom Normalverlauf abweichen, heißt das nicht, dass diese Phänomene den gleichen Stellenwert haben wie der Normalfall. Sollte man nicht mehr sagen „Löwen haben gelbes Fell“, weil es auch Albino-Löwen mit weißem Fell gibt?" Die vollständige Rezension findet sich hier

Die Journalistin Heike Friauf rezensierte in Junge Welt und schreibt unter anderem: "Das Buch 'Making Sex Revisited' des Biologen Heinz-Jürgen Voß, ein quellenreicher Forschungsbericht [...], wird mit Freude aufgenommen. [...] Voß [...] stellt naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien vor, die belegen, dass auch die biologische Seite des Geschlechts, in der Gender-Terminologie sex, gesellschaftliches Konstrukt ist." Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion hier die Rezension als Volltext (jpg-Datei).

Die Kommunikationswissenschaftlerin und Geschlechterforscherin Bettina Enzenhofer rezensierte für die Juni-Ausgabe des feministischen Monatsmagazins an.schläge. Enzenhofer schreibt u.a.: "[Der Band erfreut] das Herz der Geschlechterforscherin. [Biologisches Geschlecht] wird von Voß, der selbst Biologe ist, aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive dekonstruiert. Er spannt den geschichtlichen Bogen von der Antike bis heute und stellt fest: Was wir über Sex zu wissen glauben, ist in gesellschaftliche Bedingungen eingebunden, denn Theorien verändern sich [...]" Die vollständige Rezension findet sich mit freundlicher Genehmigung hier (1,7 mb).

Die Kulturwissenschaftlerin, Informatikerin und Geschlechterforscherin Katrin Kämpf besprach "Making Sex Revisited" für die Juli/August-Ausgabe der L.Mag. Kämpf schreibt u.a.: "[Ein] bahnbrechendes Werk, das hoffentlich schnell in den Kanon der Gender und Queer Studies aufgenommen wird." Mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion findet Ihr die Rezension hier als Volltext online.

Julian Bierwirth rezensierte "Making Sex Revisited" für die Zeitschrift Krisis und beurteilt u.a.: ""'Making Sex Revisited' [ist] Pflichtlektüre für alle die, die sich bislang noch sicher waren, dass die Annahme biologischer Zweigeschlechtlichkeit objektives Naturgesetz sei. In diesem Sinne: lesen!" Die vollständige Rezension findet sich hier.

Auf genderqueer erschien am 2.7.2010 eine Rezension. In ihr heißt es u.a.: "Ein sehr überzeugendes, gut geschriebenes, leser_innen_freundliches Buch, das längst überfällig war. Es bleibt zu hoffen, dass es (nicht nur) Mediziner_innen und Biolog_innen hilft, ihre dogmatischen Vorannahmen zu überwinden und sich den Menschen wie Du und Ich mit unseren Eigenschaften und Bedürfnissen zuzuwenden – ein ›Geschlecht‹ ist dafür nicht nötig."

Im Transgenderradio wurde das Buch am 27.3.2012 besprochen. U.a. heißt es in der Rezension: "Die Leistung des Buches ist es, aufzuzeigen, dass der Sicherheit mit der immer wieder auf die biologischen Erkenntnisse Bezug genommen wird, ganz und gar keine Gewissheiten entsprechen. „Making Sex Revisited“ ist ein wichtiges und längst überfälliges Buch, das einen fundierten, historischen Überblick über die Geschlechtertheorien aus Perspektive der Biologie gibt, methodisch für naturwissenschaftliche Betrachtungsweisen von Geschlecht neue Standards setzt und grundlegend für eine Vielzahl anzuschließender Forschungsarbeiten sein dürfte."

Dr. Anja Gregor besprach das Buch für Maedchenblog - und dort besteht auch viel und gute Möglichkeit zur Diskussion. Gregor schreibt u.a.: "[Die Studie] bietet Anregungen für reflektierte Biolog_innen, die bereit sind, über den Rand ihrer Objektträger und Deckgläschen hinaus neuen Sichtweisen den Zugang zur Biologie zu ermöglichen." Direkt zur Rezension: hier.

Rolf Löchel (er begründete 1999 u.a. mit: Arbeitskreis Zukunft des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung) rezensierte "Making Sex Revisited" bei www.literaturkritik.de. Dort heißte es u.a.: "Der Band bietet nicht nur eine kritische Auseinandersetzung mit der von Laqueur behaupteten strikten Trennung und historischen Abfolge der Annahmen des Ein-Geschlechter-Modells und des diesem folgenden Zwei-Geschlechter-Modells, sondern unternimmt ebenso die im Untertitel angekündigte Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Sicht." Direkt zur Rezension geht es: hier

Der Philosoph und Literaturwissenschaftler Johannes Ungelenk rezensierte für die "Rosigen Zeiten" und macht dort Vorschläge auch zum Weiterdenken! Ungelenk schreibt u.a.: "Auf brillante Art und Weise spiegelt Voß' enzyklopädische Übersicht gleichzeitig die (binär-geschlechtliche) Voreingenommenheit des wissenschaftlichen Fragens und die Komplexität der Antworten wider. [...] Voß kommt absolut überzeugend und mit dem reichhaltigen Corpus an versammelten medizinisch-biologischen Theorien im Rücken zum Ergebnis, dass die gesellschaftlich etablierte Norm der Zweigeschlechtlichkeit der komplexen Vielfalt, Variabilität und Prozesshaftigkeit der Vorgänge [...] nicht gerecht wird." Die Rezension findet sich bei "Rosige Zeiten" (als pdf) und auch schon hier (als html).

Die Texterin, Ghostwriterin und Soziologin Tina Pruschmann rezensierte beim "Netzwerk der Autoren", suite101. In der Besprechung heißt es u.a.: "Voß zeigt [...] dass es gute Gründe gibt, [...] männlich-weiblich nicht als ein Entweder-oder zu beschreiben, sondern als ein Sowohl-als-auch [...]. Der Autor legt mit der Untersuchung ›Making sex revisited‹ eine akribisch recherchierte und sich auf allen Ebenen reflektierende Arbeit vor, die sich vor allem durch eine durchgehend sensible und sehr präzise Sprache auszeichnet." Die Besprechung findet sich: hier

Caroline Günther besprach "Making Sex Revisited" in Freiburger Geschlechterstudien (Heft 24/2010, S.353-356, hier online): "Voß liefert [...] eine überzeugende empirische Grundlage einer innerhalb wissenschaftlicher (Geschlechter-)Diskurse mittlerweile 20 Jahre währenden Theoriediskussion."

Verena Schuh rezensierte für Gender - Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. Schuh schreibt u.a.: "Aufgrund der guten Strukturierung und der ausführlichen Darlegung wird es der lesenden Person leicht gemacht, sich ein Bild über die naturwissenschaftliche Landschaft und ihre Entwicklung zu machen. [...] Kurzum, ›Making Sex Revisited‹ ist eine Wohltat, bietet Ansätzen kritischer Gender Studies breite Anschlusspunkte, ist erkenntnisreich und spannend zu lesen." Die Rezension, erschienen in der Ausgabe 3/2010, S.157-159, ist hier online.

Dr. Merve Winter rezensierte das Buch für die Literaturbeilage der Phase 2 (Nr. 38, 2010, S.2-3 der Literaturbeilage) und schreibt u.a.: "[V]or allem Voß' Kritik an der gängigen Praxis innerhalb der Biologie, andere Säugetiere als mögliche Modellorganismen für den Menschen zu betrachten, erscheint nachvollziehbar.".

Michel Reiter besprach auf Postgender vier aktuelle Dissertationen und prüfte sie auf ihr Potenzial zum Beenden der derzeit noch immer in der Bundesrepublik Deutschland praktizierten geschlechtszuweisenden Operationen und Hormonen bei Säuglingen und Kleinkindern uneindeutigen Geschlechts.

Der Historiker Stefan Micheler rezensierte "Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive" in der Invertito - Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten (Heft neu im Buchhandel: Nr.12, S.163-166) und schreibt u.a.: "[Voß liefert] eine breit angelegte Studie, die die gerade in der Queer Theory grundlegende These der Konstruktion des biologischen Geschlechts in den neuzeitlichen und modernen Fachdisziplinen dezidiert zu bestätigen vermag."

Auch in der Zeitschrift "Impulse", der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V., Heft 67, mit dem Schwerpunkt "›Sex und mehr ...‹ Sexualität und Gesundheit" ist eine kurze Besprechung erschienen. In der Rezension heißt es u.a.: "Dieses Buch differenziert die einzelnen historischen Positionen [zu Geschlecht] aus biologisch-medizinischer Perspektive und begründet treffend die Annahme, dass mehrere Geschlechter möglich sind."

Geschlecht ist gesellschaftlich gemacht. Dass das auch für das biologische Geschlecht sex gilt – ein Postulat queer-feministischer Theorien –, kann dieser Band anhand biologischer Theorien erstmals dezidiert und differenziert belegen.
Die naturphilosophischen und biologisch-medizinischen Geschlechtertheorien unterschiedlicher Zeitabschnitte (Antike, beginnende Moderne, Gegenwart) werden dargestellt und in die gesellschaftlichen Geschlechterordnungen eingeordnet. Heinz-Jürgen Voß führt die miteinander ringenden Positionen differenziert aus und zeigt: Mit prozessorientierten Betrachtungsweisen sind in biologischen Theorien viele Geschlechter denkbar – statt nur zwei oder drei.

Heinz-Jürgen Voß (Dipl.-Biol., Dr. phil.) lehrt zu Geschlecht und Biologie an verschiedenen Universitäten. Seine Forschungsschwerpunkte sind biologische Geschlechtertheorien, Queer Theory und Queer Politics.

Mehr Informationen zum Buch, eine Leseprobe etc. finden sich beim Verlag

Rezensionen finden sich hier

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